Kässbohrer Kässbohrer: Ludwig Merckle drängt Kleinaktionäre raus

Ohne Minderheitsaktionäre wird der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer flexibler - so lautet eines der Argumente für den zwangsweisen Ausschluss.
Ohne Minderheitsaktionäre wird der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer flexibler - so lautet eines der Argumente für den zwangsweisen Ausschluss. © Foto: Kässbohrer
REGINA FRANK 29.08.2015
Der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer hat bald nur noch einen Eigentümer: Ludwig Merckle. Eine außerordentliche Hauptversammlung wird den wegweisenden Beschluss fassen. Der Termin steht jetzt fest.

In vier Wochen steht für die Kleinaktionäre von Kässbohrer ein bitterer Tag an: Ludwig Merckle, der inzwischen 95 Prozent der Aktion hält, will sie aus dem Unternehmen drängen. Am 24. September wird in einer außerordentlichen Hauptversammlung über den zwangsweisen Ausschluss der Minderheitsaktionäre (im Fachjargon: Squeeze-out, engl. für "Ausquetschen") Beschluss gefasst.

Das Prozedere ist nicht aufzuhalten, sagt Dr. Daniel Jenderek von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Es ist vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet und politisch gewollt." Wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, können Kleinaktionäre nichts gegen den Squeeze-out als solchen unternehmen. Für sie kann es dann nur darum gehen, ob die Abfindung korrekt berechnet ist.

Im Fall des Laupheimer Pistenbully-Herstellers sind wohl einige hundert Aktionäre betroffen; die genaue Zahl ist nicht bekannt, es gibt kein Register, das sie erfassen würde. Die Minderheitsaktionäre sollen eine Barabfindung in Höhe von 55,13 Euro je Kässbohrer-Aktie erhalten. Ein vom Landgericht Stuttgart bestellter Prüfer habe die Barabfindung als angemessen bestätigt, heißt es in einer Mitteilung der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Die Kleinanleger halten insgesamt 251.000 Aktien.

Obwohl es keine Verpflichtung dazu gibt, werden die Gründe für den Squeeze-out dargelegt. Es geht um Einsparungen und mehr Flexibilität: Nach dem Ausscheiden der Minderheitsaktionäre muss keine aufwändige Hauptversammlung mehr organisiert werden. Kapitalerhöhungen können einfacher herbeigeführt werden, so kann das Unternehmen auf Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schneller reagieren. Und der Konkurrenz wird der Zugang zu betriebswirtschaftlichen Daten von Kässbohrer erschwert.

Bleibt der Umstand, dass der Squeeze-out überraschend kommt. Noch im März verneinte Merckle die Frage, ob er die Kleinaktionäre hinausdrängen möchte. Das sei "derzeit nicht geplant". Aktionärsvertreter Jenderek, der wie schon seine Vorgänger in den Jahren zuvor in der Hauptversammlung nachgefragt hatte, schloss aus Merckles Antwort, "dass es tatsächlich kein Thema ist". Aus der Presseabteilung der AG heißt es nun: "Das ist Interpretationssache." Merckle wollte keine Stellungnahme abgeben.