Den Argumenten von Bürgermeister Achim Gaus kann sich niemand entziehen: Es ist „nachvollziehbar“, den Anschluss an eine autobahnähnliche Schnellstraße wie die nahegelegene B 30 für die Ansiedlung von Gewerbe nutzen zu wollen. Das gilt für die Holzstockgemeinden mit ihrem Vorstoß für ein interkommunales Gewerbegebiet bei Hüttisheim wie auch für Erbach. Entgegen der Landesleitplanung, nach der zum Beispiel das Erbacher Gewerbegebiet an Dellmensingen angedockt gehört, ist es richtig, mit kurzen Verkehrswegen zu argumentieren. Vor allem der Schwerlastverkehr wird damit den Dörfern erspart.

Bisher für Landwirtschaft geplant

Trotzdem werden die insgesamt 65 Hektar für mehr Verkehr aus allen Himmelsrichtungen sorgen – zusätzlich zur künftigen Querspange von der B 30 zur B 311. Und: Es wird wieder einmal Fläche versiegelt, denn bislang sieht die Renaturierung der Kiesgruben die Wiederherstellung landwirtschaftlich nutzbaren Geländes vor. Auf Erbacher Seite wird solche der Landwirtschaft entzogen. Insgesamt ist das ein ziemlicher Brocken mit Folgen. Schließlich kommen in Merklingen nochmal interkommunale 50 Hektar dazu. Wer sich heute schon ein Bild davon machen will, muss nur in den Ulmer Norden schauen.

Wer eine solche „Landschaft“ im ländlichen Gebiet duplizieren will, sollte sich das gut überlegen. Das beginnt bei der Gestaltung eines Gewerbestandorts und geht beim Verkehr weiter. Als zu Beginn der Erschließung der „Gassenäcker“ ein großer Fahrzeughersteller dort gleich alles für den Bau eines Zentrallagers haben wollte, wurden angesichts verlockender Gewerbesteuern Begierden geweckt. Letztlich siegte die Vernunft, und niemand wollte eine drohende Blechlawine haben.

Bei den „Gassenäcker“ waren die vier Holzstock-Gemeinden Vorreiter. Jetzt sind sie wieder gerufen, weit in die Zukunft zu schauen, um drängende Fragen zu beantworten: Wieviel Gewerbefläche wird tatsächlich gebraucht? Sind verkehrsintensive Betriebe willkommen? Und:  Wie naturnah lässt sich ein Gewerbegebiet gestalten? Immer mehr Betriebe erheben an sich selbst den Anspruch, sich bei allen betriebswirtschaftlichen Zwängen so ökologisch wie möglich aufzustellen. Hier könnten die Gemeinden links und rechts der B 30 wieder Vorreiter sein. Zumindest die Holzstock-Kommunen haben die Zeit für Abwägung. Sie haben ja erst den Fuß in der Tür.