Jeder Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr muss einmal jährlich eine „Heißübung“ und einen Belastungstest auf der Atemschutz-Übungsstrecke absolvieren. Ohne dies erlischt die Genehmigung. Doch nun sind wegen der Corona-Pandemie alle Übungen abgesagt worden. Die Feuerwehr muss pragmatische Lösungen finden. Wie Ralf Ziegler, Kreisbrandmeister im Alb-Donau-Kreis, berichtet, gilt in Abstimmung mit der Unfallkasse folgende Regelung: Atemschutzgeräteträger, deren Lizenz abgelaufen ist, dürfen nach eigener Einschätzung und in Abstimmung mit dem Kommandanten weiterhin helfen, wenn’s brennt.

Im grünen Bereich

Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren im Alb-Donau-Kreis mit ihren rund 4500 Freiwilligen sei gewährleistet, versichert Ziegler. Auch für seinen Kollegen im Kreis Neu-Ulm, Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt, ist „alles noch im grünen Bereich“. Nicht nur was den Stand der Ausbildung, sondern auch Corona-Fälle und den Krankenstand anbelangt. Ausfälle von ganzen Abteilungen wie in Wain im Kreis Biberach gibt es nicht. Schmidt lässt sich täglich von den Feuerwehren im Landkreis die Krankmeldungen durchgeben. Am Freitagmittag waren es 44, eine nicht ungewöhnliche Zahl bei rund 2900 Freiwilligen. „Innerhalb der Feuerwehr gibt es keine bestätigten Corona-Fälle“, sagt Schmidt.

Spezifische Einsätze von Feuerwehrleuten aufgrund der Pandemie waren bisher nicht notwendig. Weil aber in Bayern der Katastrophenfall gilt, wurde die Führungsgruppe unter Leitung des Kreisbrandrats aktiviert. Wie Bernhard Schmidt berichtet, wurde die Einrichtung eines Hilfs-Krankenhauses im Clarentiner-Kolleg in Weißenhorn mit Kommunikation und Logistik unterstützt. Vor Ort tätig war das Technische Hilfswerk (THW).

Ralf Ziegler war als Kreisbrandmeister des Alb-Donau-Kreises mit zuständig für den Aufbau der Corona-Teststationen in Ehingen und Ulm, der hauptsächlich von Unternehmen bewerkstelligt wurde. „Von so etwas halten wir die Feuerwehren  raus, so lange es geht“, sagt Ziegler.

Lehrgänge abgesagt

Er hat alle Lehrgänge auf der Ebene des Alb-Donau-Kreises gestoppt und den kommunalen Feuerwehren empfohlen, Übungen auszusetzen und auch keine Versammlungen und Zusammenkünfte zu erlauben. Nach Einschätzung von Armin Eberhardt, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Alb-Donau, ist das bei den Kameraden angekommen. „Man soll sich nicht mehr im Floriansstüble treffen“, sagt Eberhardt. Dafür gebe es durchaus Verständnis. „Wir zählen eben zur kritischen Infrastruktur.“ Die Feuerwehr müsse einsatzbereit bleiben, sagt Eberhardt und rät seinen Kameraden, sich bei Corona-Verdacht rasch beim jeweiligen Kommandanten zu melden.

Wie sieht es bei den Feuerwehren mit Schutzkleidung aus? Einmalschutzanzüge, Masken und Handschuhe seien überall „mit einer kleinen Reserve“ vorhanden, sagt Kreisbrandmeister Ziegler. „Es ist so viel da, dass wir beispielsweise in der Lage wären, ein Altenheim zu evakuieren.“ Für den persönlichen Schutz seien die Hinweise des Robert-Koch-Instituts für nicht-medizinische Einsatzkräfte an die Feuerwehrleute weitergegeben worden.

Angesichts der Krise haben die Feuerwehren im Alb-Donau-Kreis nicht nur aktuell anstehende Treffen und Lehrgänge abgesagt, sondern auch Termine, die noch in weiterer Ferne liegen. So die für 6. und 7. Juli vorgesehene Abnahme der Leistungsabzeichen in Lonsee. „Die Gruppen hätten jetzt angefangen zu üben“, sagt Ralf Ziegler.

Auch das THW erledigt nur das Notwendigste


Bereitschaft Was für die Feuerwehr gilt, gilt auch für das Technische Hilfswerk (THW): „Wir haben alle Übungen abgesagt“, berichtet Carmen Egle, Leiterin der THW-Regionalstelle Biberach. Es würden nur Dinge erledigt, die notwendig sind, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. In Egles Zuständigkeitsbereich waren in den vergangenen Tagen Ortsverbände am Bodensee beim Aufbau von Teststationen eingesetzt, die THW-Ortsverbände Ehingen, Blaubeuren und Ulm mussten im Zusammenhang mit der Corona-Krise bisher nicht tätig werden. Laut Carmen Egle gilt für alle eine „erhöhte Bereitschaftsstufe“.