Ulm Kein Investor, kein Vorstand

Gesichter, die die ganze Gemütslage im Verein widerspiegeln: Die anwesenden Mitglieder waren entsetzt über die Lage beim SSV 46 Fußball. Foto: Oliver Schulz
Gesichter, die die ganze Gemütslage im Verein widerspiegeln: Die anwesenden Mitglieder waren entsetzt über die Lage beim SSV 46 Fußball. Foto: Oliver Schulz
Ulm / RUDI KÜBLER HANS-ULI MAYER 24.05.2014
Alle Versuche zur Rettung des SSV Ulm 1846 Fußball sind gescheitert. Der Verein ist zahlungsunfähig, ein neues Präsidium wurde auch am Donnerstag in einer turbulenten Versammlung nicht gefunden.

Am Nachmittag noch hat Trainer Oliver Unsöld vor dem letzten Saisonspiel des Ulmer Fußball-Regionalligisten die sportliche Einheit beschworen. Knapp vier Stunden später war von dieser Einheit bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung nichts mehr zu spüren. Der Verein ist pleite und immer noch ohne gewählten Vorstand, weshalb dem vom Gericht befristet eingesetzten Notvorstand nichts anderes übrig bleibt, als Insolvenz anzumelden.

Gut 200 der insgesamt knapp 800 Vereinsmitglieder waren am Donnerstag Abend in die Jahnhalle gekommen. Und sie waren wütend. Wütend auf alles und jeden, vor allem aber auf die ausweglos scheinende Situation, wie sie der Notvorstand um Dr. Dietmar Voss skizziert hat. Bis zum Saisonende summieren sich offene Rechnungen auf mindestens 420 000 Euro. Spieler haben schon länger kein Geld mehr gesehen, seit Monaten wurde die Stadionmiete nicht bezahlt, Abgaben für die Berufsgenossenschaft sind offen - und keine Rettung in Sicht.

Mit einem dezidierten Bericht hat Voss die finanzielle Entwicklung der letzten drei Jahre dargestellt: "Die Verluste haben sich nicht von heute auf morgen entwickelt, sondern die letzten drei Jahre." Vom früheren Präsidium war allerdings nur der im August 2013 zurückgetretene Finanzverantwortliche Georg Unbehaun anwesend, der schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Präsidiumskollegen Paul Sauter erhob. Der habe noch im Januar 2013 gegen seinen Rat neue Spieler verpflichtet, obwohl der Verein im Grunde da schon zahlungsunfähig war. Wie Voss mitteilte, hat es am Donnerstag eine Kontenpfändung gegeben.

Zeitweise wurde es turbulent, als ein Vereinsmitglied forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch die Frage nach einem Treuhandkonto kam auf, das im vergangenen Jahr unter dem Projekt-Titel "Aufstieg 2014" eröffnet wurde. Sportlich ist die Mannschaft weit vom Aufstieg weg, im letzten Spiel am morgigen Samstag geht es vielmehr um den Abstieg. Und an Spenden sind auf dem Konto lediglich zweimal 100 Euro eingegangen.

Vereinzelt machten sich die Fans Luft durch Beschimpfungen und Spott, die etwa die Kleiderordnung eines Notvorstands betraf, der am Montag im Trainingsanzug zum Sponsorentreffen gekommen war. Und auch der frühere Finanzchef, Georg Unbehaun, wurde angegriffen, warum er nicht früher eingegriffen habe. "Im November hätten wir noch was machen können. Jetzt stehen wir mit dem Rücken an der Wand", sagte Jürgen Springer, der Mann im Maskottchen.

Tatsächlich hat sich niemand gefunden, der den Verein übernehmen will. Weder trat ein Geldgeber auf, noch gab es eine Bewerbung für das Präsidium. Diese Wahl war notwendig geworden, weil Paul Sauter und Präsidiumsmitglied Udo Mayer durch den Investoren-Vertrag mit Thomas Pantelic zurücktreten mussten. Weil der aber nach nur zwei Wochen auch das Weite gesucht hat, ist der Verein führungslos. Die Amtszeit des Notvorstand endet Ende Mai.

Gestern sollte nun der Insolvenzantrag gestellt werden. Das Amtsgericht bestimmt daraufhin einen Insolvenzverwalter, der einen Bericht anfertigen wird. Erst dann wird entschieden, wie es weitergeht.

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