Weidach Jodeln ohne Lederhose

Weidach / AMREI GROSS 16.09.2015
Einst Verständigung von Alm zu Alm, heute Labsal für Geist und Seele: Jodeln macht glücklich, sagt Cordula Hermenau. Die Sängerin und Liedermacherin war zu Gast in Weidach. Ein Besuch beim Jodelkurs.

Hu-huuu. Hu-huuu. A-huuuuuu. Käuzchen im nachmittäglichen Weidacher Wald? Wölfe auf der Pirsch im kleinen Lautertal? Weit gefehlt. Was am Wochenende vielstimmig durch die Stille zwi-schen Wachholderheiden und Buchenwald schallte, waren Laute menschlichen Ursprungs. Im Rahmen des "Liederfests im Spatzennest" der Naturfreunde Ulm und des Blaubeurer Kleinkunst-Cafés "Zum fröhlichen Nix" lud Sängerin und Liedermacherin Cordula Hermenau aus Mössingen zwei Mal zum Jodel-Workshop ins Weidacher Naturfreundehaus ein. Zum Warmwerden gab sie gemeinsam mit ihren Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern das Käuzchen und den Wolf ("Wolfsheulen ist ein natürlicher Jodler"), kreischte mit hoher Kopfstimme und grölte mit tiefer Bruststimme wie ein betrunkener Seemann: Ho! Hohoho! Hey!

"Jodeln macht einfach Spaß", sagt die gebürtige Bayerin, die die alpenländische Kunst vor Jahren von einem Schweizer erlernte. Es sei niemals leise, tue gut, heile die Seele, befreie, belebe und gebe Kraft. "Jodeln ist eine ganz eigene Art zu singen." Wer jodle, erfahre seine Stimme auf eine neue Weise. Denn der typische "Schnackler", der hörbare Übergang von der Brust- zur Kopfstimme, komme in keiner anderen Gesangsart vor. Schwer zu erlernen sei das Jodeln dennoch nicht. "Jeder, der sprechen kann, kann auch jodeln", davon ist Hermenau überzeugt.

Die rund zwei Dutzend Teilnehmer ihrer beiden Workshops erzielten jedenfalls schnell erste Erfolge: Auf das Einsingen folgten jodeltypische Lautsilben; innerhalb kürzester Zeit erklang der erste echte Jodler: He-i, ho-u, ritiri, he-i, ho-u, ritiri. Zunächst ein-, dann mehrstimmig wagten sich die Jodelschüler unter der fachkundigen Anleitung Hermenaus bald an neue Herausforderungen. Nach nur 20 Minuten Kurszeit erschallte harmonisch und wohlklingend der "Gröbminger Labhaiger", in vergangener Zeit die melodiegewordene Information von Alm zu Alm über eine anstehende Käsezubereitung. "Die klassischen Jodler sind sehr langgezogen", erklärt Hermenau. Besonders schön klängen sie, wenn die den Jodelnden umgebende Landschaft ein Echo zulasse. Alpen brauche man dazu nicht zwingend. "Hier ist der Widerhall natürlich besonders schön." Aber auch der Weidacher Wald sei bei genauem Hinhören durchaus geeignet. "Er mag allerdings lieber die tiefen Töne", hat die Fachfrau festgestellt. Sie werfe er, anders als hohe Klänge, tatsächlich leise zurück. Für die Jodelschüler ein einzigartiges Erlebnis. Nach nur wenigen Kursminuten sangen sie aus vollem Herzen und voller Kehle und strahlten dabei über das ganze Gesicht. Für Cordula Hermenau keine Überraschung: "Jodeln macht glücklich", sagt sie. Und spricht dabei vom klassischen Jodeln, wie es die Hirten und Sennen einst als Kommunikationsform in und mit den Bergen kannten.

"Schlagerjodeln gibt es bei mir nicht". Der klassische Jodler brauche kein Bier, keine Weißwurst, kein Dirndl und keine Lederhosen, sondern einzig und allein die Urkraft harmonischer Dreiklänge. Ihr Tipp in bestem Bairisch: "Oafach auf's Bergal auffi und abigjodlt!" - rauf auf den Berg und losgejodelt. Da spüre man seine Wurzeln. Magische Momente garantiert.

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