Kammermusik Kammermusik

Das tschechische Olmütz-Ensemble besteht aus lauter Instrumental-Akrobaten.
Das tschechische Olmütz-Ensemble besteht aus lauter Instrumental-Akrobaten. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Westerheim/Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 17.07.2018

Wenn das Olmütz-Ensemble in der „Stunde der Kammermusik“ musiziert, bekommt das Publikum keine Blasmusik aus dem Land der Böhmen und Mähren serviert, sondern musikalische Folklore aus der Walachei, aus Südmähren. Und insbesondere slawische und slowakische Volksmusik mit einem Schwung purer Lebensfreude reißt die Zuhörer mit. So war es auch beim zweiten Auftritt dieses Ensembles, dieses Mal in der Westerheimer St. Stephanuskirche.

Der Duktus beschwingter Lieder zeigte sich im sich wiederholenden Rundtanz der Polka, in der hüpfenden Mazurka. Und auch im tänzerischen Dreivierteltakt, mit der Betonung auf dem ersten kurzen Ton, nicht wie in unserer Musik gewohnt, wo der erste Ton der lange ist. Die vielfach fröhlichen Melodien ließen Bilder vom waldreichen Mittelgebirge Tschechiens mit zerklüfteten Felsmassiven entstehen. Wenn südmährische Lieder erklangen, sah man das mährische Hügelland mit seinen vielen Ebenen vor sich. Olmütz, die sechstgrößte Stadt Tschechiens, liegt im östlichen Teil der Republik nahe der Grenze zur Slowakei. Die slowakische Musik mögen sie besonders gerne, erklärte Geigerin Zuzana Loutocká, die Moderatorin des Vormittags.

Obwohl das Ensemble gehandicapt war durch einen Ausfall –  die Flötistin ist schwanger und Ensembleleiter und erster Geiger Martin Zatloukal musste nach einer kürzlich erfolgten Schulteroperation sein Instrument an die Brust klemmen – musizierte das Quintett mit mitreißender Freude an seiner Musik und äußerst virtuos. Selten erlebt man Volksmusik auf so hohem Niveau. Das ist sicher auch der großen Beliebtheit dieser Musik in Tschechien geschuldet, wo jährlich zigfach Folklorefestivals stattfinden.

Nicht nur, dass der erste Geiger, trotz seines Handicaps, im rasanten Tempo den Teufelsgeiger durchblitzen ließ, auch der Zymbalspieler zeichnete mit seinen unglaublich schnell geschlagenen Klöppeln, optische Strichmuster in die Luft und zauberte mit dem warmen Klang dieser Form der Kastenzither heißblütige Melodien in den kühlen Kirchenraum.

Lieder von der Liebe

Dass nahezu alle Lieder von der Liebe handeln, erstaunte nicht wirklich, anders die Tatsache, dass es vielfach Burschen- oder Mädchentänze sind, die da gesungen wurden. Sängerin Hanna Vingralkova umschmeichelte mit ihrer warmen Stimme die Zuhörer und nicht selten ließ der sich fünfstimmig auffächernde Gesang Gänsehaut aufkommen.

Jubelnder Applaus für das Olmütz-Ensemble für eine Musik, bei der man sich zweifellos die Sohlen heiß tanzen könnte, war verdienter Lohn für den Auftritt.

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