Alles an einer Adresse: Yilmaz, ein junger Flüchtling aus dem Nahen Osten hat noch einige Stunden Deutsch vor sich. Um das geforderte Zertifikat zu erwerben, besucht er den Unterricht im „Institut für Bildung“ in der Ehinger Straße in Erbach. Um seine Chancen am Arbeitsmarkt auszuloten, hat er zuvor einen Termin mit einem Vertreter des Job-Centers Alb-Donau ausgemacht – im selben Gebäude. Braucht der junge Mann Rat, kann er ein Gespräch mit der Vertreterin des Internationalen Bundes vereinbaren; haben seine Eltern Fragen, steht die Caritas zur Verfügung. Weitere mögliche Ansprechpartner sind die Agentur für Arbeit oder die Anerkennungsberatung des katholischen Verbands für Mädchen- und Frauensozialarbeit „In Via“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Alles in der Ehinger Straße 39. Noch stehen genaue Sprechzeiten nicht fest, aber Zukunftsmusik ist es nicht mehr.

Mit der Eröffnung des „Integrationszentrums“ am Mittwoch in Erbach ist nicht nur die fünfte Geschäftsstelle des „Instituts für Bildung“ (IfB) verbunden, sondern es sitzen auch die Caritas und der Internationale Bund (IB) mit im Boot, sagte IfB-Geschäftsführerin Meltem Madenci. Der Sozialverband der katholischen Kirchen werde Menschen über 27 Jahre beraten, das Jugendsozialwerk des IB die unter 27-Jährigen. Wie die anderen Kooperationspartner stehen sie stundenweise zur Verfügung. „Wir starten damit etwas Einmaliges im gesamten Alb-Donau-Kreis“, sagte Madenci.

Das Erlernen der Sprache sei der Schlüssel zur Integration und werde immer ein Thema bleiben, betonte Bürgermeister Achim Gaus. Er freue sich deshalb, dass das IfB in Erbach einen eigenen Standort eröffne. Die angestrebte Beratung „unter einem Dach und auf kurzem Weg“ sei vor allem für die Betroffenen ein Gewinn.

2011 hatte das IfB in Erbach die ersten Kurse angeboten. „Mit einem etwas holprigen Start“ räumte Madenci ein: „Erster Sprachkurs, zweiter, schaffen wir einen dritten?“ Dank der von der Kommune bereit gestellten Räume und Spendern, beispielsweise von Lernmaterial, ging es aufwärts. Inzwischen seien zehn Kurse abgeschlossen, und das Unternehmen schreibe in Erbach schwarze Zahlen. Von 173 Teilnehmern erreichten 115 das so genannte B1-Zertifikat. Der nächste Kurs ist in Planung

Gegründet hat Madenci das Intsitut 2005, seit 2008 firmiert es unter IfB. An den heute fünf Standorten Senden, Neu-Ulm, Ulm, Munderkingen und Erbach besuchen mehrere hundert Lernende die über 25 Projekte und Kurse. Mit der vor zwei Jahren einsetzenden Flüchtlingswelle nahm die Bedeutung der Sprachkurse in dem Unternehmen deutlich zu. Die insgesamt 50 Mitarbeiter mussten plötzlich doppelt so viel Menschen wie bisher unterrichten. Eine der Hauptschwierigkeiten sei es gewesen, ausreichend qualifizierte Dozenten zu gewinnen. „Wir wollten unser angestrebtes Niveau auf keinen Fall nach unten schrauben“, sagte die 43-jährige Betriebswirtin.

Unterrichtet werde ausschließlich von in Deutschland ausgebildeten oder anerkannten Lehrern. Einige seien von Anfang an dabei. Einen gewissen Konkurrenzdruck räumt Madenci ein, möchte ihn aber nicht weiter kommentieren. Ihr Ziel sei es das anzubieten, „was IfB am Besten kann“. Durchschnittlich erreichten beim IfB 65 Prozent der Teilnehmer das B1-Sprachzertifikat.

Mit dem Nachlassen des Flüchtlingsstroms würden wieder andere  Angebote ausgebaut wie die Schülerhilfe – in Erbach steht die Integration der Kinder in den Schulalltag im Vordergrund –  und die ihr besonders wichtigen Frauenkurse. Dazu gehöre, die Teilnehmerinnen für die hierzulande geltenden Werte zu sensibilisieren, über die Bedeutung von Schule und Beruf zu informieren, aber auch bei allgemeinen Lebenssituationen wie häuslicher Gewalt zu beraten. „Wir wollen nicht nur Sprache vermitteln, sondern dafür sorgen, dass Frauen eine Chance haben sich weiterzubilden und ihre Qualifikationen in der Gesellschaft umsetzen können.“

Integrationskurse: Ein Markt mit vielen Anbietern


Zulassung Träger von Integrationskursen brauchen eine Zulassung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz: BAMF. Es ermittelt den Bedarf. In der Region gibt es demnach im Moment genug Anbieter, sagt die Integrationsbeauftragte im Alb-Donau-Kreis, Alexandra Bluschke. Die Konkurrenz unter den Trägern dürfte sich wegen der Steuerung durch das BAMF in Grenzen halten, zudem verteilen sich die Anbieter auf die jeweiligen Kursorte.

Träger Im Alb-Donau-Kreis sind nach Informationen des Landratsamts sechs Anbieter auf dem Markt (in Klammer deren Sitz): Internationaler Bund (Ehingen); Profil Kolleg (Ulm) – auch in Kooperation mit der vhs Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen;  vh Ulm; VHS Ehingen; Institut für Bildung (Senden) und das CBZ (München). Im Landkreis Neu-Ulm sind sieben Träger von Sprach- und Integrationskursen registriert. Das Institut für Bildung ist auch dort aktiv, ebenso wie das Profil Kolleg. Außerdem: Iller Bildungscenter (Neu-Ulm), bfz (Neu-Ulm), Kolping-Bildungswerk Iller/Donau (Neu-Ulm), Berufsbildungszentrum BBZ (Neu-Ulm) und  Deutsches Erwachsenen-Bildungswerk – gemeinnützige Schulträger (Ulm).

Kurse Die Angebote auf der württembergischen und bayerischen Seite unterscheiden sich. Integrationskurse im Alb-Donau-Kreis bestehen aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs. Im Sprachkurs werden wichtige Themen aus dem alltäglichen Leben behandelt. Im Anschluss an den Sprachkurs findet der Orientierungskurs statt.

Im Landkreis Neu-Ulm gilt das bayerische Modell mit Erstorientierungskursen, Integrationssprachkursen, Berufsorientierung mit Sprachförderung und Alphabetisierungskursen. ref