Kurz nach dem Mittagessen sind die Stimmen ausgezählt, und es steht fest: Dennis ist für den Rest der zweiten Woche Bürgermeister der Kinderspielstadt Nau-City. Mit einer Stimme Mehrheit hat sich der Sechsjährige gegen den zweitbesten Kandidaten, den elfjährigen Elias, durchgesetzt. Insgesamt hatten sich sechs Kinder um den Posten beworben und – sofern ihnen etwas dazu einfiel – dem Plenum ihre Ziele genannt.

Während sich Elias für ein noch besseres Programm einsetzen wollte, nannte Dennis den Bau von „Häusern für Flüchtlinge“ als Aufgabe, „damit die ein Dach überm Kopf haben“. Das sorgte für Gesprächsstoff am Mittagstisch: „Wie will er denn Flüchtlingshäuser in der Kinderspielstadt bauen?“, fragte ein Mädchen ihre Tischnachbarin, während sie sich Gulasch und Kartoffeln schmecken ließen.

Die Kinderspielstadt ist ein Klassiker im Ferienprogramm der Stadt Langenau und nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil die Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren dabei eine oder zwei Wochen lang täglich wahlweise bis 14 oder bis 17 Uhr betreut sind – von den hauptamtlichen Mitarbeitern des Jugendtreffs und jungen Helfern. Hinzu kommen Ausflüge und Angebote wie das Malen mit Grafikdesignerin Maria Karrasch.

Jana, Jule, Lina und ihre Freundinnen mischen begeistert die leuchtenden Gouache-Farben, experimentieren mit Tupfern, Spachteln und Pinselstiel, um den Feuerwerk-Fontänen im Gemälde Struktur zu geben. Auch Maria Karrasch ist sehr angetan: „Die Kinder kommen selber auf die Ideen. Sie brauchen kaum Anleitung.“ Das Gemeinschaftsbild soll der Allgemeinheit zugute kommen und die kahle Wand im Jugendzentrum aufpeppen.

Das eignet sich bestens für die Spielstadt: In einem Raum ist das Bürgerbüro untergebracht, im Keller backen Kinder Crepes und Cocktails, die sie gegen einen oder mehrere „Nawe“, so heißt die Spielstadt-Währung, verkaufen. Andere vergnügen sich in der Disco, kurven auf Waveboards übers Außengelände oder chillen einfach. „Ich finde das Programm gut“, sagt Melina, „und das Essen geht auch“. Jana (8) bestätigt: „Wir machen jeden Tag schöne Sachen.“

Die müssen nicht zwingend etwas mit der „Stadt“ zu tun haben, sagt Sozialarbeiter Helmut Maßler. Vielmehr gibt das Konzept einen Rahmen, in dem Vieles möglich ist. Da kann es auch passieren, dass man erst am zweitletzten Tag Zeit hat, einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin zu wählen. Was aber bei der Kandidatenvorstellung deutlich wird: Die Kinder haben schon ein bisschen Demokratie geübt, nehmen aufeinander Rücksicht  und hören einander zu, zumindest wenn Helmut Maßler sie daran erinnert. „Aber das klappt schon ganz gut“, sagt er.

Keine großen Reden halten möchte der kleine Bürgermeister und nennt den Grund: „Ich kann noch nicht schreiben.“ Macht nichts, dafür hat er seine großen Schwestern und deren Freundin, die für ihn sprechen. Wie im richtigen Leben.

Angebote im Sommer

Jugend Die Kinderspielstadt in den ersten beiden Wochen der Sommerferien wurde federführend von Schulsozialarbeit und Jugendzentrum betreut. Die Stadt Langenau organisiert und koordiniert das komplette sechswöchige Angebot. Die ganzen Sommerferien über gibt es jeden Tag Kurse, Projekte und Ausflüge, die von der Stadt, von Vereinen oder sonstigen Veranstaltern angeboten werden.