Rettung Höhlenrettung BaWü übt im Blauhöhlensystem

Auch für geübte Retter eine besondere Situation: Bootsfahrt mit Patientin im „Äonendom“ der Blautopfhöhle.
Auch für geübte Retter eine besondere Situation: Bootsfahrt mit Patientin im „Äonendom“ der Blautopfhöhle. © Foto: Andreas Kücha
Blaubeuren / Joachim Striebel 15.06.2018
Die Höhlenrettung Baden-Württemberg hat im Blauhöhlensystem die medizinische Versorgung und den Transport geübt.

Matthias Leyk bricht sich in einer Riesenhöhle in Frankreich fünf Kilometer vom Eingang entfernt einen Knöchel. In einer 24-stündigen Aktion wird er von französischen Spezialisten gerettet. „Das waren 16 Stunden Transportzeit auf der Trage“, sagt er. Seither kennt der Tübinger beide Perspektiven der Höhlenrettung: die des Retters und die des Verletzten. Schon vor diesem Unfall 1991 war er Mitglied der Höhlenrettung Baden-Württemberg. „Danach bin ich mit allem, was ich sage, noch glaubwürdiger geworden“, sagt Leyk. Bei einer großen Rettungsübung im Blauhöhlensystem war der 53-Jährige jetzt Einsatzleiter.

Szenario in Blaubeuren: Eine Forscherin erleidet in der Höhle eine Kniefraktur, 500 Meter vom Einstiegsschacht entfernt. Keine riesige Strecke. Auf die 25 Höhlenretter und die 15 ortskundigen Mitglieder der Forschungsgruppe „Arge Blautopf“ warten andere Herausforderungen. Sie müssen die Verletzte vorsichtig durch eine Engstelle bugsieren und sie über drei Höhlenseen transportieren. Zum Schluss geht es durch einen senkrechten 18 Meter hoch ans Tageslicht. „Das ist keine Höhle wie jede andere“, warnt Leyk seine Leute bei der Einsatzbesprechung. Drei aufblasbare Kanus werden mit in die Tiefe genommen.

Bei der Höhlenrettung „kann man nicht sagen, jetzt kommt gleich der Hubschrauber“, sagt Axel Mahler, langjähriger Arzt der Höhlenrettung. Das Wichtigste sei, den Patienten transportfähig zu machen.

Zur Sicherheit mit Tauchern

Conny Straub, die in der Blautopfhöhle die Verletzte mimt, bleibt stets über Wasser. Die Retter legen sie auf der Trage schon vor dem ersten See aufs Kanu. Nach dem See wird die Trage durch ein Felstor getragen und auf das zweite Kanu gelegt, das wiederholt sich im dritten See, im „Mörikedom“. Immer sind genügend Helfer da, um das Boot festzuhalten.

Auf dem weiteren Weg nach draußen im Gang „Stairway to Heaven“ sieht das Drehbuch der Übung eine Unterbrechung vor. Um die schönen Tropfsteine und bizarren Kristalle nicht zu beschädigen, legen alle, auch die „Patientin“, eine Strecke im Gänsemarsch auf einem markierten Pfad zurück. Der Höhlenschutz müsse im 13,7 Kilometer langen Blauhöhlensystem streng beachtet werden, sagt Andreas Kücha, Projektleiter der „Arge Blautopf“.

Die Gruppe forscht seit mehr als 20 Jahren unfallfrei in der Blautopfhöhle. „Es ist wichtig zu wissen, dass es Spezialisten gibt, die eine Person von jeder Stelle der Höhle nach draußen bringen können“, sagt Kücha zur Aktion der Höhlenrettung. Im Ernstfall brauche es aber noch mehr Personal.

Die Höhlenrettung Baden-Württemberg zählt 150 aktive Mitglieder. Jeder Retter hat seine persönliche Ausrüstung zu Hause. Depots mit Rettungsmitteln sind bei der Berufsfeuerwehr in Reutlingen und im Stützpunkt der Bergwacht Stuttgart in Schopfloch eingerichtet. Das Material reicht vom medizinischen Equipment bis zum Höhlentelefon. Die Retter legten bei der Übung ein Kabel bis zum Mörikedom.

Nach fünfeinhalb Stunden erblickt die in die Trage geschnürte, lehmverschmierte Conny Straub wieder das Tageslicht. Fazit des Einsatzleiters Leyk: „Es lief alles einwandfrei.“ „Patientin“ Conny Straub: „Man fühlt sich da schon hilflos. Aber ich wurde gut betreut. Kompliment an das Team.“

Gesetzliche Grundlage für Rechnungen fehlt

Spender Die Dienste der Höhlenrettung sind im Landes-Rettungsdienstgesetz nicht erfasst. Wie Matthias Leyk von der Höhlenrettung Baden-Württemberg, berichtet, erlaubt sich seine Organisation dennoch, Rechnungen zu verschicken. Manche seien mit „hämischen Kommentaren“ zurückgekommen. „Wir haben aber auch Fälle, da zeigten sich die Leute sehr glücklich und sind zu regelmäßigen Spendern geworden.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel