Für ihn ist sie alles: sein ganzer Stolz, seine liebste Freizeitbeschäftigung und vor allem auch ein Stück der Heimat. Der Krippenbauer Fritz Wollmann war "Lackierer beim Kässbohrer" und lebt seit 1946 in Ulm und Umgebung. Dennoch sieht er seine Heimat etwa 600 Kilometer nordöstlich von Ulm. Seine "erste Heimat", wie er betont, liegt im heutigen Tschechien. Dort in Liberec, das einst Reichenberg hieß, wurde er 1940 geboren. Nur sechs Jahre verbrachte er dort im Sudetenland. Doch die eigenen Erinnerungen ans großväterliche Haus in Neuland und die wehmütigen Erzählung der Eltern ließen keinen Platz für eine neue donauschwäbische Heimat.

Er sei allenfalls "zweiheimisch" in Ulm, sagt Wollmann. Das mag auch daran liegen, dass sich der heute 73-Jährige schon seit Kindertagen mit dem Bau, der "in der Heimat" einst gebräuchlichen Krippen beschäftigt. Angestiftet von seinem Vater Ernst baute der kleine Fritz schon 1951 seine ersten beweglichen Krippenfiguren. Inzwischen sind es hunderte geworden.

Alleine in seinem Heiligen Land, das er seit 2002 im alten Blaubeurer Friedhofsgebäude ausstellt, sind 205 Figuren verbaut. Holztierchen und -menschen, die mithilfe kleiner Holzräder und Elektromotoren bewegt werden. Zu jeder einzelnen Figur, die er mit Wasserfarben bemalt hat, weiß Wollmann eine Geschichte zu erzählen. "Jede einzelne ist ein Prototyp", schwärmt er und erzählt, dass er oft mehrere Tage an der perfekten Bewegung tüftelt.

Mehr als Modelleisenbahnbau für Fortgeschrittene versteht Wollmann sein Hobby dabei. "Eigentlich spielt der christliche Hintergrund da keine große Rolle." Allerdings hält sich Wollmann an die traditionellen Vorgaben "aus der Heimat". Weil in den Krippen des Sudetenlands, die Stallszene stets unbewegt gewesen seien, herrscht auch ums Blaubeurer Christkind herum feierliche Ruhe.

Ganz anders im Rest der Anlage: Da bewegen sich Hirsche, Rehe, Schafe, die Hasen laufen im Stall und Eichhörnchen klettern an den Bäumen auf und ab. Der Waldarbeiter lässt mit der Axt im Anschlag einen Baum fallen. Ein Jäger bringt den Fuchs zur Strecke. Zwei Bauern rammen die Pflöcke für einen neuen Zaun ein.

Die Wollmannsche Krippe lebt - überall. Einen Eindruck, den ihr Schöpfer gerne mit Rauchöl für die Öfen und Feuerstellen unterstützt. "Die größte Belohnung für mich ist, wenn die Leute meine Anlage bewundern. Wenn die einen ,geil rufen und die anderen sich einig sind, dass die Krippe ,cool ist", erzählt der 73-Jährige. Für solche Rückmeldung investiert Fritz Wollmann auch heute noch gerne Zeit. Ein neueres Ergebnis seiner Tüftelei lässt sich im Vordergrund seiner Krippe bestaunen: eine Kuh, die sich artgerecht aufrichtet und sich dann auch wieder auf die Weide legt. "Manchmal verliere ich mich auch in Details", gibt Wollmann zu.

Eine Neigung, die sich auch im Untergrund der Krippe nachvollziehen lässt. Über 600 Holzräder, 30 Kleinmotoren, unzählige Antriebsschnüre und Federn hat er dort verbaut. Um die Anlage zu warten, muss der 73-Jährige auf dem Rücken liegend über Kopf arbeiten. "Danach kann man dann die Tasse nicht mehr richtig halten", beschreibt er die Anstrengung.

Um so bedauerlicher ist es für Fritz Wollmann, dass er bisher niemand gefunden hat, der sich um seine Krippe kümmern will, wenn er das nicht mehr kann. "Vielleicht will sie jemand in der Heimat." Immerhin einen Interessenten hat er dort schon getroffen. Als er im Sommer diesen Jahres erstmals seit der Vertreibung seiner Familie in Nordböhmen war, traf er einen Interessenten. "Der ist aber schon 85 und geht im Zweifel vor mir von der Welt", erzählt Wollmann und bedauert, dass er für seine Anlage mit aufwändiger Mechanik in der "Computer-Generation" keinen handfertigen Nachwuchs finden kann.

Dabei ist die Blaubeurer Bewegungskrippe vielleicht die größte ihrer Art. Selbst "in der Heimat" kennt Wollmann kein größeres Exemplar. Und resümiert dann: "Eigentlich ist hier der richtige Ort für meine Krippe. Schließlich ist Blaubeuren die Partnerstadt meiner Heimat, der Landschaft rund um Christofsgrund und Neuland.

Die Wollmannsche Krippe ist noch vier Mal zu besichtigen