In den heißen und trockenen Sommermonaten kommt es schnell zu Waldbränden, die in Windeseile zu einer echten Katastrophe werden können – wie bei dem Großfeuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in  Mecklenburg-Vorpommern. Ist eine besonders hohe Gefahrenstufe erreicht, werden auch in unserer Region Luftbeobachter aktiv, die im Blick haben, was sich in den Wäldern tut.

Drei Standorte mit Landeplätzen gibt es dafür in Schwaben: Genderkingen bei Donauwörth, Durach bei Kempten und Illertissen. Im gleichmäßigen Wechsel findet jedes Jahr eine Übung der Luftbeobachter an diesen Orten statt, diesmal wieder in Illertissen. Am Samstag probten dort Luftbeobachter und Piloten aus ganz Schwaben sowie sechs Feuerwehren aus dem Landkreis Neu-Ulm (Altenstadt, Unterroth, Kellmünz, Osterberg, Schießen und Biberach), allesamt ehrenamtlich, den Ernstfall.

Die Übung bestand aus zwei Teilen: Am Vormittag ging es um die Navigation. Es galt, eine Flugroute festzulegen und markante Geländepunkte zu finden, zu verifizieren und weiterzumelden. Wie Wolfgang Höppler, Leiter des Fachbereichs Sicherheitsrecht, Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Neu-Ulm, erklärte, verlassen sich die Luftbeobachter dabei nicht auf GPS. Stattdessen werde mit Landkarte und Kompass gearbeitet. „Es wird mit herkömmlichen Mitteln geübt. Die sind ausfallsicher“, so Höppler, der selbst Luftbeobachter ist.

Noch schwieriger wurden die Aufgaben am Nachmittag. Gleich drei Brandherde mit Rauchentwicklung wurden in den Einsatzgebieten der Feuerwehren Kellmünz, Unterroth und Biberach mit Rauchentwicklung simuliert. Die Luftbeobachter mussten diese im Wald erkennen, die Koordinaten bestimmen und bei der Integrierten Leitstelle Donau-Iller Meldung machen. Die Leitstelle wies den Luftbeobachtern dann Feuerwehren für den Einsatz zu, die Luftbeobachter mussten die Piloten zu den Gerätehäusern dirigieren und die Einsatzkräfte von dort aus zu den Brandstellen führen. „Sie müssen dabei die Fahrzeuge im Blick haben und prüfen, ob bestimmte Straßen überhaupt befahrbar sind“, erklärt Fachbereichsleiter Höppler.

Das gelang den Ehrenamtlichen vollauf: „Die Übung war aus meiner Sicht ein voller Erfolg“, sagte Höppler. Wichtig sei die Unterstützung von Siegfried Möst, Stützpunktleiter der Luftrettungsstaffel Bayern in Illertissen, gewesen. Möst habe unter anderem für die gute Betreuung der rund 60 an der Übung mitwirkenden Personen gesorgt und die Fliegerhalle zur Verfügung gestellt.

Wenn man bedenke, dass die Flugzeuge mit 180 Stundenkilometer unterwegs seien, sei es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die wesentlich langsameren Feuerwehrfahrzeuge zur Brandstelle zu lotsen. Dafür fliegen die Maschinen in Kreisbewegungen,  die Luftbeobachter halten Funkkontakt mit den Feuerwehrkräften. Diese Herausforderungen hätten die Ehrenamtlichen bravourös gemeistert, sagt Höppler: „Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Luftbeobachter in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen, wenn ein echter Brand auftritt.“

Gleich am Sonntag waren die Ehrenamtlichen übrigens erneut gefordert: Wegen der anhaltenden Hitze war ein Beobachtungsflug angesetzt.

Weitere Aufgaben: Hochwasser und Borkenkäfer


Funktion Verwaltet werden die Luftbeobachter von den Landratsämtern. Häufig haben die Ehrenamtlichen auch beruflich einen Bezug zu ihrer Aufgabe, beispielsweise finden sich Forstleute, Berufsfeuerwehrkräfte oder Mitarbeiter des Roten Kreuzes darunter. Neben ihrer Funktion bei der Vermeidung und Bekämpfung von Waldbränden werden sie zum Beispiel auch für Fotoaufnahmen bei Hochwasser oder zur Lokalisierung von Borkenkäfern eingesetzt.