Weidenstetten Kritiker des Weidenstetter Waldfriedhofs sind verstummt

Nicht nur Bäume, auch Baumstümpfe und Wurzelteller sind als letzte Ruhestätte denkbar.
Nicht nur Bäume, auch Baumstümpfe und Wurzelteller sind als letzte Ruhestätte denkbar. © Foto: AMREI GROSS
AMREI GROSS 26.02.2016
Die Befürchtungen der Gegner haben sich nicht bewahrheitet. Inzwischen ist die Akzeptanz des Begräbniswaldes bei Weidenstetten hoch. Der Ruheforst ist seit Mai vergangenen Jahres offiziell in Betrieb.

Bis zu 200 Bestattungen im Jahr, Kunden aus einem Umkreis von 150 Kilometern: Die Befürchtungen der Gegner eines Begräbniswalds am Weidenstetter Jungfernbühl waren groß. Sie sahen Konflikte zwischen einem möglichen „Bestattungstourismus“ und den bestehenden zahlreichen Vereinsaktivitäten im unmittelbaren Umfeld des Forsts. Im Mai des vergangenen Jahres wurde der Ruheforst Weidenstetten/Schwäbische Alb als 61. seiner Art in Deutschland und vierter in Baden-Württemberg offiziell eingeweiht, eine erste Beisetzung fand im November 2014 statt. Seither scheinen die Fakten die Kritiker überzeugt zu haben.

„Ich habe schon lange nichts Negatives mehr zum Thema Ruheforst gehört“, sagt Bürgermeister Georg Engler. Rund zwei Dutzend Verstorbene haben vergangenes Jahr im Weidenstetter Wald einen Platz für immer gefunden. Sie stammen aus dem Ort selbst, dem Alb-Donau-Kreis und den benachbarten Kreisen Heidenheim und Neu-Ulm – aus einer Region von „rund 40 Kilometern um Weidenstetten“, sagt Förster Daniel Franz, der sich um den Begräbniswald im Auftrag der Firma Ruheforst kümmert. Das Interesse sei groß. Viele Menschen, darunter auch junge Familien, suchten sich sehr früh und gezielt ein Ruhebiotop aus, in dem sie später bestattet werden wollten. „Fast 80 Prozent unserer Ruhebiotope werden über Verträge verkauft, die zu Lebzeiten abgeschlossen wurden.“ Vor allem das Konzept des Familienbiotops, das Platz für bis zu zwölf ausgewählte Personen bietet, sei gefragt.

Rund 260 Ruhebiotope unterschiedlichster Art stehen am Jungfernbühl derzeit zur Verfügung. Ein Großteil sind Bestattungsbäume, die meisten davon Buchen – dazu einzelne Eichen, Birken, Weiden, Ahorne, Fichten und Kirschen. Auch sind markante Punkte wie Baumstümpfe, Wurzelteller oder Hügel als letzte Ruhestätte denkbar. Jedes tatsächliche und potentielle Ruhebiotop ist mit seinen genauen Koordinaten dokumentiert und mit dem Kürzel „WEI“ und einer fortlaufenden Nummer gekennzeichnet. Die kleinen Metallplatten, die diese Informationen enthalten, sind bewusst auf den wegabgewandten Seiten der Biotope befestigt. „Der Ruheforst soll nicht auf den ersten Blick ein Friedhof sein, sondern seinen Waldcharakter behalten“, sagt Franz. Aus diesem Grund ist auch Grabschmuck weder notwendig noch erwünscht. Wer zur Bestattung Kränze oder Blumen niederlegt, muss sie im Anschluss wieder mitnehmen: „Im Ruheforst übernimmt die Natur die Grabpflege.“

Mit Erwachen der Natur im Frühjahr dürfte auch das Interesse an den Führungen durch den Weidenstetter Forst steigen. Derzeit kommen zwischen fünf und zehn Interessierte: Wer den Ruheforst auf eigene Faust erkunden möchte, kann das jederzeit tun.

Info: Termine für Führungen können unter www.weidenstetten-ruheforst.de/ abgerufen werden. Treffpunkt: Parkplatz am Jungfernbühl. Anmeldung nicht erforderlich.