Wolf Kein Beweis für Alb-Wolf - Nabu will Raubtier den Weg ebnen

Ein solches Foto von der Schwäbischen Alb gibt es noch nicht. Aber Berichte von Wolfs-Sichtungen. Dieses Tier wurde in einem Wildpark in Brandenburg fotografiert.
Ein solches Foto von der Schwäbischen Alb gibt es noch nicht. Aber Berichte von Wolfs-Sichtungen. Dieses Tier wurde in einem Wildpark in Brandenburg fotografiert. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Region / JOACHIM STRIEBEL 10.04.2015
Mehrere Leute berichteten, einen gesehen zu haben. Aber es gibt keinen Nachweis über einen Wolf auf der Alb. Dennoch laufen Vorbereitungen für die Rückkehr. Eine „Wolfsbotschafterin“ spricht in Blaubeuren.

„Wir haben nichts Handfestes“, sagt Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg zur möglichen Anwesenheit eines Wolfes auf der Schwäbischen Alb. Wie berichtet, hatten im Winter Jäger und ein Schneepflugfahrer gesagt, ein wolfsähnliches Tier gesehen zu haben. „Wir nehmen solche Sichtungen ernst“, sagt Herdtfelder. So hat der Raubtierexperte auch bei Amrei Groß nachgefragt, die an einem Sonntagmorgen im Februar zwischen Amstetten und Oppingen ein Tier gesehen hat. „Ein Hund war es nicht“, sagt Amrei Groß, die sich als aktives Mitglied der Ulmer Rettungshundestaffel bestens mit Hunden auskennt. Die Forschungs- und Versuchsanstalt habe daraufhin Förster und den Wildtierbeauftragten der Forstverwaltung im Alb-Donau-Kreis, den Forstrevierleiter Werner Bierer in Weilersteußlingen, informiert. „Da kam aber nichts“, sagt Herdtfelder – kein Foto, kein gerissenes Reh, kein Kot für eine DNA-Untersuchung.

Ob also tatsächlich ein Wolf auf der Alb unterwegs war, bleibt offen. Herdtfelder weiß, dass im Kreis Heidenheim ein streunender Hund aufgegriffen wurde. „Manchmal kann man einen Hund kaum vom Wolf unterscheiden.“

„Nach meinem Bauchgefühl waren schon welche da“, sagt Dr. Andre Baumann, der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) in Baden-Württemberg. Ein im hessischen Gießen angefahrener und später im Westerwald von einem Jäger erlegter Wolf stammte von einer Population in den Alpen. „In wenigen Nachtmärschen“ könne ein Wolf durch Baden-Württemberg ziehen, sagt Baumann. „Wir bereiten uns ganz intensiv auf die Rückkehr des Wolfes vor.“ Der Nabu-Landesverband zählt zwanzig so genannte Wolfsbotschafter, die dem Wolf den Weg bereiten sollen. Aufgabe der vom Nabu-Bundesverband ausgebildeten Ehrenamtlichen ist, in der Bevölkerung über den Wolf zu informieren, der 1847 in Württemberg ausgerottet wurde. Noch immer gebe es eine „gefühlte Bedrohung“, sagt Baumann. „Der Märchenwolf ist der gefährlichste Wolf.“ Das von den Gebrüdern Grimm in „Rotkäppchen“ und „Der Wolf und die sieben Geißlein“ gezeichnete Bild vom Wolf sei tief verwurzelt. „Deswegen ist Information das A und O“. Die Wolfsbotschafter schildern das Verhalten der Raubtiere und weisen beispielsweise darauf hin, sie nicht anzufüttern. Andrea Schneider vom Nabu hält am kommenden Donnerstag, 16. April, in Blaubeuren einen Vortrag.

„Manche Wolfsbotschafter freuen sich, wenn die Wölfe so bald wie möglich kommen“, sagt Andre Baumann. Aus seiner Sicht können sie durchaus noch ein paar Jahre warten. Denn es werde Konflikte geben, insbesondere mit der Schäferei. Um gerüstet zu sein, startet jetzt mit einem Betrag von 200 000 Euro, den die baden-württembergische Landtagsfraktion der Grünen zur Verfügung stellt, ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zum Herdenschutz. „Wir lassen die Schäfer nicht allein“, sagt Baumann. Gerade die auf der Schwäbischen Alb verbreitete Form der Wanderschäferei sei für die typischen Wacholderheiden unverzichtbar und wichtiges Element beim Naturschutz.

Genau geprüft werde, ob Herdenschutzhunde, die sich auf weiten Weideflächen in Frankreich bewährt haben, auch auf der Alb eingesetzt werden könnten. Viele Fragen sind offen: Können die Schutzhunde die Herde auf der Wanderschaft begleiten? Wie reagieren sie auf die unverzichtbaren Hütehunde und wie können sie diese vom Wolf unterscheiden? Wie verhalten sich die kräftigen Hunde, die ihre Herde auch vor Menschen beschützen, wenn es durch ein Dorf oder ein Wandergebiet geht? Gemeinsam wollen Nabu und Landesschafzuchtverband Antworten suchen.

Stefan Tluczykont, Leiter des Fachdienstes Forst und Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau-Kreis, sieht das Szenario, dass Schafherden vor dem Wolf beschützt werden müssen, für die Region noch in sehr weiter Ferne. Ein einzelner Wolf könne durchaus mal über die Schwäbische Alb streifen, eine Rudelbildung werde es in Baden-Württemberg wohl eher im Schwarzwald geben. Tluczykonts Devise: Das Thema Wolf „positiv, interessiert und neugierig begleiten“.

Info Auf Einladung der BUND-Ortsgruppe spricht Andrea Schneider, Wolfsbotschafterin des Nabu, am Donnerstag, 16. April, in Blaubeuren. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Hotel „Löwen“.

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