Schon seit Jahren kämpfen der Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schmid und die "Bürger gegen Fluglärm" um die Informationshoheit. BI-Sprecher Dieter Buchberger, ÖDP-Stadtrat in Memmingen und Professor der Fakultät Produktionstechnik und Produktionswirtschaft an der Hochschule Ulm, spricht dem Flughafen jegliche wirtschaftliche Chance ab. "Seit zehn Jahren wird der Bevölkerung ganz massiv Sand in die Augen gestreut und auch der Staatsregierung", sagt er.

Durch die 2013 entdeckten Altlasten, krebserregende Perfluorierte Tenside (PFT), und die dafür eigentlich vorgeschriebenen Sanierungsrückstellungen in der Bilanz sei der Airport "schon überschuldet", kritisiert Buchberger. Die Zahl der Flugbewegungen, die vom Memminger Flughafen kommuniziert wird, sei "gefaked", was auch die Erhebungen des Luftamts Südbayern nahelegten. Der Flughafengegner ist deshalb überzeugt: "Das hat doch alles System. Mit kaufmännischer Vorsicht ist die Geschäftsführung jedenfalls nicht unterwegs."

"Das ist doch eine Riesensauerei. Obwohl wir hier sehr gute Arbeit machen, werde ich seit Jahren persönlich diffamiert", schimpft Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid. "Ein paar Stinkstiefel" versuchten dem Flughafen ein Negativ-Image zu verpassen. Der Airport sei nicht überschuldet. Rückstellungen für etwaige Kosten einer Altlasten-Beseitigung seien laut Wirtschaftsprüfer noch nicht notwendig. "Derzeit will ja auch keiner Geld von uns." Und sein Unternehmen stehe gerade auch im Vergleich mit anderen Regionalflughäfen auf solider Basis.

Die scharfen Töne zwischen Buchberger und Schmid erklären sich dadurch, dass in Memmingerberg in den nächsten Monaten eine neue Finanzierungsrunde ansteht. Der Flughafen soll ausgebaut, die Start- und Landebahn des ehemaligen Fliegerhorsts von 30 Metern Breite auf die europäische Standardbreite von 45 Metern ausgebaut werden. "Das ist wichtig für uns, denn die schmale Piste ist ein Akquisitions-Hindernis", sagt Schmid. Die Piloten der großen Airliner, beispielsweise des Hauptkunden Ryanair, brauchen derzeit eine spezielle Unterweisung, um am Allgäu-Airport landen und starten zu dürfen.

Für den Flughafen-Ausbau, geplant ist laut Airport ein Investitionsvolumen von 15,5 Millionen Euro, hat Schmid zwar eine (aus Brüssel genehmigte) Zuschusszusage des Freistaats von 50 Prozent. Wie die nötigen Komplementärmitteln in Höhe von 7,75 Millionen Euro aufgebracht werden sollen, ist jedoch nicht klar. Zudem wartet Schmid auf einen Verhandlungstermin vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München, wo über Klagen der "Bürger gegen Fluglärm" und zwei an den Airport angrenzender Kommunen entschieden werden soll. "Wir wissen deshalb nicht, wann wir beginnen können", sagt Schmid.

In der Zwischenzeit ringt das Flughafen-Management um die Beteiligung neuer Gesellschafter und um entsprechende Zuschläge der bisherigen Airport-Eigner. Der 2007 in Betrieb gegangene Flughafen wird von 73 Gesellschaftern getragen, die insgesamt 18 Millionen Euro aufbrachten. Mehr als 90 Prozent der Geldgeber sind Privatleute und -unternehmen. Gerade mal sieben Prozent des Kapitals bringt die öffentliche Hand auf - darunter der Landkreis Neu-Ulm (100.000 Euro).

"Wir rechnen uns gute Chancen auf neues Geld aus", resümiert Geschäftsführer Schmid, dessen Airport für 2013 ein Defizit von 1,6 Millionen Euro und einen Schuldenstand von rund 12,5 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Dabei hofft Schmid in erster Linie auf einen finanziellen Einstieg des Freistaats, der sich mittelbar über den Flughafen München in Memmingen beteiligen will. Wie das klappen soll, ohne mit EU-Recht in Konflikt zu geraten, ist offenbar noch unklar. Doch der Memminger CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Holetschek teilte jüngst mit: "Der Freistaat hat ein hohes Interesse, zu einer guten Lösung zu kommen."

Um zusätzliches Geld der Kommunen und Landkreise kümmert sich derweil einer, der von Anfang an an der Seite des Flughafens unterwegs war: Gebhard Kaiser, Ex-Landrat des Oberallgäus. Etwa sechs Millionen Euro will er vorerst einwerben. Geld, das der regionale Beitrag für den 15,5 Millionen Euro teuren Ausbau der Startbahn sein soll, und für die "fünf Millionen", die Kaiser fürs Drumrum (Kanalsanierung, Fernwärme) ausgeben will. "Wir sind aber noch nicht ganz so weit", sagt er. Noch arbeitet Kaiser am Konzept und sieht die finanzielle Zukunft weniger auf dem Flugfeld als auf den Grundstücken um den Airport herum. Ein interkommunales Gewerbegebiet könnte die Werthaltigkeit der kommunalen Einlagen sichern. "Für mich ist das also auch ein Thema der Gewerbeentwicklung und eine Solidaritätsaufgabe für das gesamte Allgäu", sagt der Altlandrat. Und: "Ich bin da sehr zuversichtlich."

