Beimerstetten Landrat: Politik muss Zahl der Asylbewerber vom West-Balkan verringern

Landrat Heinz Seiffert (rechts) und Sozialdezernent Josef Barabeisch haben gestern die Notunterkunft für Asylbewerber in Beimerstetten besucht.
Landrat Heinz Seiffert (rechts) und Sozialdezernent Josef Barabeisch haben gestern die Notunterkunft für Asylbewerber in Beimerstetten besucht. © Foto: Volkmar Könneke
THOMAS STEIBADLER 29.08.2015
Bis zu 2000 Asylbewerber kommen in diesem Jahr in den Alb-Donau-Kreis. Dessen Aufgabe ist es, die Menschen unterzubringen. Wahrscheinlich muss eine weitere Notunterkunft eingerichtet werden.

In den restlichen vier Monaten des Jahres dürften noch einmal etwa 1000 Asylbewerber in den Alb-Donau-Kreis kommen. "Wir müssen schauen, dass sie ein Dach über dem Kopf bekommen", sagte Landrat Heinz Seiffert gestern beim Besuch der Notunterkunft in Beimerstetten. Das wird aber immer schwieriger. Die zwölf Gemeinschafts- und Ausweichunterkünfte des Landkreises sind mit etwa 900 Bewohnern ausgelastet, für die so genannte Anschlussunterbringung von zur Zeit 220 Menschen ist der Kreis auf Wohnungsangebote der Städte und Gemeinden angewiesen. "Den Bürgermeistern ist bewusst, dass man den Kreis nicht im Stich lassen kann", lobte Seiffert die Kommunen. Doch ob das genügt, ist mehr als fraglich.

Bereits am 10. September werden wieder etwa 120 Menschen aus Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes im Alb-Donau-Kreis ankommen. Landrat Seiffert, Sozialdezernent Josef Barabeisch und die Mitarbeiter des Fachdienstes Flüchtlinge hoffen, dass die jetzigen Bewohner der Beimerstetter Notunterkunft, die dort erst am Donnerstag angekommen sind, bis dahin anderswo untergebracht werden können. "Wie das gelingt, ist nicht ganz klar", räumte der Landrat ein. Der Landkreis sucht daher Immobilien, die sich zur Einrichtung weiterer Notunterkünfte eignen. Sozialdezernent Barabeisch: "Angebote sind willkommen." Die Kreisverwaltung nehme aber nicht jedes Angebot an, sagte der Landrat. Standorte in den entlegensten Winkeln des Kreisgebiets kämen nicht in Frage.

Abhilfe muss nach Seifferts Worten auch die Politik auf Bundes- und EU-Ebene schaffen. Die Zahl der Bewerber ohne Aussicht auf Asyl müsse verringert werden. Nur dann könnten Städte und Landkreise genug Plätze für die bereitstellen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind. Die Kommunen könnten aber nicht zwischen aussichtsreichen und aussichtslosen Asylbewerbern unterscheiden, betonte Seiffert: "Wir können nicht selektieren, das ist die Aufgabe der Politik."

220 Asylbewerber sind in diesem Monat in den Alb-Donau-Kreis gekommen, darunter etwa 60 Kinder und Jugendliche unter 18. Mehr als die Hälfte, genau 124, stammen Barabeisch zufolge aus den sechs Westbalkan-Staaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien gelten seit November 2014 als "sichere Herkunftsstaaten".

Als bislang einzige Notunterkunft des Alb-Donau-Kreises dient ein angemietetes Bürogebäude an der Einsteinstraße in Beimersetten. Ehe dort am 13. August die ersten etwa 120 Asylbewerber eintrafen, musste es rasch hergerichtet werden. "Komfortabel ist anders, aber es geht", sagte Seiffert, der sich gestern auch mit einigen Flüchtlingen aus Syrien unterhielt. Der Landkreis sucht aber nicht nur nach weiteren Mietobjekten, auch Grundstücke sind gefragt, um Übergangsunterkünfte zu erstellen. In Laichingen soll eine solche in Modulbauweise errichtet werden, in Ehingen in Containerbauweise. Jeweils etwa 120 Bewohner werden Seiffert zufolge dort Platz finden. "Aber das dauert noch ein paar Monate."

"Sie repräsentieren die Willkommenskultur"

Betreuung Acht neue Stellen sollen im Fachdienst Flüchtlinge des Landratsamts besetzt werden. Dessen Mitarbeiter lobte Landrat Heinz Seiffert gestern bei seinem Besuch in der Beimerstetter Notunterkunft ausdrücklich. Wertvolle Unterstützung leisteten die ehrenamtlichen Helferkreise, die es in fast allen Kommunen mit Unterkünften für Asylbewerber gebe. Eine Sonderrolle kommt dem Beimerstetter Helferkreis zu. Die Bewohner bleiben nur etwa zwei Wochen in der Notunterkunft, daher sind dauerhafte Angebote unmöglich. Seiffert ermutigte die Helfer, trotzdem weiter zu machen: "Sie repräsentieren die Willkommenskultur." In den Unterkünften komme es auch zu Reibereien und Zoff, "das will ich nicht verschweigen", sagte Seiffert. Angesichts vieler Menschen unterschiedlicher Herkunft auf engem Raum sei das aber nicht überraschend.