Bürgermeister-Wahl Kirchberg hat noch viel Potenzial

Von Beate Reuter-Manz 14.04.2018

Vom Controller einer Firma im großen München zum Bürgermeister einer kleinen Gemeinde im Illertal: Jochen Stuber hat diesen Schritt nie bereut. Er spricht von einem Traumjob. Der 46-Jährige bewirbt sich deshalb um eine zweite Amtszeit in Kirchberg. Ein Gespräch über Visionen, Erreichtes sowie kleine und große Sorgen eines Dorf-Schultes.

Kirchberg im Jahr 2050: Ihre Vision?

Jochen Stuber: Es wäre schön, wenn ich dann, als hoffentlich noch rüstiger Rentner, alle wichtigen Besorgungen am Ort erledigen kann und auch medizinisch gut versorgt bin. Ich stelle mir unsere sanierte Durchgangsstraße mit neuen Gebäuden und liebevoll renovierten alten Häusern vor. Unser schöner Marktplatz ist belebt, die Menschen treffen sich gern dort für ein Schwätzchen. Das Miteinander von Jung und Alt funktioniert, das Vereinsleben auch. Es gibt ein Mehrgenerationenhaus und betreutes Wohnen, die Jüngsten werden gut betreut in den Kitas und der Schule. Das Dorf versteht es zu feiern, und die Menschen leben gern in ihrer schmucken Gemeinde.

Arbeiten in einer „Perle im Illertal“: So gratulierte Ihnen ein Bürgermeister-Kollege, als sie sich 2010 gegen den Amtsinhaber und einen zweiten Bewerber durchgesetzt hatten. Kirchberg ein Juwel?

Das ist es für mich in der Tat. Hier ist die Welt in Ordnung, hier bin ich geboren und hier will ich mit meiner Familie bleiben und meinen Lebensabend verbringen.

Was macht denn den Reiz eines Dorf-Bürgermeisters aus?

Das breite, anspruchsvolle Aufgabenspektrum. Gleichzeitig bleibt alles überschaubar. Ich mag den direkten Kontakt mit den Bürgern Tag für Tag. Für mich als Einheimischer kommt der besondere Reiz hinzu, die Entwicklung der Heimat positiv mitzugestalten. Und Kirchberg hat noch viel Potenzial.

Die Bebauung der Marktstraße 8 als neuer Dreh- und Angelpunkt war ein zentrales Anliegen bei Ihrem Amtsantritt. Es gab zwar einen Rückschlag, doch dann, nach bald zehn Jahren, klappte es.

Ja. Wir haben das „Haus am Markt“ mit Bäckerei, Arztpraxis und Bank-Filiale Ende 2016 eingeweiht. Dass sich jetzt auch die Arzt-Nachfolge positiv geregelt hat, freut mich besonders. Wir haben ganz bewusst in die Arztpraxis investiert, obwohl das ja nicht zu den klassischen Pflichtaufgaben einer Kommune gehört. Das Café öffnet auch Sonntagnachmittag, was die Menschen sehr gut annehmen. Es ist ein lauschiger Platz geworden, der den Ortskern und die Dorfgemeinschaft belebt.

Stichwort Dorfgemeinschaft: Landrat Dr. Heiko Schmid warnte bei Ihrem Amtsantritt vor der demographischen Entwicklung. Wächst Kirchberg? Und was tun Sie dafür?

Wir wachsen gesund, sprich langsam. Zum Jahresende 2010 hatten wir 1910 Einwohner. Sieben Jahres später waren es 2050 Einwohner. Das ist ein Zuwachs von 7,3 Prozent. Wir versuchen, die Gemeinde für alle Altersklassen attraktiv zu gestalten. Wir schaffen die Grundlagen für Wohnraum, inner- und außerörtlich. Im „Häldele“, dem Wunschgebiet der Kirchberger, haben wir im ersten Bauabschnitt alle 20 Bauplätze verkauft und eine Reserve von 40 Plätzen. Auch in Sinningen gab es 14 neue Bauplätze.

Mit Bauplätzen ist es nicht getan. Die Infrastruktur muss stimmen.

Richtig. Wir investieren in die Natur und pflegen unsere Freizeiteinrichtung, zum Beispiel den Sinninger Badesee. Wir fördern die Vereine mit ihrer Jugendarbeit. Aber am wichtigsten: ausreichende Betreuung für Kinder. Für Kirchberg prüfen wir gerade, leere Räumlichkeiten der Werkrealschule umzunutzen. Es wäre ein großes Synergiepotenzial. Ich denke an Mittagstisch, Busverbindung, Turnhalle. In der Gemeinderatsklausur im Juni werden wir einen Vorentwurf diskutieren.

Das wird ein Millionen-Projekt. Welche dicken Bretter wollen Sie noch bohren in Ihrer zweiten Amtszeit?

Ein Muss neben den Kitas ist für mich ein gemeinsames Feuerwehrhaus für Kirchberg und Sinningen. Nicht zu vergessen schnelles Internet und das Sanieren maroder Straßen.

Sie konnten die Werkrealschule nicht am Ort halten. Verärgert?

Eher enttäuscht. Als die Landespolitik mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung neue Rahmenbedingungen schuf, war die Schule leider nicht mehr zu halten.

Ein Schultes kann es nicht allen Recht machen. Rechnen Sie mit Protestwählern? Anders gefragt: Haben Sie Gegner am Ort?

Ein Protestwähler verteilt Denkzettel. Ein Gegner lehnt eine Person, eine Sache ab. Das ist legitim und das Salz in der Suppe, solange man sich fair und mit Respekt begegnet. Ich rechne mit beidem.

Ihr Traum-Wahlergebnis?

Die Hälfte der Wahlberechtigten zu überzeugen, wäre klasse. Das bedingt aber eine Wahlbeteiligung von über 50 Prozent.

Gewählt wird am 29. April

Vita Jochen Stuber ist 46 Jahre alt, katholisch, verheiratet und hat Sohn und Tochter, 16 und 12 Jahre alt. Der Diplom-Betriebswirt arbeitete als Controller in München und Pullach. 2007 kehrte er nach Kirchberg zurück, wurde 2009 in den Gemeinderat und 2010 mit 48 Prozent der Stimmen (Wahlbeteiligung 78 Prozent) zum Bürgermeister gewählt. Er sitzt für die Freien Wähler im Kreistag. Stuber liebt das Skifahren und spielt Fußball in der AH-Mannschaft des TSV Kirchberg. Außerdem leitet er die Dudelsackgruppe „1st Illertal Bagpipers“.

Wahl Gewählt wird am Sonntag, 29. April. Zur Wahl stellt sich auch Dauerkandidatin Anni Miller. Die Familienhelferin aus Sindelfingen hat derzeit Dutzende Wahlkämpfe laufen. Offizielle Kandidatenvorstellung ist am Donnerstag, 19. April,19 Uhr, Turn- und Festhalle. Die Kandidaten haben 25 Minuten Vorstellungszeit. Zehn Minuten für die Rede, der Rest für Fragen.