Laichingen Laichinger Weberei stellt nach mehr als 140 Jahren den Betrieb ein

Mit Pichler schließt die letzte Weberei in Laichingen.
Mit Pichler schließt die letzte Weberei in Laichingen. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / PETER SCHUMANN 11.07.2014
Die Firma Pichler in Laichingen schließt ihre Weberei zum Jahresende. Dies bedeutet die Kündigung von fünf Mitarbeitern. Die restlichen 81 Beschäftigten bleiben. Pichler ist die letzte Weberei in Laichingen.

Die langjährige Tradition als Leinenweberstadt ist in Laichingen zu Ende: Die Firma Pichler schließt zum Jahresende seine Weberei, damit stellt die letzte Weberei in Laichingen ihren Betrieb ein. Nach den Worten von Geschäftsführer Dr. Thomas Wagner sind von der Schließung fünf Mitarbeiter betroffen, denen gekündigt werden muss. Das Unternehmen beschäftigt in Laichingen aber weitere 81 Mitarbeiter in der Konfektion, dem Einkauf, dem Versand und der Verwaltung, die ihre Arbeitsplätze behalten.

Die Entscheidung des Geschäftsführers kommt für die Mitarbeiter von Pichler nicht ganz überraschend: Schon 2012 wurde die im Jahr 2004 getroffene Standortsicherungsvereinbarung zur Investition in die Weberei am Standort Laichingen gekündigt. In dieser Betriebsvereinbarung war das Ziel einer Umsatzsteigerung um 50 Prozent auf zehn Millionen Euro bis zum Jahr 2012 festgesetzt worden, um die notwendigen Investitionen zur Modernisierung der Weberei bis 2016 aus eigenen Mitteln tätigen zu können. Aufgrund eines Umsatzeinbruchs auf sieben Millionen Euro im Jahr 2011/12 war dieses Ziel in weite Ferne gerückt.

Die Geschäftsführung hat zwar seit 2005 insgesamt 500.000 Euro in die Modernisierung der Weberei gesteckt, in den kommenden Jahren wären aber weitere 1,5 Millionen Euro erforderlich gewesen, die bei dem aktuellen Umsatz nicht aus Eigenmitteln aufzubringen wären, wie Wagner betont. Hinzu käme, dass die Air- Jet-Webmaschinen mit ihrem hohen Pressluftverbrauch bei einer Verdreifachung der Stromkosten innerhalb der letzten zehn Jahre völlig unwirtschaftlich geworden seien und kurzfristig ersetzt werden müssten. Und ein Energiegutachten habe aufgezeigt, dass für die energetische Sanierung des Betriebsgebäudes und der Heizungsanlage weitere 500.000 Euro aufzuwenden wären. Dies alles wäre mit Eigenmitteln nicht finanzierbar gewesen und hätte die nächste Generation finanziell erheblich belastet und geschäftspolitisch festgelegt, sagt der Geschäftsführer.

Die Konfektion am Standort Laichingen, insbesondere die Sonderkonfektion mit Express-Service, soll fortgeführt werden. Der Schwerpunkt der Konfektion liegt nach den Worten Wagner schon heute im Ausland mit der eigenen Tochtergesellschaft Pibay in Adana (Türkei) und einer Lohnkonfektion in Tschechien. Pichler verarbeitet zum Beispiel in Adana Stoffe zu Tischdecken, in Tschechien übernimmt dies eine Lohnfirma.

Auch wenn die Aufgabe der Weberei mit einer Familientradition von über 140 Jahren schwerfalle, sei sie notwendig, so Wagner. Insbesondere die Online-Marktplätze stellten neue Anforderungen an Marketing und Logistik, denen die alten Systeme nicht mehr gewachsen sind. Jetzt gelte es, die Firma Pichler bis zum 150-jährigen Bestehen in zwei Jahren neu aufzustellen, betont Wagner.

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