Umwelt Längst keine Exoten mehr

Langenau / Barbara Hinzpeter 22.08.2018

Es gilt nicht mehr als exotisch, sich vor der eigenen Haustür um den Erhalt von Flora und Fauna zu kümmern. Das war vor 40 Jahren noch ein bisschen anders, als sich Naturschützer zusammenfanden, um das Ried zu erhalten. Am 22. August 1978, also heute vor 40 Jahren, wurde die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau offiziell als Verein gegründet. Ins Leben gerufen worden war sie im Frühjahr 1977.

Der   Naturschutzbeauftragte Dieter Dobler hatte Alarm geschlagen: In den 1950er-Jahren waren im Ried Entwässerungsgräben angelegt worden, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Mit der Folge, dass die Riedlandschaft austrocknete. Dobler lud alle Interessierten aus Umwelt- und Naturschutz sowie Schulen und Vertreter der Landwirte ein. „Es kamen ziemlich viele Leute, auch aus Bayern“, erinnert sich Hans Steiner. Er war die ersten zwei Jahrzehnte Vorsitzender, bevor er das Amt an Gerhard Frommer abgab, der es nun ebenfalls schon 20 Jahre innehat. Überhaupt sind noch etliche Mitglieder aktiv, die bereits im Gründungsjahr oder kurz danach zum Verein stießen. Diese Kontinuität gehört zur Erfolgsgeschichte der AG, die aber immer auch Rückschläge hinnehmen musste.

Anfangs mit Sense gemäht

Sichtbare Zeichen für die positive Entwicklung sind unter anderem die Bulten der Rispen-Segge. Sie ist typisch für Ried und Niedermoor. Und ihr Vorkommen macht deutlich, dass der Standort wieder feucht ist. Zu verdanken ist das der Bewässerungsanlage, die nach langen Vorbereitungen und Verhandlungen genehmigt und 1985 offiziell in Betrieb genommen wurde.

Bereits 1981 war das Naturschutzgebiet Langenauer Ried von 17 auf 80 Hektar erweitert worden. Acht Hektar davon gehören der AG Donaumoos, weitere 15 hat sie gepachtet und lässt sie nach ihren Vorgaben von Bauern bewirtschaften.

Im gleichen Jahr zeichnete der damalige Ministerpräsident Lothar Späth die AG als vorbildliche „kommunale Bürgeraktion“ aus. Drei Jahre später waren die Langenauer schon wieder zu Gast im Neuen Schloss in der Landeshauptstadt und nahmen dort den „Naturschutzpreis Baden-Württemberg“ entgegen.

Die Mitglieder mähten die Streuwiesen anfangs noch mit der Sense – eine sehr anstrengende Arbeit im Sumpfgebiet, wo nicht selten die Gummistiefel steckenblieben oder vollliefen. „Landschaftspflege war immer ein Familien-Event“, sagt Gerhard Frommer. „Das ist bis heute noch so“, fügt Günter Herrmann hinzu.

Aufgegeben wurde nach knapp zehn Jahren das Brachvogelbrutprojekt. In den 1970er-Jahren lebten noch 15 Schnepfen-Paare im Ried, berichtet Frommer. Sobald die Zeit zum Brüten gekommen war, rückten die Naturschützer aus, manchmal „zigmal am Tag“. Sie beobachteten die Vögel, um die Gelege zu finden. Die Eier tauschten sie gegen hölzerne Exemplare. Daran nagten Füchse und Wiesel vergeblich. Die echten Eier wurden im Kasten ausgebrütet. Steiner: „Waren die Attrappen nach 28 Tagen noch im Nest, haben wir sie gegen die Jungvögel ausgetauscht.“ Erstaunlicherweise seien die von den Erwachsenen sofort angenommen worden. Insgesamt seien so 79 Jungvögel entlassen worden.

Dennoch: Nur vereinzelt kamen die in den Süden gezogenen Großen Brachvögel wieder zurück ins Ried. So sei 1988 beschlossen worden, ihr Aussterben nicht weiter zu dokumentieren. Allerdings habe der Bestand an Bekassinen zugenommen, außerdem seien vermehrt Blau- und Schwarzkehlchen gesichtet worden. Auch verzeichneten die Naturschützer wieder mehr Orchideen und verschiedene Libellenarten, darunter die gefleckte Heidelibelle.

International bedeutend

Einerseits das Ried zu erhalten, das als international bedeutendes Feuchtgebiet eingestuft ist, und gleichzeitig die Interessen von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft zu berücksichtigen, fordert immer wieder Gespräche mit allen Beteiligten. In den vergangenen 40 Jahren habe die AG den Finger in manche Wunde gelegt. „Aber wir gelten nicht mehr als Exoten“, sagt Frommer.  Eher als Experten, die bei Entscheidungen, die das Gebiet betreffen, gehört werden und „ein gewisses Mitspracherecht“ haben.

Inseln der Natur werden vorgestellt

Vortrag „Inseln der Natur – Unsere eigenen Biotope“: So heißt ein Vortrag, zu dem die AG Donaumoos für Dienstag, 18. September, um 20 Uhr ins Naturfreundehaus Langenau einlädt. Dabei will die AG Orte vorstellen, die einige Zuhörer vermutlich noch nicht kennen: Biotope, die vor Jahren angelegt und immer wieder gepflegt werden. Die Diashow wird von Gerhard Frommer moderiert.

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