Erweiterung Kindergarten-Erweiterung in Schnürpflingen

Hier soll gebaut werden: Das längliche Schnürpflinger Kindergartengebäude aus südöstlicher Richtung. Der geplante zehn Meter lange Anbau soll flexibel genutzt werden.
Hier soll gebaut werden: Das längliche Schnürpflinger Kindergartengebäude aus südöstlicher Richtung. Der geplante zehn Meter lange Anbau soll flexibel genutzt werden. © Foto: Franz Glogger
Franz Glogger 12.01.2018

Konsequent kinderfreundlich“ bezeichnete der damalige Landrat Heinz Seiffert den Schnürpflinger Gemeinderat, als der alte Kindergarten mit einem Neubau ersetzt wurde. Das ist nicht einmal drei Jahre her. Und schon muss die Einrichtung erweitert werden. Die Pläne wurden am Mittwoch erstmals öffentlich vorgestellt: Es soll Platz für eine vierte Gruppe geschaffen werden.

Zur Zeit sind im Kindergarten zwei Gruppen sowie eine Krippe untergebracht. Der Langenauer Architekt Dieter Völk plant, rechtwinklig an der Ostseite des Gebäudes anzubauen. Der Anbau soll dann nach Süden ausgerichtet werden. Hierfür muss ein Teil der Zufahrt zur Grundschule überbaut werden. Mit 4,50 Metern sei die Straße dann immer noch ausreichend breit. Neu hinzu kommen Räume für die Gruppen- und Intensivarbeitsräume, Wickel- und Schlafräume sowie Lagerplätze. Mit einem Inklusionsraum sei die Einrichtung für zukünftige Aufgaben gerüstet: Derzeit würden noch keine Kinder mit Behinderung betreut, sagte Bürgermeister Michael Knoll.

Mit dem Anbau wächst das ohnehin lang gestreckte Gebäude um gut 10 auf 60 Meter. Architektonisch werde der Kindergarten damit nicht abgewertet, sagte der Planer. Allerdings könne die Genehmigungsbehörde ab einer Länge von 40 Metern eine zusätzliche Brandschutztür im Inneren verlangen. Völk sieht in einer solch massiven, von Kindern kaum zu bewegenden Tür, eine deutliche Behinderung der Abläufe. Er werde versuchen, diese zu verhindern – zumal es genügend Fluchtwege gebe.

Insgesamt kommen zum Bestand mit 600 Quadratmetern 300 hinzu. Die Kosten bezifferte Völk auf rund 850 000 Euro. Knoll hofft auf 350 000 Euro Zuschüsse. Die Kosten seien zwar für eine 1350 Einwohner-Gemeinde immer noch heftig, aber angesichts von 2017 zu erwartenden Rekord-Steuereinnahmen „zu schaffen“, sagte der Bürgermeister.

Andere Nutzung möglich

Gemeinderat Thomas Hertle findet das Konzept „schlüssig“ und – als einzige Erweiterungsmöglichkeit – „besser, als ich erwartet habe“. Richard Resch, Fachberater des Landesverbandes katholischer Kindertagesstätten ist gar „begeistert“. Der Entwurf ermögliche alle denkbaren Nutzungen: die jetzt vorgesehenen vier Gruppen, altersgemischte Kleingruppen bis hin zur Reduzierung zurück auf drei Gruppen. Dann könne das Gebäude ohne große Umbauten variabel abgetrennt werden, um zum Beispiel eine Kernzeitbetreuung einzurichten. „Falls die Kinderzahlen zurückgehen und damit der Bedarf sinkt. Aber daran glaube ich nicht. Überall zeigt sich: Das, was heute nachgefragt wird, wird nie wieder weniger werden“, sagte Fachberater Richard Resch (siehe Info).

Das bezweifelt Reinhold Speidel. Bereits bei den ersten Diskussionen befürchtete er, dass die vielen Geburten nur ein „Hype“ seien. Dann habe die Gemeinde viel Geld umsonst investiert. In der Sitzung sprach er von „nur ein paar“ Plätzen, die fehlten. Knoll widersprach. Das gelte nur für das laufende Jahr. In der Folgezeit fehlten nachgewiesener Weise 20 Plätze allein bei den Über-Dreijährigen.

Ganz wohl war es auch anderen Räten nicht, nun bereits zu erweitern. Dennoch stimmten alle bis auf Speidel (Enthaltung) für den Bau. Aufgrund von Zuschussrichtlinien muss das Projekt bis Jahresende fertig sein. Von dem „sehr, sehr sportlichen Ziel“ geht Knoll „zumindest heute“ aus. Er möchte aber über eine Verlängerung verhandeln.

Kinderzahl in kurzer Zeit schwer abzuschätzen

Bedarf Falsch geplant, wenn nach nicht einmal drei Jahren erweitert werden muss? Mitnichten, sagt Fachberater Richard Resch. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ein Jahr nach der Geburt erlaube kaum Vorausplanungen. Es blieben die Möglichkeiten, zu üppig zu bauen oder nachzubessern. Zudem werde frühkindliche Bildung auch in kleinen Dörfern viel stärker in Anspruch genommen als noch vor wenigen Jahren prognostiziert. Mit der Erweiterung befindet sich Schnürpflingen laut Resch in guter Gesellschaft mit vielen anderen Gemeinden.