Bauvorhaben Keine Idylle mehr im Rosenweg

Wolfgang Schüle (links) und einige seiner Nachbarn wollen nicht, dass im Erbacher Rosenweg in der Nähe des Schulzentrums ein großes Haus mit zwölf Wohnungen gebaut wird.
Wolfgang Schüle (links) und einige seiner Nachbarn wollen nicht, dass im Erbacher Rosenweg in der Nähe des Schulzentrums ein großes Haus mit zwölf Wohnungen gebaut wird. © Foto: Pia Reiser
Erbach / Von Pia Reiser 07.09.2018

Der Rosenweg in Erbach ist eine beschauliche Straße: Einfamilien- und Doppelhäuser mit großen Gärten, die Nachbarschaft kennt sich seit Jahrzehnten. Doch nun gibt es Ärger. Denn ein Investor aus Erbach will eines der Doppelhäuser abreißen und stattdessen ein großes Haus mit zwölf Wohneinheiten bauen, inklusive Stellplätzen direkt an der Straße.

„Das ist eine Dimension, die hier nichts zu suchen hat“, findet Wolfgang Schüle, der sich gemeinsam mit einigen Nachbarn gegen das Vorhaben wehrt. Das große Gebäude füge sich nicht in das Wohngebiet ein, argumentieren sie – und entspreche in seinen Dimensionen nicht dem Bebauungsplan. Gegen den Bau von Doppelhäusern hätten sie nichts einzuwenden, betonen die Nachbarn. „Wir wollen aber, dass ein einheitliches Bild bleibt“, sagt Schüle. Eine weitere Sorge: die Parksituation im Rosenweg und den angrenzenden Straßen. Da auf der gesamten Grundstückslänge Carports entstehen sollen, würden die Parkplätze an der Straße wegfallen, in der es ohnehin schon eng zugeht.

In der Nachbarschaft wurden bereits Unterschriften gesammelt und mit einem Brief, in dem die Sorgen dargelegt werden, an Bürgermeister Achim Gaus und die Gemeinderatsmitglieder geschickt. Außerdem haben die Nachbarn vor Kurzem im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens ihre Einwände gegen das Haus bei der Stadt eingereicht.

„Auch wir sind von dem Vorhaben nicht begeistert und der Gemeinderat sieht es kritisch“, sagt Florian Ott, Hauptamtsleiter im Erbacher Rathaus. „Wir hätten uns etwas gewünscht, das sich besser in die Umgebung einfügt.“ Jedoch könne die Stadt nichts tun, solange der Bau dem Bebauungsplan entspreche – und dies zu prüfen sowie die Baugenehmigung zu erteilen, sei Sache des Landratsamts.

Frank Rost ist Kreisbaumeister im Landratsamt und zuständig für den Erbacher Raum. Noch seien nicht alle Stellungnahmen zu dem Bauvorhaben eingegangen, die Frist dafür laufe noch, sagt er.

Der Bebauungsplan, der für den Rosenweg gilt, ist aus dem Jahr 1970. Vorgesehen sind dort alleinstehende Doppel- oder Einzelhäuser mit einem Vollgeschoss. „Aber ein Einzelhaus ist nicht gleichzusetzen mit einem Einfamilienhaus“, erklärt Rost, theoretisch kann ein Einzelhaus auch 50 Meter lang sein. Die Gemeinde könne über den Bebauungsplan festlegen, wie viele Wohnungen in einem Einzelhaus entstehen dürfen. „Aber 1970 gab es dazu noch keine Regelungen“, erklärt Rost.

Auch Investor und Bauherr Andreas Schiedel äußert sich zu seinem Projekt. Er habe sich unter anderem wegen der steilen Hanglage für ein großes Einzelhaus entschieden, sagt er. Dies könne man so in den Hang bauen, dass die Bewohner barrierefrei auch über einen Aufzug in ihre Wohnungen kommen. „Würde man Einzelhäuser bauen, müssten die Bewohner über Treppen dreieinhalb bis vier Meter überwinden, um zur Haustür zu gelangen.“ So etwas wolle heute niemand mehr.

Landratsamt prüft noch

Außerdem sei der Bedarf in Erbach nach kleinen und mittleren Wohnungen gerade sehr hoch. In Bezug auf die Parkplätze betont Schiedel, dass die Vorgabe von einem Stellplatz pro Wohnung erfüllt sei. Er gibt aber auch zu: „Die Parkplatzsituation wird etwas eingeschränkt. Das ist aber immer so, wenn man verdichtet baut.“

Anwohner Schüle hat einen weiteren Kritikpunkt: Er vermutet einen „versteckten“ Geschosswohnungsbau, da Wohnungen auf drei Stockwerken entstehen. Laut Schiedel aber sind in der Planung das Unter- und das Dachgeschoss keine Vollgeschosse. „Es ist üblich, dass man das so macht“, sagt er. Konkrete Aussagen von Seiten des Landratsamts, inwieweit das geplante Haus nun dem Bebauungsplan entspricht, lassen sich laut Frank Rost erst treffen, wenn alle Stellungnahmen im Landratsamt sind und geprüft wurden. „Jetzt muss man noch abwarten.“

Bebauungsplan regelt, wie gebaut werden darf

Verwaltung Ein Bebauungsplan einer Kommune regelt, wie Gebäude oder Straßen in einem  Gebiet gebaut werden dürfen. Etwa kann festgelegt sein, wie hoch Häuser sein, ob Gewerbebetriebe neben Wohnhäusern stehen dürfen und welche Dächer erlaubt sind. Laut Hauptamtsleiter Florian Ott ist es nicht unüblich, dass Pläne aus den 1970er Jahren noch gültig sind.

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