Gemeinderat Komplizierte Planung für Busbahnhof

So stellt sich derzeit die Situation an den Bushaltestellen in Laichingen dar. Ein Zentraler Busbahnhof (auf der Grünfläche) soll deutliche Verbesserungen bringen.
So stellt sich derzeit die Situation an den Bushaltestellen in Laichingen dar. Ein Zentraler Busbahnhof (auf der Grünfläche) soll deutliche Verbesserungen bringen. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / sgk 13.06.2018

Einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu planen, bedeutet nicht nur bauliche Maßnahmen zu berücksichtigen, sondern es gilt Busfahrpläne, aktuelle und künftige, zu studieren und zu berücksichtigen. Nicht einfacher macht eine solche Planung die Laichinger Situation, wo der künftige Buslinienverkehr zum Bahnhof Merklingen auch einbezogen werden soll, der Zugtakt für den Bahnhof aber noch offen ist. Mindestens ebenso wichtig ist es darüber hinaus, die örtliche Verkehrssituation gut einzuschätzen. Nur so ist ein ZOB für die  Zukunft gerüstet und die Busse können sich problemlos in den übrigen Verkehr einfädeln. Immerhin kostet ein zentraler Busbahnhof in Laichingen nach einer ersten Kostenschätzung rund 1,4 Millionen Euro.

Dass es in Laichingen einen solchen ZOB braucht, und keine kleinere Lösung, das machte der Tübinger Nahverkehrsberater Ulrich Grosse den Gemeinderäten am Montagabend deutlich. Laichingen mit seinen aktuell 24 Bushaltestellen und 117 Busbewegungen an den Schultagen, hat einen fast nur auf Schulen abgestimmten Busfahrplan. Selbst die vor einigen Jahren als erste außerhalb des Schülertransfers geführte Linie 365 von Laichingen nach Blaubeuren sei ungünstig für weitere Anbindungen, etwa im Ostteil der Stadt, führte Grosse aus. Ein ZOB könne alle Buslinien  möglichst optimal verknüpfen, so dass ein Umsteigen in andere Linien in kürzester Zeit zu schaffen ist. Er empfahl dem Gremium obendrein, eine „Regio-Buslinie“ von Bad Urach über Laichingen direkt zum Bahnhof Merklingen, zu beantragen. Die fahre täglich im Stundentakt, wenigstens von sechs bis 20 Uhr und könnte auch den Osten Laichingens anfahren. „Damit hätten Sie einen Knoten in Laichingen mit super Anbindungen.“

Denn, so seine Überzeugung, auch  für Zugfahrgäste, die in Bad Urach ankommen, wäre der künftige Merklinger Bahnhof von Interesse. In dem Kurort gebe es keine günstige Anbindung nach Ulm oder an den Bodensee. „Die müssen derzeit eine Reise über Metzingen und den Stuttgarter Hauptbahnhof machen, um nach Ulm zu kommen.“ Für eine solche Regiolinie gebe es Zuschüsse und die übrigen Kosten teilten sich Landkreis, Fahrgäste und die Stadt. Als weiteren Vorteil einer stündlich getakteten Regiolinie führte er an, dass erfahrungsgemäß die Leute sich deutlich häufiger für den Bus statt für‘s Auto entscheiden.

Das sei letztlich das Ziel der Stadt, führte Bürgermeister Klaus Kaufmann aus: Die Menschen sollten rein in den Bus oder rauf aufs Fahrrad. So arbeite die Stadt an einer Radwegkonzeption für Laichingen. „Das alles ist eine lange Kette von Verknüpfungen, die am Ende ein Gesamtbild ergeben sollen“, sagte Kaufmann.

