Denkmal Keine Kälte-Pause am Rusenschloss

Handarbeit in luftiger Höhe: Lose Steine und Mörtelfugen werden herausgebrochen und frisch eingebaut.
Handarbeit in luftiger Höhe: Lose Steine und Mörtelfugen werden herausgebrochen und frisch eingebaut. © Foto: Joachim Striebel
Gerhausen / Joachim Striebel 08.12.2018

Die milden Temperaturen sind günstig für die Arbeiten an der Ruine Rusenschloss bei Blaubeuren-Gerhausen. Würde das Thermometer in der Nacht weniger als fünf Grad Kälte anzeigen, dürften die Maurer tagsüber keinen Mörtel mehr verarbeiten. Im Herbst gab es bisher keine witterungsbedingten Zwangspausen. Die Arbeitsphasen der Gerüstbauer, Felssanierer und Maurer sind ohnehin beschränkt: Zum Schutz brütender Vögel wird jährlich nur von August bis Mitte Februar gearbeitet. Projektleiter Günter Jerg vom Ulmer Amt des Landesbetriebs „Vermögen und Bau“ spricht deshalb nicht von Bauabschnitten, sondern von Bauphasen. Derzeit befinden sich die Arbeiten zur „Verkehrssicherung“ am Rusenschloss in Phase zwei.

Die 2017 begonnene Sanierung, die rund 3,2 Millionen Euro kosten wird, soll nach Angaben von „Vermögen und Bau“ 2020 fertig sein. Bereits abgeschlossen sind die Arbeiten am Pfeiler des einst mächtigen Tragebogens der Hauptburg. Während die Steine noch brauchbar waren, haben die Spezialisten der Firma Wolfsholz aus Leonberg vor allem die Fugen erneuert. Vom Tal aus gesehen, wirkt der Pfeiler jetzt viel heller.  Darunter wurde der Fels mit Spritzbeton gesichert. Wie Bernd Göhner von der Ingenieurgesellschaft Dr. Spang berichtet, wurde der Beton eingefärbt und unterscheidet sich dadurch kaum vom natürlichen Fels. Weil irgendwo durch Klüfte Regenwasser ins Gestein eindringen kann, ließen die Fels-Sanierer der Firma Königl aus Würzburg am unteren Ende der Spritzbeton-Riegel einige Drainage-Löcher. So kann das Wasser abfließen.

An der Ruine, die wegen abbröckelnden Gesteins zum Sanierungsfall wurde, werde nichts unnötig zubetoniert, sagt Günter Jerg. Wo es geht, blieben Löcher offen, die für Vögel wie Dohle und Kolkrabe wichtig seien. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Nabu haben die Bauarbeiter jetzt auch einen Nistkasten befestigt. Weitere Aktion im Sinne des Artenschutzes: Einige seltene Fels-Pflanzen wurden zu Beginn entfernt und nun dort, wo die Arbeiten abgeschlossen sind, wieder eingepflanzt. Naturschützer hatten auf die besondere Felsvegetation hingewiesen.

Wieder mit Hubschrauber

Eine Besonderheit der Baustelle hoch über dem Blautal ist der umfangreiche Gerüstbau. „Hier stehen rund zwanzig Tonnen Gerüst“, sagt Betriebsleiter Gerald Blohmer von der Sendener Firma Dullenkopf. Bewährt habe sich beim Aufbau der Einsatz eines Hubschraubers. Auch beim Abbau setzt Blohmer wieder auf die Hilfe aus der Luft. Einige Gerüstelemente wurden jetzt von Hand umgesetzt, etwa vom Torbogen-Pfeiler zur Westseite der Wohnburg. An einigen Stellen müssen nun noch Netze und Stahlseile zur dauerhaften Felssicherung befestigt werden. Weil dabei das Gerüst hinderlich ist, werden dies Industriekletterer erledigen. Nicht mehr so hoch hinaus geht es zum Ende der Bauarbeiten 2019 und 2020: Dann wird der Gewölbekeller des frühmittelalterlichen Schlosses saniert.

Aussichtspunkt Ende 2019 wieder begehbar

Schmierereien Unbefugte haben sich Zugang zur Baustelle verschafft und die inneren Mauern der Aussichtsplattform, auch den sorgsam restaurierten Torbogen-Pfeiler, mit Graffiti verunstaltet.

Wanderweg Solange gebaut wird, führt ein Wanderweg an der Baustelle vorbei. Die Aussichtsplattform ist gesperrt. Hans-Jakob Schmid, Abteilungsleiter bei „Vermögen und Bau“, geht davon aus, dass sie Ende 2019 wieder begehbar sein wird.

Erbauung Das Rusenschloss, auch „Hohengerhausen“ genannt, wurde im 10. oder 11. Jahrhundert erbaut. Es soll zunächst Sitz eines  alemannischen Gaugrafen gewesen sein. Von 1092 bis 1116 ist dort ein Graf Hartmann von Dillingen bezeugt. Er hat als „Hartmannus de Gerohusin“ am 2. Mai 1092 in Ulm eine Urkunde unterzeichnet – die erste urkundliche Erwähnung des Orts Gerhausen.

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