Kriminalität Katze in Kellmünz erschossen

Kellmünz / Wilhelm Stein 01.09.2018
Andrea Weiler aus Kellmünz trauert um Kater Edi. In seinem Bauch steckte ein Projektil aus einem Luftgewehr. Wer hat das getan?

Für manche ist das Haustier eben nur ein Tier. Für viele andere ist der jahrelange, treue Begleiter ein Familienmitglied. Zum Beispiel für Andrea Weiler aus Kellmünz. Umso tragischer ist der Fall ihres Katers Edi, der von einem unbekannten Schützen getötet wurde.

Als das Tier am 14. August nicht nach Hause zurückkehrte, hatte Andrea Weiler sich bei Nachbarn erkundigt, mit Flyern nach dem Kater gesucht. „Er war ein ganz Besonderer, mein Edi  – der Beste. Zutraulich und bei allen in der Gegend bekannt“, sagt sie. Erst Tage später, am 17. August, tauchte der elfjährige Kater von allein wieder zu Hause auf.

Andrea Weiler bemerkte sofort das seltsame Verhalten ihrer Katze: „Er wollte nichts fressen und verkroch sich sofort unter das Bett.“ Besorgt um Edi untersuchte sie diesen auf Verletzungen oder ähnliches – ergebnislos. Als sich der Zustand der Katze in der Nacht drastisch verschlimmerte, reagierte die Halterin sofort. „Es sah so aus, als wäre er vergiftet worden, er hatte Speichelfluss und gab gequälte Geräusche von sich“, erzählt die 60-Jährige. Sie fuhr mit Edi in eine Kleintierklinik, wo eine Röntgenaufnahme ein Projektil im Bauch der Katze sichtbar machte: Edi wurde von einem Geschoss aus einem Luftgewehr getroffen.

Nachbarin hört Schüsse

Am 18. August erlag Edi schließlich seinen Verletzungen. Ob eine Bleivergiftung oder eine Verletzung der Gedärme zum Tod geführt hat, bleibt Spekulationssache. Für die Besitzerin steht fest: Ihrem Kater wurde gezielt in den Bauch geschossen – im Liegen. Darauf deutet die Position des Projektils im Körper hin. Andrea Weiler macht sich große Vorwürfe: „Wäre ich nur früher zum Arzt, würde Edi vielleicht noch leben.“

Nach einigen Tagen der Trauer entschloss sich Andrea Weiler, aktiv zu werden. Sie erstatte Anzeige bei der Polizei, die derzeit ermittelt und deshalb auf Nachfrage keine Auskunft gibt. Zudem setzte die psychologische Heilpraktikerin eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise aus, die zum Täter führen. Sie erhielt viele Anrufe von Katzenbesitzern aus der näheren Umgebung. Unter anderem berichtet Andrea Weiler von einer Frau, die aus Sorge um ihr Haustier nicht namentlich genannt werden möchte: Deren Katze soll seit mehreren Jahren ein Geschoss im Bein stecken haben. Aus Angst, das in die Jahre gekommene Tier würde die Narkose nicht überleben, lässt die anonyme Dame es nicht operieren und stattdessen mit  Medikamenten behandeln.

Auf Nachfrage bestätigen auch nahegelegene Tierärzten und Kliniken, dass es in vergangen Jahren immer wieder ähnliche Fälle gab. Eine Nachbarin sagte aus, in der Nacht gelegentlich Schüsse zu hören. Andrea Weilers höchstes Anliegen ist nun, dem Tierquäler das Handwerk zu legen: „Es kann nicht sein, dass so jemand ungestraft bleibt.“

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Angriffe auf Haustiere sind Straftatbestand

Luftgewehre In Deutschland sind Druckluftwaffen bis zu einer Mündungsenergie von 7,5 Joule an Personen ab 18 Jahren frei verkäuflich. Alles was eine höhere Mündungsenergie aufweist, gilt als sogenanntes Weitschuss-Luftgewehr. Für den Erwerb dieser ist laut Waffengesetz eine Erwerbsberechtigung nötig.

Munition Für verschiedene Typen von Luftgewehren gibt es auch unterschiedliche Arten von Munition. Die Spannweite reicht von Kaliber 4,5 bis 6,35 Millimeter. Die „Diabolos“ genannten Geschosse variieren auch je nach Verwendungszweck vom Flachkopfgeschoss mit hoher Präzision bis zum Rundkopfgeschoss mit hoher Durchschlagskraft. Im Fall „Edi“ wurde vermutlich, das zeigen weitere Röntgenbilder, ein Rundkopfgeschoss verwendet.

Tierschutz Das Schießen auf Tiere verstößt gegen das Jagd-, sowie Waffen-, und Tierschutzgesetz. Wer einem Wirbeltier mit Vorsatz oder aus grober Fahrlässigkeit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen oder wird mit einer hohen Geldstrafe belangt. Von Vorsatz spricht man, wenn billigend die Folgen des eigenen  Handelns in Kauf genommen werden.

Einordnung Andreas Brucker vom bayerischen Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes erklärt, dass Schüsse auf Haustiere und ähnliche Taten leider keine Seltenheit seien. Die meisten dieser Fälle blieben jedoch unbemerkt. Denn wenn kein Blutgefäß verletzt wird, sei es schwierig, eine solche Verletzung ohne Röntgenaufnahme zu erkennen. Viele Tiere lebten folglich jahrelang mit einem Projektil im Körper.

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