Bürgermeisterwahl Erbach Forum: Kandidaten werden mit Fragen gelöchert

Volles Haus beim Forum zur Bürgermeisterwahl im Erbacher Silchersaal (von links): Redakteurin Petra Laible, Amtsinhaber Achim Gaus, Herausforderer Wolfgang Schrade und Michael Janjanin, Leiter der Regionalredaktion.
Volles Haus beim Forum zur Bürgermeisterwahl im Erbacher Silchersaal (von links): Redakteurin Petra Laible, Amtsinhaber Achim Gaus, Herausforderer Wolfgang Schrade und Michael Janjanin, Leiter der Regionalredaktion. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Erbach / Franz Glogger 01.10.2018

Wiesn oder Wasen? Metallica oder Philharmoniker? AC/DC oder Lothar Späth im Jugendzimmer? Jenseits der lockeren Runde gab es in Erbach gestern Abend noch einige Fragen zu beantworten: Nach der sehr gut besuchten offiziellen Vorstellung der Bewerber um den Stuhl des Erbacher Bürgermeisters von vor zwei Wochen sowie etlichen Solo-Terminen in den Teilorten zieht die Erbacher Bürgermeisterwahl noch immer: Als gestern Nachmittag die SÜDWEST PRESSE zum Wahlforum rief, war der Silchersaal restlos gefüllt. Gut 120 Besucher wollten hören, wie sich Bürgermeister Achim Gaus und sein Herausforderer Wolfgang Schrade im Gespräch mit den Redakteuren Petra Laible und Michael Janjanin schlugen. Etliche hatten auch eigene Fragen parat

Da am Stadtgeschehen in den vergangenen acht Jahren direkt beteiligt, galten viele Fragen in erster Linie Amtsinhaber Gaus. Wie zum Beispiel die Feststellung „Fehlanzeige“ von Wolfgang Schüle, der ausreichend Wege und Schutzstreifen für Radfahrer vermisst. Was getan werde, hakte er nach. Gaus verwies auf das Verkehrswege-Konzept der Kommune, das im Übrigen in einer „Bürgerwerkstatt“ mitentwickelt worden sei. Mehr als 100 Punkte seien danach zu verbessern. Bei einigen sei man dabei, andere, wie die Querungshilfe in der Erlenbachstraße, müssten mit anderen Partnern abgestimmt werden, einige wiederum kämen aufgrund rechtlicher Vorgaben nicht in Frage. So sei zum Beispiel für Schutzstreifen eine Mindestbreite der Straße vorgeschrieben.

Bei letzteren sind sich beide Kandidaten einig, dass sie nicht das Allheilmittel seien. Ihre Sicherheit hänge davon ab, wie sich Autolenker mit Radfahrern arrangieren, sagte Schrade. Sicherer sei es, auf Nebenstrecken auszuweichen, das mache er selbst als Radfahrer auch. Allerdings könne die Kommune mehr für Radwege tun, indem das vorhandene Netz gepflegt und sukzessive erweitert werde.

Am Deutlichsten sichtbar wurden die kontroversen Positionen von Amtsinhaber und Herausforderer beim Blick auf die Entwicklung der Stadt und dem Verhältnis zwischen Haupt- und Teilorten. Mit der Erschließung von 180 Bauplätzen in seiner Amtszeit habe Erbach eine gute Entwicklung genommen und das Verhältnis zu den Teilorten sei „so gut wie wohl noch nie“, sagte Gaus. Diese Aussage bezeichnete Schrade als „gewagt“, denn immer wieder vernehme er Klagen, „in Erbach“ nicht richtig gehört zu werden. Auch die Bauland-Bilanz sei so gut nicht, wenn auch jüngst in allen Teilorten Flächen erworben wurden. Diese wie andere zuletzt vom Rathaus vermeldeten Erfolge wie Zuschuss fürs Internet und Großvorhaben der Donau-Iller-Bank rieb Schrade Gaus gehörig unter die Nase.

Auffallend viel Erfolge

Er frage sich schon, warum gerade im Wahljahr solche Erfolge „sprießen“ und gab spitz die Antwort selbst. Er sei in seinem Beruf gewohnt, pro Quartal gemessen zu werden, „und nicht nach sieben Jahren“. Mit dem Hinweis, dass der Einfluss einer Kommune auf solche Ergebnisse oft beschränkt sei und sie anzunehmen sind, „wenn sie halt da sind“, war der Bürgermeister bereits zuvor darauf eingegangen.

Bei einigen Themen wiederum waren die beiden Bewerber wieder auf einer Linie. Zum Beispiel bei der Frage eines Besuchers, wie die Abschaffung der Unechten Teilortswahl gelingen könne? Dieses „Sprachrohr“ dürfe den Teilorten nicht genommen werden, meinte Schrade. „Wenn überhaupt“, dann solle darüber in den Ortschaften diskutiert werden, denn er habe es „nicht als mein Thema ausgemacht“, sagte Gaus.

Nicht spurlos ist an ihm der oft wiederholte Vorwurf, nicht besonders kommunikationsfreudig zu sein, vorübergegangen: Gaus sagte, er plane einige andere Formen der Sprechstunde, „wie ein rotes Sofa zum Beispiel“. Schrade sieht im „Dialog seine besondere Stärke, die er „mit allen Bürgern in allen Ortsteilen“ intensiv pflegen will.

In ihren Schlussworten wiesen die beiden Bewerber nochmals auf ihre Stärken und Vorhaben hin und wünschten gemeinsam, dass am kommenden Sonntag, 7. Oktober, möglichst viele von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

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Zur Person

Achim Gaus „Ich bin mit ganzem Herzen hier in Erbach Bürgermeister.“ Er habe sich in den vergangenen acht Jahren mit voller Kraft eingesetzt. Erbach sei eine „prosperierende Stadt“, sagt der 46-jährige Verwaltungs- und Betriebswirt. Der Familienvater untermauert das mit wachsenden Einwohner- und Geburtenzahlen, Investitionen von über 50 Millionen Euro, darunter in den Ausbau der Kinderbetreuung. Eines der nächsten Großprojekte: eine Dreifeldsporthalle. Ende 2019 stehe die Stadt ohne Schulden da. 180 Bauplätze wurden vergeben, in allen Stadtteilen entstünden Wohnbauflächen. In den nächsten Jahren würden über 10 000 Quadratmeter Innenstadt neu geordnet und bebaut. Er verspricht eine Breitbandversorgung in allen Stadtteilen in den nächsten zwei Jahren.

Wolfgang Schrade Als „ein Mensch aus Eurer Mitte“ stellt sich der 48-jährige Familienvater aus Erbach vor. Es sei sein tägliches Brot, Wünsche und Probleme von Kunden anzunehmen, sagt der Speditionskaufmann. „Ich denke nicht in Problemen, ich denke in Lösungen.“ Er sei im Vereinsleben engagiert, in Ersingen und Erbach. Warum er sich bewirbt? Es würden zunehmend kommunalpolitische Quereinsteiger aus der Wirtschaft in dieses Amt gewählt. Er sei bereit, mit allen Bürgern in Dialog zu treten, über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen; er werde aktiv über das Geschehen in der Stadt informieren, das Gemeinschaftsgefühl aller Ortsteile in Erbach stärken, Vereine und Ehrenamt unterstützen. „Es muss eine Alternative am 7. Oktober geben“, sagt Schrade zur Wahl.  lai

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