KOMMENTAR · BÜRGERMEISTERWAHL: Solide-schwäbisch siegt

BEATE REUTER-MANZ 12.03.2012

Christopher Eh ist gewählt, mehrheitlich im ersten Wahlgang. Gut so! Der Volksmund, wonach der Prophet im eigenen Land nichts zählt, hat sich nicht bewahrheitet. Das Votum ging an einen berechenbaren Nachfolger von Sigisbert Straub. An einen grundsoliden Beamten mit schwäbischen Tugenden, der das Rathaus-Geschäft beherrscht und dem "seine" Stadt ans Herz gewachsen ist. Sachlich und unaufgeregt bestritt der Familienvater den Wahlkampf, nachdem er mit seiner frühen Bewerbung potenziellen Mitbewerbern gleich mal den Schneid abgekauft hatte. Zu unüberlegten, realitätsfernen Versprechungen ließ Eh sich nicht hinreißen. Als Stadtrat und Finanzmann weiß er um die Realitäten. Mit seinen ehrlichen Antworten punktete er, auch wenn manches noch spröde und hölzern daherkam. Kein Nachteil offenbar auch, dass Eh in einem schwarz geprägten Landstrich und obschon ohne Parteibuch, gern der anderen großen Volkspartei zugerechnet wird. Auch menschlich dürfte es mit dem geradlinig wirkenden neuen Schultes keine bösen Überraschungen geben.

Mit Spannung erwartet wurde die Abstimmung im Ortsteil Regglisweiler. Selbst 40 Jahre nach der Gemeindereform schielen dort gewisse Meinungsträger unvermindert neidisch und missgünstig auf die große Schwester. Man könnte ja zu kurz kommen! Und jetzt auch noch einen Dietenheimer wählen? Ja, sagten immerhin 366 Wähler (45 Prozent). Aufgeschlossene, tolerante und junge womöglich, die, unbelastet von frühen Fehden und Anfeindungen, eine gemeinsame Zukunft beider Ortsteile in den Vordergrund rücken.

Rainer Strobl aus Senden, dem Kräfte aus dem konservativen Regglisweiler Lager öffentlich den Hof machten, verkaufte sich gut. Das Ergebnis von 40 Prozent ist mehr als ein Achtungserfolg für den CSU-Stadtrat. Das konsequente Klinkenputzen des jugendhaft wirkenden Kumpeltyps mit dem gewinnendem Lächeln und dem bayerischem Akzent hinterließ Eindruck. Doch kam Strobl, der von Gutachten nichts hält und sich überhaupt ungern hineinreden lässt, mitunter eine Ecke zu selbstbewusst daher. Und womöglich behagte manchem auch die Vorstellung von einem Polizisten an der Stadtspitze nicht.

Unter "ferner liefen" erwartungsgemäß das Abschneiden von Uwe Manz. Der Lebenskünstler aus Reutlingen machte den Wahlkampf bunter und lebendiger, auch wenn seine Aussagen und Aktionen oft mit milde-lächelndem Schulterzucken quittiert wurden. Am Ende halfen auch Weißwürste in seinem Wahlladen und 1200 Tulpen für Wählerinnen am Weltfrauentag nichts.

Bitter ist die niedrige Wahlbeteiligung. Was bitteschön, wenn nicht einmal eine Bürgermeisterwahl, vermag Dietenheimer Bürger noch hinter dem Ofen hervorzulocken? 58 Prozent sind beschämend.