Sonderbuch Kneipenserie: Sonderbucher Wirt zapft das eigene „Pumator“

Thomas Lill schenkt seinen Gästen das fertige »Pumator«-Bier in im »Bräustüble« aus.
Thomas Lill schenkt seinen Gästen das fertige »Pumator«-Bier in im »Bräustüble« aus.
Sonderbuch / PETRA STARZMANN 23.08.2013
Das „Bräustüble“ in Sonderbuch führt nicht nur die Tradition der Dorfgaststätte weiter, sondern hat auch die des Bierbrauens wieder aufgenommen. Thomas Lill schenkt an der Theke sein „Pumator“ aus.

Daheim wird Most getrunken, in der Wirtschaft Bier, so war es üblich in den Dörfern auf der Alb. Nicht selten handelte es sich um selbst gebrautes Bier. In Sonderbuch ist es wieder so. „Bis vor gut 100 Jahren gab es eine Brauerei im Ort“, blickt Thomas Lill zurück, der die Brautradition in dem Blaubeurer Teilort wieder belebt hat. Seit zweieinhalb Jahren zapft er im „Bräustüble“ sein eigenes Bier, das er im 200 Meter entfernten „Brauzentrum Blaubeuren“ braut. Seine Brauerei ist das einstige Schlachthaus des ehemaligen Gasthauses „Ochsen“, wo früher selbst gebrauter Gerstensaft über die Theke ging. Vor sechs Jahren hat Lill, den alle „Puma“ nennen, mit dem Umbau begonnen, keine schnelle Aktion. Der Grund: Lill hat seine Brauanlage selbst gebaut. „Wir sind die erste Schrottbrauerei“, verweist Lill humorig auf die Materialquelle. Ein Kessel beispielsweise, in dem ein Bio-Hersteller vorher Kosmetik anmischte, ist heute einer der Sudkessel. So individuell wie die Brauanlage sind die Biere, die „Puma“ zusammen mit Sohn Alexander braut und die nach Lills Spitznamen „Pumator“ benannt sind.

„Es ist eine Passion, immer Neues auszuprobieren“, sagt Thomas Lill und testet seine jüngste Kreation, das „Fünfkorn“, in dem neben Roggen, Hafer und Dinkel auch die Urgetreide Emmer und Einkorn enthalten sind. Ein richtiges „Frauenbier“ nennt er es, weil es mild über die Zunge geht. Tatsächlich zieht es viele weibliche Gäste ins „Bräustüble“, Biergenuss ist in dieser Dorfwirtschaft wahrlich keine Männerdomäne. Überhaupt ist das Publikum ganz breit gefächert. Landfrauen kommen, Jäger und der Albverein. Der Blaubeurer Dart-Club hat einen Stammtisch. Auswärtige, die mitbekommen haben, dass es selbst gebrautes Bier gibt, finden den Weg ins Gasthaus ebenso wie Leute aus dem Umland. Die Gäste kommen in Kontakt miteinander, der Wirt setzt sich auch selbst dazu.

„Es herrscht eine nette Atmosphäre, weil das Publikum so gemischt ist“, bemerkt Harry Fanelli aus Bühlenhausen, der gerne „zum Puma geht“, wie der Besuch der Brauereigaststätte gemeinhin genannt wird. „Da trifft man immer jemanden, den man kennt, außerdem ist das Bier super hier, frisch und lecker“, schwärmt Monika Wiedmann, die ebenfalls aus Bühlenhausen ist. Wegen des Biers, der unkomplizierten Atmosphäre und der zünftigen Vesperteller kommen die Leute, sind sich die beiden Gäste mit dem Wirt einig. Damit mehr als nur ein Bier drin ist, bildeten sich bisweilen Fahrgemeinschaften, berichtet Lill. Gruppen verbinden mit dem Wirtschaftsbesuch oft Brauereiführungen. Es waren sogar schon Bierbrauer aus den USA und Spanien da. Die „Pumator“-Biere trugen 2003 den Gesamtsieg bei der Bierprämierung der Haus- und Hobbybrauertage davon.

Während sich das „Bräustüble“, das Mittwoch bis Freitag von 17 bis 24 Uhr und Samstag und Sonntag von 16 bis 21 Uhr geöffnet hat, innen mit Holztischen und umlaufenden Bänken ganz klassisch als Dorfgaststätte zeigt, offenbart sich auf der Gartenterrasse Lills kreativer Geist. Hier ein selbst entworfener Tisch aus einem Fass mit einer Glasplatte darauf, dort ein einfacher Kunststofftisch. Abends leuchten Strahler, die an einer ehemals in einer Disco verwendeten Bühnentechnik befestigt sind. Die ist, wie auch die Brauereieinrichtung, vom Schrott, macht sich aber gut. Er investiere lieber in die guten Zutaten für sein Bier, das er natürlich nach dem Reinheitsgebot und zudem in heute selten gewordenen traditionellen Verfahren herstelle, unterstreicht Thomas Lill.

Das Bierbrauen ist seine Leidenschaft. In stets neuen Sorten schlägt sich sein Tüftlergeist nieder, ebenso wie in neuen Ideen für die Brauanlage: „Die Nachfrage fürs Bier ist gestiegen, in rund zwei Monaten geht das zweite Sudwerk in Betrieb“, sagt der Bierbrauer, der derzeit acht Hektoliter pro Woche braut. Helles und Hefeweizen sind die Standardsorten, hinzu kommen die Saisonbiere. „Ein Weizenbier muss immer leicht nach Banane schmecken, der Bananengeschmack kommt von der Hefe“, so oder ähnlich fachsimpelt der Wirt gerne mit seinen Gästen, die ihn ob seiner Tüftlernatur durchaus als Exoten betrachten.

In der Tat hat Thomas Lills Bierkarriere ziemlich exotisch begonnen. Eigentlich ist der 51-Jährige, der in Weidenstetten geboren ist, gelernter Dachdecker. Angeregt durch eine Hobbythek-Sendung im Fernsehen begann er 1988 mit dem Bierbrauen in einem holzbefeuerten Waschkessel. Als Thomas Lill ab 2000 im Seniorenheim Elchingen-Thalfingen beschäftigt war, wurde aus seiner privaten „Pumator“- Brauerei Deutschlands einzige Altenheim-Brauerei: er schenkte sein Bier im Seniorenheim aus. „Selbst gebaut, selbst gebraut“, diesem Prinzip ist er treu geblieben, jüngst kamen noch eigene Likörkreationen hinzu. Neben der Qualität setzt der Tüftler bevorzugt auf regionale Zutaten, da tut sich auch in Sachen Bier einiges: „Ein Landwirt aus Sonderbuch überlegt sich, ob er Emmer und Einkorn anbaut“, sagt Lill. Das wäre das i-Tüpfelchen der wiederbelebten Sonderbucher Brauertradition.

Info Thomas Lill ist in diesem Jahr Organisator der 18. Auflage der Haus- und Hobbybrauertage der „Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer e. V. Deutschland“. Sie finden von Freitag, 27. September, bis Sonntag, 29. September, im Tagungszentrum Blaubeuren statt. Nähere Informationen unter www.hausgebraut.de.

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