Teilhabe Kaum Angebote auf dem Land

Josef Barabeisch, Brigitte Länge, Stefanie Mäckle und Melinda Maier (v.l.) wollen herausfinden, wo Menschen mit Behinderung mehr Angebote brauchen. Bürgermeister Eh war Gastgeber.
Josef Barabeisch, Brigitte Länge, Stefanie Mäckle und Melinda Maier (v.l.) wollen herausfinden, wo Menschen mit Behinderung mehr Angebote brauchen. Bürgermeister Eh war Gastgeber. © Foto: Seefelder
Dientenheim / Von Michael Seefelder 10.10.2018

Noch immer ist es für Menschen mit Behinderung im Alb-Donau-Kreis vor allem  auf dem Land schwer, Arbeit, Wohnen und Freizeit unter einen Hut zu bekommen, ohne dabei weite Strecken zurücklegen zu müssen. Denn abseits der Städte fehlen oft entsprechende Angebote. Um mit den Betroffenen darüber und über andere Probleme ins Gespräch zu kommen, hatte die Fachdienststelle soziale Sicherungdes Landratsamts zum „Forum Regionale Teilhabeplanung“ in die Aula der Gemeinschaftsschule Dietenheim geladen. Diese Foren finden an unterschiedlichen Orten des Landkreises statt, da die Veranstalter erfahren wollen, wo die Schwierigkeiten ganz lokal liegen. Denn eine Fortschreibung des Regionalen Teilhabeplans, den der Alb-Donau-Kreis  2008 erstmals mit der Stadt Ulm erstellt hat, steht bevor. In dem Plan geht es unter anderem darum, die Mobilität, Selbstständigkeit und gezielte Förderung von Menschen mit Behinderung zu verbessern.

Neben verschiedenen Organisationen und Einrichtungen sollen vor allem die Betroffenen selbst an dem Teilhabeplan mitwirken. Deshalb sind im Vorfeld der Foren die Menschen, die vom Landkreis Leistungen im Zuge der Eingliederungshilfe erhalten (1283 Personen), schriftlich befragt worden. Durchgeführt wurde die Aktion von Heilpädagogin Stefanie Mäckle. In elf Themenbereichen konnten die Befragten angeben, wo der Schuh drückt. 26 Prozent von ihnen haben den Bogen  ausgefüllt und zurückgeschickt.

In Dietenheim präsentierte Mäckle nun die Ergebnisse. Viele Befragte arbeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, so eine zentrale Erkenntnis. Deutlich wurde auch, wie wichtig die Unterstützung von Eltern und Verwandten für die Betroffenen ist. Denn ein großer Teil der jungen Erwachsenen lebt bei der Familie. Ein hoher Anteil der Befragten wünscht sich mehr Unterstützung und Begleitung im Alltag und auch mehr Freizeitangebote.

Dieses Stimmungsbild bestätigte sich in der Diskussionsrunde nach Mäckles Vortrag. Eine Frau aus dem Publikum berichtete, wie sehr sich ihre behinderte Tochter den Kontakt zu Nichtbehinderten wünsche. Entsprechende Gruppen oder Treffs fehlten allerdings.

Wertvolle Arbeit

Giuseppe Lapomarda aus Illerkirchberg, der sich für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzt, forderte mehr Bereitschaft der Arbeitgeber, Arbeitsmodelle anzubieten, die eingeschränkte Möglichkeiten berücksichtigten. Beispielsweise könnten manche Behinderte keinen Achtstundentag durchhalten, aber trotzdem wertvolle Arbeit leisten. Oft sei das Problem, dass den Betroffenen eine Ausbildung ermöglicht werde. Laufe die Förderung dann jedoch aus, „kommt das große Loch“, so Lapomarda.

Josef Barabeisch, Dezernent für Jugend und Soziales, stimmte dem Eindruck einiger Anwesender zu, dass im Raum Dietenheim Leistungsanbieter im Bereich Arbeit fehlten. Die „Illerschiene“ sei im Alb-Donau-Kreis nicht so gut aufgestellt, wie das städtisch geprägte Ehingen. Brigitte Länge, Fachdienstleiterin soziale Sicherung, verwies auf ein neu entstandenes Budget, um Lohnkosten zu bezuschussen. Möglich sei dies durch das Bundesteilhabegesetz. um Ausklang konnten sich die Besucher an Themen-Tischen über die Angebote im Kreis bei Wohnen, Freizeit und Tagesstruktur informieren.

Gesetzpaket bis 2023 abgeschlossen

Das Gesetz Mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) soll die deutsche Eingliederungshilfe modernisiert und die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung gestärkt werden. Hintergrund ist die UN-Behindertenrechtskonvention von 2008. Von vier Reformstufen des BTHG sind bereits zwei in Kraft getreten. 2023 soll das gesamte Gesetzespaket abgeschlossen sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel