Autobahn Kniffliger Ausbau-Abschnitt im Ulmer Norden

Brückenbaustelle an der A 8 im Ulmer Norden: An dieser Stelle wird die Bahnstrecke Ulm–Stuttgart überquert, was die Arbeit bei laufendem Zugverkehr nicht einfacher macht.
Brückenbaustelle an der A 8 im Ulmer Norden: An dieser Stelle wird die Bahnstrecke Ulm–Stuttgart überquert, was die Arbeit bei laufendem Zugverkehr nicht einfacher macht. © Foto: Thomas Steibadler
Ulm / Von Thomas Steibadler 01.09.2018

Auch wenn er im Landtag mit der SPD-Fraktion die Oppositionsbank drücken muss. Eines lässt sich der Landtagsabgeordnete Martin Rivoir aus Ulm nicht nehmen: die jährlichen Besuche auf der Autobahnbaustelle. Im Mai 2012 hat mit dem Spatenstich bei Dornstadt der sechsspurige Ausbau der A 8 begonnen, gleichzeitig mit dem Bau der neuen ICE-Trasse über die Alb. Gestern hat Rivoir zum siebten Mal die insgesamt etwa 23 Kilometer lange Baustelle besichtigt.

Auf der Albhochfläche sind die Arbeiten schon ziemlich weit gediehen, erfuhren Rivoir und sein Fraktionskollege Sascha Binder aus Geislingen von Projektleiter Silvio Milke. Bauabschnitt zwei zwischen Dornstadt und Temmenhausen ist bereits seit etwa vier Jahren fertig, der dritte Bauabschnitt bis etwa zur Raststätte Aichen wurde vor einigen Monaten fertiggestellt. Die Arbeiten im vierten Abschnitt bis Hohenstadt seien in vollem Gang, sagte Milke. Wenn alles weiterhin nach Plan verlaufe, werde dieser Abschnitt im Herbst nächsten Jahres fertig.

Bleibt Bauabschnitt eins, der mit 2,3 Kilometern kürzeste, aber komplexeste, wie Projektleiter Milke sagte. Mit der Anschlussstelle Ulm-West, der Bundesstraße 10, den neuen Anschlüssen der Gewerbegebiete Ulm-Nord, Mergelgrube und Himmelweiler sowie der bestehenden Bahnlinie Ulm–Stuttgart stelle der Abschnitt „eine Vielzahl an Herausforderungen“.

Schon vor dem Spatenstich vor etwa einem Jahr seien umfangreiche Vorarbeiten notwendig gewesen, sagte die Verantwortliche Projektingenieurin Susanne Mayer. Leitungen mussten verlegt, Dämme geschüttet, archäologische Rettungsgrabungen ausgeführt werden. Auf der nördlichen Seite der Autobahn galt es, eine Kolonie von Zauneidechsen umzusiedeln und mit dem neuen Lebensraum vertraut zu machen.

Masten versetzen

Besonders knifflig ist der Ausbau dort, wo die Autobahn die bestehende Bahnlinie überquert. Das fing Susanne Mayer zufolge schon damit an, dass die Masten der elektrischen Oberleitung versetzt werden mussten. Ein Auftrag, den nur entsprechend qualifizierte Firmen ausführen dürfen, für den sich zunächst aber keines der in Frage kommenden Unternehmen interessierte. „Das hat einiges an Nerven gekostet“, räumt Projektleiter Silvio Milke ein.

Inzwischen sind die neuen Leitungsmasten installiert und wird die neue Autobahnbrücke über die Bahntrasse betoniert. Das Bauwerk wird so groß, dass ein drittes Gleis darunter Platz hat, das einen südlichen Anschluss des Containerbahnhofs ermöglicht. An den Brückenbauern rauschen täglich nicht nur bis zu 80 000 Fahrzeuge vorbei, auch der Zugfahrplan hat Einfluss auf ihren Arbeitstakt. Was viele Nachtschichten bedeutet. Von 0.30 Uhr bis zum frühen Morgen herrscht dem Projektleiter zufolge der wenigste Bahnbetrieb, dann werde auf der Baustelle „mit Mann und Maus“ gearbeitet.

Etwas weiter westlich ist ein weiterer Teil des Verkehrskonzepts für den Ulmer Norden schon deutlich zu erkennen: „Das ist ja ein Mega-Kreisverkehr“, wie Sascha Binder feststellte: 70 Meter Außendurchmesser, groß genug für die größten Lastzüge, aus Beton gegossen, um deren Gewicht auf Dauer auszuhalten.

Die sechs Arme des Riesenkreisels nördlich der A 8 verteilen den Verkehr zum Containerbahnhof und ins Gewerbegebiet Himmelweiler. Das Gewerbegebiet Mergelgrube östlich der Bahntrasse bekommt eine Zufahrt zum Containerbahnhof. Von Norden her wird die Berblinger-Straße, die der Alb-Donau-Kreis baut und die zur Landesstraße nach Beimerstetten führt, angeschlossen. Von Süden her ist der Kreisel mit der Autobahn verbunden und durch den Eiselauer Weg mit dem Gewerbegebiet Ulm Nord.

Zu diesem Bauabschnitt des A-8-Ausbaus gehören auch neue Autobahnbrücken über den Eiselauer Weg und die Lerchenbergstraße bei Dornstadt. Dort sind ferner ein Lärmschutzwall und eine Lärmschutzwand geplant. Zur Autobahnmeisterei hin soll der Lärmschutz ebenfalls verbessert werden. Bis Ende 2021 soll der Ausbau in allen vier Abschnitten fertig sein. Das gibt Martin Rivoir noch Gelegenheit zu zwei bis drei Baustellenbesuchen.

250 Millionen Euro werden verbaut

Kosten Der sechsspurige Ausbau der A 8 zwischen Ulm und Hohenstadt ist in vier Bauabschnitte gegliedert. Die Gesamtkosten betragen etwa 250 Millionen Euro. Nach Auskunft des planenden Regierungspräsidiums Tübingen ist der Doppelanschluss im Ulmer Norden eingerechnet. Auch der große, sechsarmige Kreisverkehr im Gewerbegebiet Himmelweiler nördlich der Autobahn sei enthalten. Die Kosten trägt in erster Linie der Bund, die Stadt Ulm beteiligt sich mit etwa 8,5 Millionen Euro.

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