Staig / THOMAS STEIBADLER Am Sonntag stellt sich der Staiger Bürgermeister Martin Jung zum dritten Mal der Wiederwahl. In der Kandidatenvorstellung kochte die Stimmung zeitweise hoch, wofür Mitbewerber Jochen Schmidberger sorgte.

Am Ende fand Maria Kurasch, die stellvertretende Bürgermeisterin, versöhnliche Worte und dankte für einen "trotz allem harmonisch verlaufenden Abend". In der Tat hatte am Donnerstagabend im Bürgersaal des Staiger Rathauses die Harmonie auf der Kippe gestanden. Das lag nicht an Bürgermeister Martin Jung, der sich morgen um eine vierte Amtszeit bewirbt. Vielmehr brachte Mitbewerber Jochen Schmidberger viele der knapp 60 Bürger, darunter einige Gemeinderäte, mit seinem satirisch gemeinten Auftritt gegen sich auf.

Zunächst musste Schmidberger, der in Ulm-Wiblingen wohnt, 20 Minuten auf dem Flur warten. So lange hatte jeder der drei Kandidaten Zeit, sich und seine Ideen für die Gemeinde den Zuhörern zu präsentieren. Der dritte Bewerber, Michael Eckardt von der Partei "Nein!-Idee", war erwartungsgemäß nicht erschienen.

Amtsinhaber Jung nutzte die ihm zur Verfügung stehende Redezeit voll aus: Für eine Rückblick auf seine dritte Amtszeit, die 2008 begann und am 8. April zu Ende geht, sowie auf die "zahlreichen Aufgaben", die in den nächsten Jahren zu erledigen seien. Jungs Fazit: Staig sei eine moderne und finanzkräftige Gemeinde und "gut auf die Zukunft vorbereitet." Für den St.-Josef-Kindergarten kündigte er den Ausbau des Ganztagsangebots an, die Nachbarschafts-Grundschule müsse saniert und erweitert, die Gemeinschaftsschule räumlich für ein zehntes Schuljahr vorbereitet werden. Ferner werde die Gemeinde in die Schulsozialarbeit einsteigen.

In der Staiger Ortsmitte sollten Baulücken geschlossen werden, zu diesem Zweck sei ein Bebauungsplanverfahren angestoßen worden, sagte Jung weiter. In Altheim sei ein kleines Gewerbe- und in der Nähe der Sportanlagen ein Wohngebiet geplant, die mit einem Kreisverkehr an die Landesstraße 1242 angebunden werden sollen. Ferner sei die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Gassenäcker in Steinberg dringend notwendig.

Jung führte auch die Renaturierung der Weihung an sowie den öffentlichen Nahverkehr. Die Gemeinde benötige nicht nur eine gute Verbindung ins Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm, sondern auch Querverbindungen nach Erbach und nach Senden.

Schon vor seinem Auftritt, den der korrekt in Dreiteiler und Krawatte gekleidete Schmidberger mit der persönlichen Begrüßung einzelner Zuhörer begann, hatte er manche Staiger gegen sich aufgebracht. Auf den kleinen Werbezetteln, von denen er nach eigenen Worten etwa 500 in der Gemeinde verteilte, steht: "Bürgermeister für Dings!" und auf der Rückseite "Liebes Stimmvieh". Dieser Linie blieb Schmidberger in seinem Wortbeitrag treu. "Ich bin die Alternative für Dings", ließ er wissen, um nach ebenso launigen wie unsinnigen Bekenntnissen pro und kontra Veganismus überzuleiten: "Kommen wir nun zum Titelverteidiger hier in Dings." Der erste Zwischenruf, dem noch einige folgen sollten, korrigierte den Bewerber: "Wir sind hier in Staig, nicht in Dings."

Als Schmidberger in seiner "rein populistischen Rede" auch noch lateinische Sätze vorlas, hatten einige genug gehört und verließen den Saal. Viel versäumten sie nicht, denn lange vor Ablauf der Redezeit beendete der Kandidat, dessen Partei "Die Partei" als einzige "Inhalte überwinden" wolle, seine selten zusammenhängenden Ausführungen.

Hatte der 47-Jährige bemerkt, dass sein satirischer Versuch gescheitert war? Oder waren es in der anschließenden Runde mit Jung die durchaus ernst gemeinten Fragen der Bürger? Jedenfalls besann sich Schmidberger eines Besseren, bemühte sich um seriöse Antworten und dürfte zumindest den einen oder anderen Sympathiepunkt gewonnen haben. Zum Beispiel mit der Antwort auf die Frage, über welche besonderen Fähigkeiten er verfüge, die fürs Bürgermeisteramt notwendig seien: "Das ist jetzt schwer zu sagen."

Ernsthaft wurde es, als eine Bürgerin mit Hinweis auf die Silvesternacht in Köln fragte: "Was macht die Gemeinde Staig, damit sich Frauen sicher fühlen?" Er könne sich nicht vorstellen, dass von den in der Gemeinde lebenden Asylbewerbern eine Gefahr ausgehe, sagte Bürgermeister Jung. In vielen Gesprächen sei mit den Ankömmlingen die hiesige Werteordnung erörtert worden, und "dass wir eine emanzipierte Gesellschaft sind".

Und dann wurde Jung von einer anderen Bürgerin noch an ein Versprechen erinnert, das er ihr vor 24 Jahren bei seiner ersten Kandidatur in Staig gemacht habe: eine Kneipp-Anlage an der Weihung. "Ja, das stimmt", sagte der Bürgermeister und versicherte, bei der anstehenden Umgestaltung des Flüsschens werde an die Freunde des Wassertretens gedacht.

Drei Wahllokale von 8 bis 18 Uhr geöffnet

Regularien In der etwa 3100 Einwohner zählenden Gemeinde Staig sind am Sonntag 2627 Bürger wahlberechtigt. Ihnen stehen drei Wahllokale zur Verfügung, die von 8 bis 18 Uhr geöffnet sind: im Wahlbezirk 1 die Nachbarschaftsgrundschule in Staig, im Wahlbezirk 2 der Kindergarten in Steinberg, im Wahlbezirk 3 die Verbandsgemeinschaftsschule in Altheim.

Bewerber Drei Kandidaten stehen morgen zur Wahl: Amtsinhaber Martin Jung (parteilos), Michael Eckardt (Partei "Nein!-Idee"), Jochen Schmidberger ("Die Partei").