In der dem Gremium vorgestellten Entwurfsplanung von Grosse liegt der ZOB, wie bislang die Hauptbushaltestelle, in der Gartenstraße und verfügt über sechs Busstege. Vier sind um eine Mittelinsel herum vorgesehen, zwei entlang der Gartenstraße. Um Platz dafür zu schaffen, wird die Straße auf Höhe des ZOB nach Westen in Richtung zentraler Parkplatz ausgeweitet. Die Busse könnten künftig, entgegen der derzeitigen ausschließlich aus Norden zugelassenen Verkehrsführung, aus beiden Richtungen, über die Bahnhof- sowie die Hirschstraße, den ZOB anfahren. Die Busse fahren in der zweispurigen Gartenstraße im Gegenverkehr, für alle anderen Verkehrsteilnehmer würde sie zur Einbahnstraße, die in südlicher Richtung verlaufen soll. Lediglich die ersten Meter ab der Einmündung Bahnhofstraße bis zu den Parkplätzen der Bäckerei und des Notariats sind grundsätzlich mit Begegnungsverkehr   vorgesehen.

Hausaufgaben

An dieser Einbahnstraßenregelung störten sich jedoch die Fraktionen.  „Das gibt ein mittleres Chaos“, meinte Bernhard Schweizer (LAB), von einer „Krüppellösung“ sprach Ulrich Rößler (BWV) und Anton Wenzel (CDU) befürchtete ein „Wirrwarr“. Rainer Fink (BWV) kritisierte den südlich geplanten Haltesteg als zu nahe an der Kreuzung Garten-/Bahnhofstraße. „Da haben Fußgänger in Stoßzeiten keine Chance mehr, die Straße zu überqueren.“ Die Igel-Fraktion vermisste außerdem eine Ausnahme der Einbahnregelung für Fahrradfahrer.

Die Räte gaben der Verwaltung deshalb Hausaufgaben auf. Drei weitere Varianten sollen überprüft werden: Der erste, südlich gelegene Haltesteg, wird entweder nach Norden verlegt, oder auf ihn wird verzichtet. Die Einbahnregelung gilt für die ganze Gartenstraße, das sei den Anwohnern zuzumuten, angesichts einer Entlastung des Verkehrs. Und schließlich soll die Möglichkeit einer Ausnahme der Einbahnstraßenregel für Radfahrer geprüft werden.

Umfangreiche Arbeiten notwendig

Tiefbauarbeiten Die Sanierung der südlichen Gartenstraße inklusive Bau des Zentrale Busbahnhofs  ist der dritte Bauabschnitt der Innenstadtsanierung. Dazu sind umfangreiche Tiefbauarbeiten nötig. Die teils sehr marode Straße soll auf eine Länge von 130 Metern zwischen Bahnhof- und Pfeiferstraße in Vollausbau mit Auswechslung der Kanalisation saniert werden. Rund ein Drittel der Hausanschlüsse gelte es zu erneuern. Beim Asphalt wird die besondere Belastung durch den künftigen ZOB-Verkehr berücksichtigt. Der Breitbandausbau wird auf diesem Baustellenabschnitt fortgeführt. Die Gesamtkosten betragen  395 000 Euro.

Kosten Der anschließend geplante Bau des behindertengerechten Zentralen Busbahnhofs kostet nach einer ersten Schätzung 1,4 Millionen Euro. Die geschätzten Kosten beinhalten die  Ausstattung des ZOB mit überdachten  Warteplätzen und Bänken, Beleuchtung, öffentlichem  WC sowie Fahrgastinformationsystem mit Übersichtsplänen zu den Haltestellen, Tarifinformationen und Liniennetzpläne. An der Kreuzung Bahnhofstraße ist eine Funkampel vorgesehen, die, vom jeweiligen Busfahrer ausgelöst, kurzfristig den anderen Verkehr stoppt, damit der Bus Vorfahrt hat. Für den ZOB kann die Stadt rund 500 000 Euro Fördergelder aus dem Landesprogramm für ÖPNV beantragen. Der Antrag dazu muss spätestens zum Jahresende beim Land eingegangen sein.

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