Dieser Optimismus des Akquisiteurs klingt in den Ohren Dieter Buchbergers zynisch. Denn seine "Bürger gegen Fluglärm" sind davon überzeugt, dass die aufgerufene Investitionssumme von 15,5 Millionen Euro "ein schlechter Witz" ist. "Für einen Umbau im laufenden Betrieb, wie das in Memmingen nötig ist, reicht das Geld nie", sagt Buchberger und beruft sich dabei auf eine Expertise des Flughafen-Planers Dieter Faulenbach da Costa, der für die Arbeiten Kosten von etwa 40 Millionen annimmt. Buchberger: "Das passt ganz gut zu den Kosten, die für vergleichbare Arbeiten bei anderen Regionalflughäfen angefallen sind."

Der Flughafengegner unterstellt in Anbetracht dieser Kostendifferenz der Flughafen-Geschäftsführung auch an diesem Punkt unlautere Kommunikation. "Da wird versucht, dem Steuerzahler den Einstieg mit einer kleinen Summe schmackhaft zu machen, um dann hinterher die große Rechnung zu präsentieren. Dies finde ich unanständig!" Zwischen München, Stuttgart und Friedrichshafen brauche es keinen weiteren Flughafen, der mit Steuergeldern am Leben gehalten werden müsse.

Ralf Schmid spricht von einer "unerträglichen Strategie", mit der versucht werde, die Wirtschaftlichkeit des Airports und die Glaubwürdigkeit des Managements in Zweifel zu ziehen. Angefressen ist Schmid, selbst Flughafen-Gesellschafter, weil er weiß, dass die aktuell "vielschichtige Situation" des Airports ("Das ist mein Baby") die Suche nach Geldgebern nicht erleichtert.

Gerade im unmittelbaren Umfeld des Flughafens ist die polarisierende Wirkung der Debatten spürbar. So hat Hans-Joachim Weirather, der Landrat des Unterallgäus, schon angekündigt, dass er eine finanzielle Beteiligung seines Kreises am Flughafen einem Bürgerentscheid unterwerfen will. "Für mich ist es wichtig, die Entscheidung, die die Bürger vor zehn Jahren getroffen hatten, zu respektieren." Damals wurde auch per Plebiszit entschieden - gegen die finanzielle Beteiligung. Persönlich, kündigt Weirather an, könne er sich vorstellen, für eine Beteiligung zu werben: "Eine derartige Unterstützung setzt allerdings einen Wirtschaftsplan voraus, der die Zukunftsfähigkeit des Airports unterstreicht."

An einem solchen Gutachten arbeiten Gebhardt Kaiser und Ralf Schmid gerade zusammen mit Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern. Bis Sommer, meint Kaiser, könnte es vorliegen. Ralf Schmid will mit dieser Expertise seinen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen: "Wenn wir diesen Businessplan fertig haben, liegen alle nötigen Daten und Argumente auf dem Tisch, um die Politik zu überzeugen."

Die Geschichte des Allgäu-Airports

1935/1936 Der heutige Allgäu-Airport wird als militärischer Fliegerhorst Memmingerberg gebaut.

1944/1945 Mehrere schwere Bombenangriffe in den letzten beiden Kriegsjahren zerstören den Flughafen komplett.

1954/1955 Die Amerikaner als Besatzungsmacht erklären das Gelände des Fliegerhorstes zum Übungsplatz für militärische Flugzeuge. Der Wiederaufbau beginnt.

1959 Die Bundeswehr stationiert unter Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß das Jagdbombergeschwader 34 "Allgäu".

2001 Die Schließung des Militärflugplatzes wird beschlossen.

2002 Die Allgäu Airport GmbH & Co. KG wird gegründet, um eine zivile Nutzung des Militärflugplatzes nach dessen Schließung vorzubereiten.

2003/2004 Die Luftwaffe zieht ab, der Airport wird für die zivile Nutzung freigegeben.

2007 Der regelmäßige Passagierflugbetrieb beginnt.

Kommentar von Matthias Stelzer: Airport ist zum Erfolg verdammt

Die Liste der Negativbeispiele ist lang. Überall in Deutschland gibt es kleine Flughäfen, die einst als wichtiger Standortfaktor für die jeweilige Region abgehoben haben und inzwischen als Subventionsgrab gelandet sind. In Hahn, an den Flughäfen Kassel-Calden oder Karlsruhe/Baden-Baden, in Friedrichshafen, Hof oder Nürnberg - überall mussten die Steuerzahler schon kräftig Geld nachschießen. Die Destinationen der Billigflieger sind oft ein teures Pflaster für die Allgemeinheit.

Eine Tendenz, der sich auch der Allgäu-Airport nicht länger entziehen kann. Im Branchenvergleich muss sich der Memminger Flughafen mit seinen 12,5 Millionen Euro Schulden und der überwiegend privatwirtschaftlichen Finanzierung zwar derzeit nicht verstecken. Doch mit dem geplanten Ausbau, der mit neuen Gesellschaftereinlagen und Zuschüssen des Freistaats gestemmt werden soll, begibt sich der Allgäu-Airport an den Scheideweg.

Entscheiden sich der Freistaat und die Kommunen dazu, dem Airport mit zusätzlichen Kapitalspritzen zu einer breiten Landebahn zu verhelfen, verdammen sie ihn auch zu bedingungslosem Wachstum und Erfolg. Hopp oder top? Dann kommt nur noch Letzteres in Frage. Sonst müssen die Gesellschafter immer mehr Steuergeld in ihren kleinen Himmelsbahnhof pumpen.

Die Beweislast liegt beim Airport. Er muss in den kommenden Monaten in einem transparenten Verfahren und mit nachvollziehbaren, belastbaren Zahlen klarstellen, dass es für ihn eine wirtschaftliche Zukunft ohne ständigen Subventionsbedarf gibt. Nur dann darf es weitergehen. Die Hürde liegt also hoch. Zumal man im Allgäu augenscheinlich schon jetzt mehr auf die Gewerbeentwicklung als auf den Flugbetrieb setzen muss.