Es war eiskalter Mord. Der Täter lauerte dem 44-jährigen Blumenhändler aus Laichingen am frühen Morgen des 4. Oktober 2011 in der Hirschstraße, unweit des Blumenladens, auf und ließ seinem Opfer keine Chance. Mehrere Schüsse trafen ihn, einer davon war tödlich. Eine Hinrichtung.

14 Monate danach ist die Bluttat immer noch ungeklärt. Zeitweise suchten 50 Polizisten in der Sonderkommission "Blume" nach Spuren, die zum Mörder führen. Vieles spricht dafür, dass es sich um eine Tat aus dem Umfeld des 44-jährigen Kurden handeln könnte. Deshalb ermittelte die Kriminalpolizei auch an den Plätzen, an denen Verwandte des Getöteten leben: in der Osttürkei und in Frankreich. Es waren aufwendige Recherchen, berichten die Ermittler. Über das Auswärtige Amt mussten Rechtshilfeersuchen an die jeweiligen Staaten gerichtet werden, und einheimische Polizisten erfragten dort, was die Ulmer Kriminalisten brennend wissen wollten. Fragenkataloge wurden erstellt, Übersetzungen hin und zurück waren notwendig. Heute steht fest: Die aufwendigen Recherchen haben auch keine Aufklärung gebracht. Die Ermittlungen in der Osttürkei sind inzwischen abgeschlossen, berichtet Rainer Feil, der derzeit die Ulmer Staatsanwaltschaft führt. An verschiedenen Orten wurden Zeugen befragt. Die Übersetzungen der Vernehmungen liegen vor, eine heiße Spur ist nicht darunter. Auch die Befragungen in Frankreich dürften nichts Erhellendes gebracht haben. Zwar liegen die Akten dieser Vernehmungen noch nicht schriftlich vor. Eine telefonische Vorabinformation machte jedoch deutlich, dass es auch dort keinen Durchbruch gegeben haben dürfte. Die Auswertung der Protokolle ist jedoch noch nicht beendet.

Auch wenn die Sonderkommission "Blume" der Ulmer Polizei längst aufgelöst ist, weil die meisten Spuren abgearbeitet und überprüft sind, ist der "Mordfall Blumenhändler Laichingen" nicht als "ungelöst" zu den Akten gelegt. Eine kleine Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei hat die Aufklärungsarbeit übernommen. Noch gibt es einzelne Punkte, die abgeklärt werden müssen. Die Überprüfung der Vernehmungsprotokolle aus dem Ausland gehört dazu. Sollten jedoch auch dabei keine neuen Erkenntnisse auftauchen und die restlichen Spuren abgearbeitet sein, dann würde das Ermittlungsverfahren vorläufig eingestellt werden. Damit wäre die Ulmer Kriminalgeschichte keineswegs automatisch um einen ungeklärten Fall reicher, sagt Bischofberger. Wenn Anhaltspunkte auftauchen, würden die Akten wieder hervorgeholt. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, sagt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Es gebe viele Fälle, in denen nach Jahren Hinweise auftauchen, die Mordwaffe gefunden wird, die im Laichinger Fall fehlt, oder sich ein Beteiligter im Freundeskreis verspricht.

In der Nachkriegszeit blieben bei der Kripo nur zwei Mordfälle ungeklärt: Der des 28-jährigen Raphael Blumenstock, der 1990 nachts auf dem Ulmer Münsterplatz brutal massakriert wurde. Und ein Fall aus den 60er Jahren: Damals war nördlich von Ulm auf einem Feld die verkohlte Leiche einer Münchner Prostituierten gefunden worden.

Im Zusammenhang mit dem Laichinger Blumenhändler-Mordfall gibt es freilich Merkwürdigkeiten, die bis heute nicht geklärt werden konnten. Auch der Mann, der vor dem 44-jährigen Kurden den Blumenhandel umtrieb, kam gewaltsam ums Leben. Seine Leiche und die seines Schwiegersohns, der in die Türkei gefahren war, um den spurlos Verschwundenen zu suchen, wurden im November 1999 in der Nähe von Istanbul entdeckt. Sie waren wie auch acht weitere Männer erschossen worden. Die türkischen Medien gingen damals von einer politisch motivierten Tat aus. Die Ulmer Kripo fand jedoch keine Hinweise auf eine Verbindung der Istanbuler Bluttat zur Ermordung des Laichinger Blumenhändlers.