Region Richter: Kein zweites Mal eine zweite Chance

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Region / STEFAN BENTELE 07.09.2017
Das Amtsgericht Ulm hat einen Mann aus dem Alb-Donau-Kreis erneut wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornos verurteilt. Er ist einschlägig vorbestraft.

Ein Jahr und zehn Monate Haft auf Bewährung unter anderem wegen Besitzes und Verbreitens eines kinderpornografischen Videos: So lautet das Urteil, dass das Schöffengericht am Amtsgericht Ulm gestern gegen einen Mann aus dem Alb-Donau-Kreis gesprochen hat. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest,  ergänzte die Strafe um 150 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Therapie. „Es gibt kein zweites Mal eine zweite Chance“, sagte Richter Michael Klausner am Schluss zum verurteilten 46-Jährigen und sagte, dass ein Verstoß gegen die Bewährungsauflagen ins Gefängnis führe. Als der Mann die Tat beging, verbüßte er eine Bewährungsstrafe wegen Besitzes und Verbreitens von Kinderpornografie.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem gelernten Maurer vorgeworfen, im April 2015 ein Video, das sexuelle Handlungen an einem kleinen Mädchen zeigt, über eine Tauschbörse im Internet heruntergeladen und kurze Zeit weiteren Internetnutzern bereitgestellt zu haben. Das Landeskriminalamt (LKA) überwacht – wie eine Kriminalhauptkommissarin aussagte – ständig Tauschbörsen, entdeckte die Datei auf dem Computer des 46-Jährigen, der mittels Rückverfolgung der IP-Adresse identifiziert werden konnte. Während einer Hausdurchsuchung fand die Polizei noch einen USB-Stick, auf dem zuvor etwa 10 000 kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos gelöscht worden waren.

„Ich möchte mich schuldig erklären, das stimmt alles“, sagte der Angeklagte gestern zu Prozess-Beginn. Er erklärte, dass er das Programm für die Tauschbörse herunterlud und später genauso löschte, wie die Dateien auf dem Stick. Auch distanzierte er sich von Kinderpornografie, sagte, dass er damit nichts mehr zu tun haben wolle, er seit zwei Jahren nichts mehr besitze.

Staatsanwältin Kerstin Wackenhut forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten im Vollzug. Der 46-Jährige sei „bewährungsbrüchig“ und lebe alleine, es fehle ein soziales Netz. „Ich sehe keine positive Prognose.“

Verteidiger Victor Brosch argumentierte, dass das LKA in den zwei Jahren nicht mehr auf ihn aufmerksam geworden sei. Er plädiere auf eine Bewährungsstrafe, die unter „Bauchschmerzen und unter einem festen Korsett“ möglich sei. Worte, die der Angeklagte mit mehrmaligem Nicken wortlos kommentierte.