Mehr als zehn Millionen Tonnen Kies sind für die Großprojekte Stuttgart 21, Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, sechsspriger A-8-Ausbau und den Umbau des Ulmer Hauptbahnhofs nötig. Das hat ein Bauunternehmen aus Oberstdorf berechnet. Etwa zwei Millionen Tonnen will die Firma südlich von Langenau aus dem Boden baggern. Dort, westlich des Weilers Fischerhöfe und gleich an der Autobahn zwischen dem Elchinger Kreuz und Leipheim, betreibt das Unternehmen bereits ein Kieswerk. Das Abbaugebiet, an dem eine zweite Firma mit einer kleineren Parzelle beteiligt ist, umfasst etwa zehn Hektar (100 000 Quadratmeter). Jetzt wollen die Allgäuer die Abbaufläche um 28 Hektar erweitern. Die Kiesgruben rund um die Fischerhöfe wären dann fast viermal so groß wie bisher.

Mit diesem Vorhaben hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt des Langenauer Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung befasst. Gefragt war die Stellungnahme der Stadt zu dem vom Unternehmen beantragten Raumordnungsverfahren. Für dieses Verfahren ist das Regierungspräsidium Tübingen zuständig. Bereits am Freitag wird im Langenauer Rathaus der so genannte Scoping-Termin stattfinden (siehe Info-Kasten).

Im Verfahren wird die Stadt Langenau grundsätzliche Bedenken gegen das Vorhaben erheben. Das hat der Ausschuss bei einer Gegenstimme beschlossen. Stadtrat Georg Henseler (CDU) verwies auf den großen Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen. Die Landwirte aus dem benachbarten Weißingen (Kreis Günzburg), denen die Felder gehörten, lehntenden Abbau ab. Henseler wies ferner auf die Gefahr fürs Grundwasser hin. Durch den Abau entstehe eine große, für Verschmutzungen anfällige, offene Seefläche. Seine Fraktionskollegin Edith Bleher sagte, die Bewohner der Fischerhöfe hätten ohnehin unter dem Kiesabbau zu leiden, und diese Belastung würde zunehmen.

Nach den Worten von Hans Eckle, dem Bauamtsleiter des Verwaltungsverbands Langenau, verweist das Bauunternehmen auf Vorverträge mit allen Grundstückseigentümern, bis auf die Stadt Langenau - der Kommune gehören Feldwege in dem Gebiet. Auf den zehn zusammenhängenden Grundstücken solle im Nass-Abbauverfahren Kies gefördert werden, erläuterte Eckle. Die Kiesschicht dort sei durchschnittlich 5,50 Meter bis 6 Meter mächtig. Die reine Abbaufläche sei 26 Hektar groß, der Rest diene als Sicherheitsstreifen zu angrenzenden Feldern und zur Autobahn. Das Unternehmen wolle 10 bis 15 Jahre lang Kies fördern, abhängig"von der Marktsituation".

Vorgesehen sei, denöstlich der Fischerhöfe ausgebaggerten Kies mit einem Förderband"emissionsfrei von Staub und Lärm" zum Werk westlich des Weilers zu transportieren. Von dort fahren die Lastwagen dem Unternehmen zufolge in Richtung Weißingen und weiter zu den Autobahnanschlüssen Nersingen (A 7) und Oberelchingen (A 8). Ortschaften oder geschlossene Siedlungsgebiete würden nicht belastet.

Auf Anfrage von Stadtrat Wolfgang Haide (FWG) erkärte Eckle, dass für ökologische Ausgleichsflächen nicht die Stadt, sondern der Antragsteller zuständig sei.

Der Ausschuss meldete nicht nur seine grundsätzlichen Bedenken gegen das Vorhaben an. Gefordert wird zudem eine Gesamtbetrachtung des laufenden Kiesabbaus im Donauried. Denn nicht nur auf Langenauer Markung wird gebaggert, auch auf den Flächen der bayerischen Nachbarkommunen Elchingen und Leipheim.