Wirtschaft Kleinbank fühlt sich stark genug

Berghülen / Eva Menner 04.07.2018

Die Raiffeisenbank Berg­hülen hat keine Fusionspläne. „Wir wollen, so lange es irgendwie möglich ist, selbstständig bleiben“, sind sich Vorstand und Aufsichtsrat einig. Auch wenn die Raiba die kleinste eigenständige Bank im Landkreis ist.

Bevor Vorstandsmitglied Jakob Mayer bei der Generalversammlung die wichtigsten Zahlen erläuterte, umriss er die aktuelle Situation der Banken und des Finanzmarktes. Stolz könne man sein, dass die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken in der Krise keine Staatshilfen in Anspruch genommen haben, anders als Großbanken. Gleichzeitig verschärfe sich das Problem, dass die Bankenkonzentration zunehme. Weil ein Zusammenbruch der Großbanken die Wirtschaft im Ganzen gefährdete, müssten im Notfall andere die Kosten übernehmen.

Für die kleinen Banken mit ihrem überschaubaren Personalbestand werde es immer schwieriger, die regulatorischen Anforderungen und Meldepflichten  der Bankenaufsicht zu bewältigen. „In der Regulatorik, wie sie unser Haus betrifft, ist für mich an vielen Stellen die Trennlinie zwischen Sinn und Unsinn nicht mehr erkennbar“, sagte Mayer mit deutlichen Worten. Es müsse Erleichterungen speziell für kleine solide regionale Banken geben, fordert er.

Trotz der schwierigen Lage kann die Raiffeisenbank Berghülen aber auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken. Die Bilanzsumme ist um ein Prozent auf 59,35 Millionen gestiegen. Auch die Kundeneinlagen wuchsen um ein Prozent auf 48 Millionen Euro. Der Trend zu täglich fälligen Einlagen nimmt weiter zu. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen ist das unrentabel, aber die Kunden wollen flexibel reagieren können. Das Kreditvolumen der Bank ist mit 27,7 Millionen Euro etwas niedriger als im Vorjahr, und der Zinsüberschuss ist wegen der Niedrigzinsphase um 85 000 Euro auf 1,327 Millionen Euro gesunken.

Der Jahresüberschuss beträgt 376 000 Euro, der Bilanzgewinn nach Einstellung in die Rücklagen von 288 000 Euro rund 89 000 Euro. Bei der Generalversammlung wurde beschlossen, an die Mitglieder eine Dividende von vier Prozent auszuschütten, nachdem in weitere Rücklagen 72 000 Euro eingestellt wurden. Das Eigenkapital beträgt gegenwärtig 10 Millionen Euro, das sind überdurchschnittliche 16,9 Prozent der Bilanzsumme.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Schwegler gab den Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbandes bekannt: Die Ertragslage sei zufriedenstellend und liege über den Vergleichswerten, der Bank wurde solides Arbeiten bescheinigt.

Über den Vergleichswerten

Bürgermeister Bernd Mangold lobte die Raiba als guten Steuerzahler, der dazu noch mit den Erträgen aus dem Gewinnsparen Einrichtungen der Gemeinde und Vereine unterstütze. Die Generalversammlung wählte Bernhard Schwegler und Martin Hinz wieder in den Aufsichtsrat.

Für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Berghüler Raiffeisenbank geehrt wurden Jakob Schöll, Hans-Peter Bosch, Erich Pernes, Horst Kasper, Hans.Georg Quirnbach, Hans Braungardt, Erwin Anhorn, Hans Zeifang und Karl Kücherer, für 50 Jahre Gerhard Oesterle und Wilhelm Gall und für 60 Jahre Heinrich Kölle.

Im Anschluss an die Versammlung hielt die Arge Blautopf einen Vortrag über die aktuellen Forschungsaktivitäten in der Blauhöhle und zeigte atemberaubende Bilder aus dem Höhlensystem.

Eckdaten der Raiffeisenbank

Mit einer Bilanzsumme von knapp 60 Millionen Euro ist die Raiffeisenbank Berghülen die kleinste Bank im Alb-Donau-Kreis. Mit rund 2500 Kunden und 747 Mitgliedern, die von neun Mitarbeitern beraten und betreut werden, fühlt sie sich so aufgestellt, dass die steigenden gesetzlichen Anforderungen für Banken und die niedrigen Zinsen bewältigt werden können. Aufgrund der hohen Effizienz der Bank ist Vorstandsmitglied Roland Rasch optimistisch, dass sich auch künftig die Selbstständigkeit der Bank finanziell darstellen lässt. Dienstleistungen können zugekauft werden, Mitarbeiter übernehmen zusätzliche Aufgaben. „Auch größere Banken haben keine besseren Erträge“, sagt Rasch. sp

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