Erziehung Kritische Fragen zum Waldkindergarten

Zahlreiche Eltern wünschen sich einen Waldkindergarten für Laichingen.
Zahlreiche Eltern wünschen sich einen Waldkindergarten für Laichingen. © Foto: sgk
Laichingen / sgk 07.11.2018

Kinder, die einen ganzen Vormittag lang im Wald spielen, die Natur mit allen Sinnen entdecken, ihrer Phantasie den Lauf lassen, einerlei, ob es regnet oder die Sonne vom Himmel sticht. Der Waldkindergarten, ein Szenario, das sich, einer Umfrage der Stadt Laichingen zufolge rund 21 Eltern für ihre Kinder wünschen. Eine Betreuungsform, so weit weg vom bekannten Kindergarten, dass viele Laichinger Gemeinderäte dieser äußerst kritisch gegenüber stehen. Das zeigte sich, als Beatrice Danzer, Isabell Cavallo und Sabine Schwegler vom 2017 gegründeten Verein „Waldkindergarten“ ein mögliches Konzept für den von ihnen angestrebten Waldkindergarten im Gemeinderat vorstellten: Betreuung für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt, eine Gruppe mit maximal 20 Kindern, von zwei Erzieherinnen permanent betreut.

Wenige Regeln

„Der Lehrplan ist der Wald“, sagte Danzer. Der beispielhafte Tagesablauf: Ankommen, Morgenkreis, Freispiel in den Waldspielräumen unterschiedlichster Wahrnehmung: belaubt, steinig, lehmig. Danach Vesper, Abholen. Es gelten wenige, aber sinnvolle und unumstößliche Regeln, etwa die, dass nichts vom Waldboden gegessen wird, sondern nur das mitgebrachte Vesper, vor dem Essen werden die Hände mit biologisch abbaubarer Seife gewaschen, ein Handtuch bringen die Kinder mit und wenn die Kleinen mal „müssen“, stellen sich die drei Frauen eine „Komposttoilette“, wie in vielen Waldkindergärten gebräuchlich, vor. Nur die Erzieherinnen brauchen ihr eigenes WC. Der Verein wünscht sich, dass die Stadt das Angebot „Waldkindergarten“ schafft,  der Verein mit zehn Mitgliedern sei zu klein, um eine solche Einrichtung zu gründen.

Die Räte hakten kritisch nach. Wenn es nun stürmt und dauerhaft regnet, bleiben die Kinder immer noch im Freien? Nein, dafür ist ein Schutzraum nötig. Ein Bauwagen etwa, den der Verein bereitstellen könnte. Für‘s Beheizen würde er außerdem sorgen. Weshalb nur ein Vormittagskindergarten?, wollte Bernhard Schweizer wissen. Ein Ganztagsangebot setze Platz für Ruhephasen der Kinder voraus. Ist außer einer Schutzhütte tatsächlich keine Infrastruktur notwendig?, fragte Ulrich Rößler: „Da können wir die Kinder ja einfach ohne Spielzeug in die Gärten unserer Einrichtungen sperren“, meinte er und verwies auf die bis ins kleinste Detail gehenden Vorgaben für die  Betriebserlaubnis eines Regelkindergartens. Strom, am besten über ein Solarmodul, wäre sinnvoll, um die Unterkunft in der dunklen Jahreszeit beleuchten zu können, ergänzte Danzer die Infrastruktur, „aber es gibt beim Waldkindergarten außer der Schutzhütte keine Vorgabe“.

Basteln und Malen fällt ganz weg, wunderte sich Gisela Steinestel. Nein, es gebe Scheren und Malstifte, auch Bilderbücher, wenn auch nur ein kleines Sortiment. Gelagert  werde alles in der Hütte und genutzt nur in den wenigen Stunden pro Woche, wenn sich die Kinder darin aufhalten.  Der Wald ist groß, haben die Erzieherinnen die Kleinen stets im Blick? Ja, denn der Waldkindergarten ist ebenso ein abgesteckter Bereich, wie jeder andere Kindergarten auch, klärte Bürgermeister Klaus Kaufmann auf. Dort, so führte er weiter aus, sei die Stadt zudem für die Verkehrssicherung zuständig, heißt, es muss in Abstimmung mit dem Förster jeder Baum sicher sein, um etwa Astbrüchen vorzubeugen.

Angesichts der immer mehr ins Detail gehenden Fragen bot Kaufmann an, einen Waldkindergarten zu besuchen. Er scheint der Idee, dass Laichingen ein solches Angebot vorhält, aufgeschlossen: „Die Nachfrage ist signifikant.“  Ob die Stadt diese Betreuungsform schaffen will, darüber werden die Räte in einer der nächsten Sitzungen entscheiden.

Konkurrenzloses Alternativangebot

 Der Verein hat schon einmal in Merklingen den Versuch gestartet, einen Waldkindergarten zu etablieren. Dort scheiterte das Ansinnen an zu geringer Resonanz aus der Elternschaft sowie dem Umstand, dass die Gemeinde nicht in der Not sei, zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen, erklärte Beatrice Danzer. Da es in der Region kein solches Angebot gäbe, habe Laichingen die Chance, ein  in konkurrenzloses attraktives Alternativangebot zu den etablierten Betreuungsformen zu schaffen.

Dass Laichingen zusätzliche Betreuungsplätze benötigt, darauf verwies Heike Lamparter in der Bürgerfragestunde: Die Machtolsheimerin hakte nach, wann das von der Stadt vor dem Sommer versprochene Kindergartenkonzept komme und ob die Situation in Machtolsheim entspannt werde. Neue Entwicklungen hätten sich ergeben, die aufzugreifen sind, erklärte Bürgermeister Klaus Kaufmann. Er versicherte, dass Machtolsheim im Konzept eine wichtige Rolle spielen werde. Auch die BWV (Bürgerliche Wählervereinigung) positionierte sich deutlich: Die Fraktion habe einstimmig beschlossen, für die Haushaltsberatungen zu beantragen, dass in Machtolsheim entweder an- und neu gebaut werden müsse. „Die Stimmung dort ist sehr schlecht, haben wir bei einer Besichtigung feststellen müssen“, sagte Rainer Fink.

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