Hörvelsingen Konrad Mock übt zwei Berufe bei einem Arbeitgeber aus: In der Logistik und als Kurator

Hörvelsingen / ROLAND SCHÜTTER 02.03.2016
Manchmal muss man im Leben einfach Glück haben. Konrad Mock (58) hatte es. Zur richtigen Zeit, am passenden Ort.

Der frühere Galerist bekam 1991 die Chance, sein Können einen Tag lang zu beweisen, nachdem seine Selbstständigkeit finanziell nicht funktioniert hatte. Daraus wurde am gleichen Abend ein neuer Fulltime-Arbeitsplatz. Ein Brotjob.

Konrad Mock lebt in Hörvelsingen und ist Kunsthistoriker. Er ist in Bingen bei Sigmaringen in einer katholischen Organistenfamilie aufgewachsen und favorisierte bereits in der Schulzeit Kunst und Musik. Er studierte in Stuttgart Kunstgeschichte und Politik, unternahm viele Bildungsreisen. Nach der Magisterprüfung 1986 lernte Mock Ulm kennen. Die Stadt faszinierte ihn, und er entschloss sich, 1987 eine Galerie vis-a-vis des Pfannkuchenhauses in der Fischergasse zu eröffnen. Doch der Markt veränderte sich plötzlich: Vier Wochen vor Mocks Geschäftseröffnung startete Kunstmäzen Professor Caius Burri im Kornhauskeller eine Galerie mit einer Hundertwasser-Ausstellung, weitere kamen hinzu. Mock bemühte sich, attraktive Kunst in der Stadt auf 400 Quadratmetern Fläche zu zeigen, organisierte Ausstellungen, doch der Erfolg blieb aus. Nach zwei Jahren zog er in ein Gebäude gegenüber dem heutigen Xinedome. Aber das brachte auch nichts.

Das eingesetztes Eigenkapital war aufgebraucht, die Verluste stiegen. „Es wäre gegenüber der Familie unverantwortlich gewesen, wenn ich mit der Selbstständigkeit weitergemacht hätte. Als Single wäre das vielleicht gegangen“, sagt Mock. Das Galeristen-Dasein musste er aufgeben. In dem Haus, das der Kunsthistoriker und seine Frau 1987 in Hörvelsingen auf der Wacholderheide fanden, leben sie indes immer noch. Das Paar hat zwei Töchter und einen Sohn.

Die berufliche Wende kam für den Galeristen aus heiterem Himmel: Thomas Grassmann, Geschäftsführer der Firma Item Industrietechnik in Einsingen, gab ihm eine Chance. Konrad Mock erhielt 1991 die Aufgabe, die Feier zur Eröffnung der Niederlassung in Einsingen als Eventmanager zu planen. Er machte aus der Veranstaltung ein Kunst-Event und lud junge Künstler ein. So gab es in dem Unternehmen die erste Kunst zu sehen. Es kamen mehrere hundert Gäste. Am Abend erhielt Konrad Mock eine unbefristete Anstellung in dem Familienunternehmen. Er hatte sich und sein Können bewiesen.

Der Kunstexperte lernte mit Platten- und Aluminiumsäge umzugehen, zu montieren, überall dort zu arbeiten, wo er gebraucht wurde. Nach zwei Jahren war er Abteilungsleiter für die Kleinlogistik und Herr über mehrere hundert verschiedener Teile. Inzwischen sind es mehr als 5500. Ein Gegenpol zur Malerei, ein vollkommen rationaler Job.

Konrad Mock ist einer von 75 Mitarbeitern am Item-Standort Ulm. Die in Solingen beheimatete Firma wuchs mit der Verarbeitung von Aluminium und der Entwicklung eines Systembaukastens zu einem Großunternehmen mit mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz heran.

Doch wo blieb fortan die künstlerische Seite von Konrad Mock? Er hatte nochmals Glück, denn der Geschäftsführer entwickelte mit ihm von Anfang an so etwas wie eine Item-Kunst-Philosophie, gab dem Fachmann Zeit und Geld in die Hand, schenkte ihm Vertrauen. Mock: „Design hat einen hohen Stellenwert, unsere Produkte sehen sehr wertig aus, wie gute Kunst.“ Die Verbindung zur Malerei war da.

Überall auf der Welt verfügen die Item-Niederlassungen über weiß gestrichene Ziegelsteinmauern. Ideal für die Präsentation von Kunstwerken. Mock nutzte sein Netzwerk und holte junge Künstler nach dem akademischen Abschluss zu Einzel-und Gruppenausstellungen. Maler, die am Anfang ihrer Karriere standen, noch keine Plattform zur Präsentation ihrer Werke hatten. So entstand der Item Kunstförderpreis für Malerei, der jährlich ausgelobt wird. Konrad Mock fungiert als Kurator. Anfänglich bestimmte er noch alleine den Preisträger. Später wurde eine Fachjury eingesetzt. Seit fünf Jahren handelt es sich um einen Publikumspreis, die Vernissagen-Gäste entscheiden – das können, wie 2011, schon mal 500 Personen sein. Daneben gibt es einen Künstler- und einen Mitarbeiterpreis. Ein Paradigmenwechsel. Geblieben ist eine Absatzgarantie. Item erwirbt einen Teil der Bilder, was die Veranstaltung für junge Künstler interessant macht. Meist werden 70 Prozent der Exponate nach einer Vernissage verkauft, eine Traumquote. Mock lud faszinierende Menschen wie Peter Andermatt oder Michael Lauterjung ein, sodass interessante Leute zu Gast in Einsingen waren. Auch dieses Jahr hat er einen Etat zur Verfügung und kann etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit der Kunst widmen. Eine Ideallösung, die ihn anspornt.

Im September wird das Jubiläum „25 Jahre Kunst“ gefeiert. Bleibt abzuwarten, was der 58-Jährige dann präsentieren wird. Bis dahin hat er auf Spaziergängen mit seinem spanischen Windhund „Mago“ noch Zeit zum Überlegen. Oder auch beim Malen zu Hause, bei dem er sich mit Porträts und freier Malerei beschäftigt.

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