Laichingen Italienische Leichtigkeit

Musikalisches "Souvenir de Florence": Sinnlich und technisch versiert spielte das Streichsextett bei der Stunde der Kammermusik.
Musikalisches "Souvenir de Florence": Sinnlich und technisch versiert spielte das Streichsextett bei der Stunde der Kammermusik. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
SABINE GRASER-KÜHNLE 23.02.2016
Mit dem Tschaikowsky-Streichsextett "Souvenir de Florence" gastierten sechs Musiker und Moderator Felix Heller in der Laichinger Stunde der Kammermusik. Eine Matinee mit musikalischer Strahlkraft.

Der russische Komponist Peter Tschaikowsky (1840 bis 1893) hat nur ein einziges Werk für ein Streichersextett geschrieben: das Opus 70 in d-Moll. Mit diesem Stück touren die Violinisten Benedetta Costantini Betz und Hans Martin Gündner, die Viola-Spieler Burkhard Zeh und Gesine Bechtloff sowie die Cellisten Walter Ziegler und Susanne Reikow durchs Land. Mit von der Partie: Moderator Felix Heller, der eine ganz bestimmte Aufgabe hat. Mit Gedichten deutscher Lyriker stimmte er bei der Laichinger Stunde der Kammermusik auf die vier Sätze dieses Opus ein.

Gut gewählt waren die Lyriker wie Goethe, Eugen Roth oder Hermann Hesse. Und wunderbar passend, teils mit humoriger Note, die ausgesuchten Gedichte, die von Italien erzählten. Denn der russische Komponist hatte sich während seiner Zeit in Italien für dieses Werk inspirieren lassen. So war es kaum erstaunlich, in diesem "Souvenir de Florence" italienische Leichtigkeit und zugleich russische Schwermut wiederzufinden. Die sechs Musiker haben diesen musikalischen Bilderbogen von Florenz außerordentlich sinnlich, technisch versiert und im stimmigen Zusammenspiel dargeboten. Im sensiblen Spiel mit Laut und Leise, mit spannungsvollem Innehalten, Akzente setzenden Ritardandi sowie dem Auskosten süßer Töne im Rubinato machte das Zuhören ausgesprochen gute Laune.

Wie die verwinkelten Gassen und breiten Straßen verwoben kam der erste Satz daher. Hinter quirligen, kontrapunktischen Läufen lauerte manch musikalische Überraschung, etwa ein heiteres Motiv. Gerade so, als spaziere man nachts durch Florenz. In elegischen Passagen, einem sanften Auf und Ab, sowie einem munteren Duett von Solo-Geige und Celli brillierten die Streicher im zweiten Satz. Es war, als wollte Tschaikowsky mit nahezu majestätischen Klängen den Monumenten und Kunstdenkmälern dieser Stadt Ehrfurcht erweisen. Fröhliche Punktierungen einer leichthändigen Polka leiteten den dritten Satz ein, in dem immer wieder pulsierendes Leben und ein typisch italienisches Merkmal, ein ausdrucksstarkes Lamentieren, im Vordergrund standen.

Das finale Allegro Vivace fasste in einer Fuge noch einmal alles zusammen: das pralle Leben, die schwere Süße der mediterranen Flora und die satten Farben im weichen Sonnenlicht. Mit einem liedhaften Thema, von den Musikern fein interpretiert, setzte Tschaikowsky eine Art Hymne ans Ende dieses farbenprächtigen Werkes.