Grundstücke Kernkompetenz nicht abgeben

Im Industriegebiet sind noch Flächen frei. Der Gemeinderat will keinen Makler.
Im Industriegebiet sind noch Flächen frei. Der Gemeinderat will keinen Makler. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 01.08.2018

Mit seinem Antrag, für die Vermarktung noch unverkaufter großer Grundstücke im Gewerbegebiet „Industriegebiet Ost“ einen Makler zu beauftragen, musste Bürgermeister Klaus Kaufmann vom Gemeinderat eine herbe Schlappe einstecken. Nur Feldstettens Ortsvorsteherin Elisabeth Enderle stärkte ihm bei der Abstimmung den Rücken, ansonsten verweigerte das Gremium bis auf einen sich enthaltenden Stadtrat die Zustimmung.

Der Beschluss erfolgte nach einer Diskussion in gereizter Atmosphäre. Kaufmanns Schlussfeststellung: „Schade, eine Riesenchance vertan.“ Diese Chance hatte er zuvor den Räten eindringlich erläutert: Ein fachkundiger Makler verfüge über die für Laichingen interessanten und wichtigen Kontakte, um den „für neuen Grunderwerb der Stadt zwingend notwendigen Verkauf“ nicht nur vorantreiben zu können, sondern gute Preise zu erzielen. „Beim Verkauf soll ein deutlicher Gewinn für die Stadt herauskommen“, sagte er.

Kein Logistikunternehmen

Wilhelm Häberle (BWV) war der erste am Ratstisch, der sich klar gegen einen Makler positionierte. „Ich bin sprachlos, die Stadt darf diese Kernkompetenz nicht aus der Hand geben.“ Wortreich äußerte er dann seine Bedenken: Womöglich wird wieder eine Logistik gebaut mit der Konsequenz, dass die Firmenansiedlung nach dem Verkauf der Grundstücke kaum Arbeitsplätze bringe. Verstärkung bekam er von Anton Wenzel (CDU), der die Vermarktung städtischer Grundstücke ebenfalls als „ureigenste Sache der Stadt“ betrachtet.

Kaufmann verteidigte sein Ansinnen: „Wir geben keine Kernkompetenz ab.“ Er habe weder die Zeit, noch die Kontakte, um die noch freien Grundstücke rasch und vor allem zu guten Preisen verkaufen zu können. „Wir brauchen einen Makler, der verdammt gute Kontakte zu möglichen Interessenten hat.“ Auch ihm sei daran gelegen, kein weiteres Logistikunternehmen nach Laichingen zu holen, sondern „mein Ziel ist es, qualitativ gute und gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen“. Doch blieb er den Räten konkrete Zahlen schuldig. Auch als Häberle zur Güte vorschlug: „Versichern Sie uns, dass es beim Maklerverkauf wenigstens 80 Arbeitsplätze je Hektar gibt, dann stimme ich ohne weitere Vorgabe zu. Ansonsten habe ich Zweifel, bislang haben wir nur leere Versprechungen bekommen.“ Der Bürgermeister äußerte sich nicht zum angestrebten Verkaufserlös.

Abgeschreckt haben die Räte die Maklerkosten, die mit dem Vertragsentwurf vorgelegt wurden: Neben den Aufwandserstattungen sollte der Makler eine dreiprozentige Provision auf den Kaufpreis erhalten. „Mehr als 12 000 Euro werden wir definitiv nicht bezahlen müssen, dieser Betrag steht im Haushaltsplan unter dem Passus Grundstückserwerb bereit“, sagte Kaufmann. Ob der Makler eine Zielvorgabe erhalte, wollte Häberle wissen, erhielt aber keine Antwort.

Noch zwei Grundstücke zu verkaufen

Flächen Das Laichinger „Industriegebiet Ost“, auch „Dreispitz“ genannt, wurde noch unter Bürgermeister Friedhelm Werner auf den Weg gebracht. Die Begründung lautete damals, Laichinger Unternehmen bräuchten zur Erweiterung Gewerbeflächen. Das 13 Hektar große „Industriegebiet Ost“ verfügt auf 8,9 Hektar über insgesamt 16 Baugründstücke. Noch zu veräußern sind zwei knapp 2 Hektar und 1,44 Hektar große Bauflächen an der Ecke Gottlieb-Daimler-Straße/Geislinger Straße (gegenüber Firma Holder, ehemals Surteco).

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