Gericht Blutracheprozess: Komplize kam nach Düsseldorf

Der Angeklagte in einem Prozess um Blutrache betritt mit einem Aktenordner vor dem Gesicht den Gerichtssaal.
Der Angeklagte in einem Prozess um Blutrache betritt mit einem Aktenordner vor dem Gesicht den Gerichtssaal. © Foto: Thomas Burmeister
Ulm / Petra Laible 09.07.2018
Reisen, teure Klamotten, Auto mit Rechtslenkung – unklar ist, wie der verdächtige Mittäter im Erbacher Blutracheprozess das finanzieren konnte.

Wegen gemeinschaftlichen Mordes steht ein 46-Jähriger aus Göppingen, ein Deutscher albanischer Herkunft, vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Ulm. Er wird beschuldigt, mit einem Mittäter im April 2017 einen 19-jährigen Albaner an einem Anglersee bei Erbach aus „Blutrache“ brutal getötet zu haben. Ein umfangreicher Indizienprozess war angekündigt worden. In der Tat mühten sich auch am Montag, am achten Verhandlungstag, Staatsanwaltschaft, Richter, Verteidiger und Zeugen  um Details.

Der verdächtige Mittäter, ein Albaner, Spitzname „Don“ oder „Doni“, ist nach der Tat verschwunden.  Dieser sei 2016 und 2017 nach Deutschland gereist, sagte ein Zeuge aus, ein Landsmann der in Düsseldorf lebt. Denn der „Don“ soll den 19-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen nach Erbach gelockt haben.

Als Gefallen habe er dem flüchtig Bekannten im April 2017 ein Hotelzimmer in Düsseldorf besorgt. Er sei auch dabei gewesen, als sich dieser eine neue Sim-Karte besorgte, was er wohl jedes Mal tat, wenn er sich in Deutschland aufhielt. Dabei habe er ihm nie erzählt, was er mache. Offenbar war er viel auf Reisen. Er habe teure Klamotten getragen, ein kleines Auto mit Rechtslenkung besessen, sagte der Zeuge. Ob er Anhaltspunkte habe, dass der Gesuchte etwas mit Drogen zu tun hat? Seine Antwort blieb vage: „In Albanien wird außergewöhnlich viel Marihuana konsumiert.“  Er habe den Verdächtigen zuletzt im Mai 2017 in Albanien gesehen. Ob er hier heute Angst habe?, fragte ihn einer der Verteidiger. „Nein, es ist mir unangenehm, ich fühle mich schlecht“, sagte der Softwareentwickler.

Verwirrung um Reisedaten

Für Verwirrung sorgten Ein- und Ausreisedaten der Beschuldigten, die noch der Klärung bedürfen: Der Angeklagte ist offenbar am 24./25. April mit seinem Mercedes nach Albanien gefahren, und dann zurück nach Hause geflogen. Aus Sicht der Ermittler wollte er so Spuren verwischen.

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