Kirchberg / Von Matthias Sauter  Uhr

Anton Weiß ist im Dauereinsatz. „Ich brauche schnell sieben Bier für einen Tisch“, ruft ihm eine Bedienung zu. Kein Problem für den 70-Jährigen. Zusammen mit einigen Kollegen vom Musikverein arbeitet er am Ausschank bei der Tanzparty „Kirchberg dräht dure“. Weiß gehört zum festen Inventar der Kirchberger Kapelle: Er spielt seit 60 Jahren Flügelhorn und war lange im Vorstand tätig. „ Zu meiner Anfangszeit waren wir stärker besetzt als heute, weil es kaum andere Freizeitangebote gab“, blickt der Musikant zurück. „Aber wir können uns immer noch sehen und hören lassen.“

Musikverein Kirchberg feiert Jubiläum

Ein weiteres musikalisches Urgestein ist Alois Küchle: Der Kirchberger fing vor 60 Jahren zusammen mit seinem Schulkameraden Weiß in der Kapelle an, 1986 wechselte er vom Tenorhorn zur Tuba. Bei „Kirchberg dräht dure“ ist Küchle für den Auf- und Abbau mitverantwortlich. Grund zum Feiern hat an diesem Abend insbesondere der Musikverein, der in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag hat. Außerdem stoßen bei der Freiluft-Fete die Dudelsack-Gruppe „1st Illertal Bag Pipers“ auf ihr 30-jähriges Bestehen und die Partyband „Big Fun“ auf ihr 20-jähriges Bestehen an. „Eine super Veranstaltung, die den ganzen Verein zusammenschweißt“, findet Küchle.

Sepp und Done führen durch das Programm

Während Weiß und Küchle von der Entwicklung des Musikvereins erzählen, geht auf der Bühne die Post ab. Dort plaudern die beiden Kunstfiguren Sepp und Done, die seit Monaten mit originellen Videos für Furore in den sozialen Netzwerken sorgen. „I finds sau guat, dass ihr alle meiner Einladung gefolgt seid“, ruft Sepp den Gästen zu und erntet dafür einen großen Applaus. Für „eine Wurscht und ein Bier“ lässt er sich überreden, den Rückblick auf 175 Jahre Musikverein zu übernehmen. Sepp berichtet etwa von dem Jahr 1923, als die Kirchberger Lebensmittel gegen Instrumente umtauschten und von entscheidenden Veränderungen 1979: „Das war das Ende der reinen Männergesellschaft. In diesem Jahr sind erstmals Damen in unsere Kapelle eingetreten.“

Von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft

Aber auch die Gegenwart und die Zukunft beschäftigen den etwas altmodischen und einfach gestrickten Arbeiter Sepp, der vom Musikvereins-Vorsitzenden Martin Büchele gespielt wird. Ein Meilenstein sei die kürzlich erfolgte Anschaffung von neuen Dirndl-Gewändern gewesen, für die nächsten Jahre wünscht er sich ein neues Musikerheim.

Über die Geschichte der „Whisky-Brüder“, gemeint sind die Dudelsack-Spieler, referiert Abteilungsleiter Jochen Stuber. Nicht ganz einfach sei es, neue Mitglieder zu gewinnen, da ein Dudelsack mehr als 1000 Euro kostet und der Verein über keine Ausbilder verfüge. „Mit 15 aktiven Mitgliedern sind wir aber gut aufgestellt“, betont Stuber, der gleichzeitig Bürgermeister ist.

Wetten werden eingelöst

Nach dem offiziellen Teil heizt die Band „Big Fun“ den Besuchern mit Schlagern von Udo Jürgens und Wolfgang Petry ein. Immer wieder wird die Gruppe von Mitgliedern des Musikvereins unterstützt, die ihr Können an verschiedenen Instrumenten und im Gesang unter Beweis stellen. Auch die vorher abgeschlossenen Wetten werden eingelöst: So geben die „1st Illertal Bagpipers“ in Begleitung der Band ein kurzes Standkonzert, außerdem stimmt der Musikverein den „Böhmischen Traum“ an. Zur Freude der Blasmusiker verkündet Tobias Kaufmann von „Big Fun“, dass die Band auf ihre Gage verzichtet und diese an die Kirchberger Jungmusiker spendet. Ein weiterer Höhepunkt folgt um kurz nach 22 Uhr mit der Premiere der Schwabenhymne „Mei Schwobaland“ von „Big Fun“.

Hunderte Besucher tanzen und klatschen bis spät in die Nacht. Kräftig am Feiern sind unter anderem die Nachwuchs-Musiker Emma Lang und Philipp Ruder, die seit drei Jahren der aktiven Kapelle angehören. Die beiden 16-Jährigen sind stolz auf die lange Geschichte ihres Vereins: „Wir wollen unseren Anteil dazu beitragen, dass die tolle Entwicklung der vergangenen 175 Jahre in den nächsten Jahrzehnten fortgesetzt wird“, sagt Lang. Ein Wunsch, der auch den „alten Hasen“ Anton Weiß und Alois Küchle sehr am Herzen liegt.

Starke Männer an der Steinschleuder

Highland-Games Nach der Veranstaltung „Kirchberg dräht dure“ am Samstagabend gingen die Feierlichkeiten gestern Nachmittag mit dem Dorffest unmittelbar weiter. Auf großes Interesse stießen nach dem Mittagstisch die „Highland-Games“, die die Dudelsackgruppe „1st Illertal Bag Pipers“ zu ihrem 30-jährigen Bestehen nach schottischem Vorbild durchführte. Die Teilnehmer mussten ein 17 Kilogramm schweres Eisengewicht schleudern sowie einen 13 Kilogramm schweren Stein und einen Baumstamm werfen. „Wir suchen bei den Highland-Games, die wir alle fünf Jahre ausrichten, den stärksten Mann Oberschwabens“, sagte Dudelsack-Abteilungsleiter Jochen Stuber. Auch für Kinder wurde ein Wettbewerb mit verschiedenen Disziplinen angeboten.

Höhepunkte Für den Musikverein Kirchberg stehen nach der offiziellen Geburtstagsfeier noch viele weitere Auftritte im Jubiläumsjahr an: So spielt die Kapelle etwa am 28. Juli beim Kirchberger Fischerfest, außerdem sorgt sie am 8. September für die musikalische Umrahmung der Bergmesse im Häldele. Das traditionelle Adventskonzert findet heuer am 14. Dezember statt.