Pflege Intensive Betreuung von Demenzkranken in der Pflegeoase

Anstoßen auf eine Erfolgsgeschichte (v.l.): Schwester Josefine, die bei den ersten Überlegungen zur Pflegeoase kommissarisch die Theresia-Hecht-Stiftung führte, der Stiftungsvorsitzende Christoph Götz, Werner Willburger, bei der Stiftung für den Bau der Pflegeoase zuständig, Architekt Jochen Graf, Heimleiterin Claudia Stegmann-Schaffer und Dietenheims Bürgermeister Christopher Eh.
Anstoßen auf eine Erfolgsgeschichte (v.l.): Schwester Josefine, die bei den ersten Überlegungen zur Pflegeoase kommissarisch die Theresia-Hecht-Stiftung führte, der Stiftungsvorsitzende Christoph Götz, Werner Willburger, bei der Stiftung für den Bau der Pflegeoase zuständig, Architekt Jochen Graf, Heimleiterin Claudia Stegmann-Schaffer und Dietenheims Bürgermeister Christopher Eh. © Foto: Michael Seefelder
Von Michael Seefelder 09.07.2018

In einer Gesellschaft, die immer älter wird, steigt auch die Zahl der  Menschen, die an Demenz leiden. Schreitet die Krankheit voran, können die Betroffenen oft ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erkennen, nicht mehr selbstständig essen oder sie vergessen ihren Namen. Was nicht erlischt, ist die Fähigkeit, Gefühle wie Nähe und Zuneigung zu spüren.

Eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Fürsorge bekommen sechs Menschen mit stark ausgeprägter Demenz nun in der so genannten „Pflegeoase“ in Regglisweiler. Am Samstag wurde die neue Einrichtung im Pflegeheim Sankt Maria eingeweiht. Bei der feierlichen Eröffnung  machten sich zahlreiche Vertreter aus der Politik, von Kirchen und der Theresia-Hecht-Stiftung ein Bild vom Neubau. Die Räume seien hell, die Atmosphäre einladend, war der Tenor.

Es wurden viele Besonderheiten umgesetzt. Blaues Licht an der Decke fördert die Wachheit der Bewohner in den Morgenstunden, rötliches am Abend. Im hochmodernen Bad sorgen Infrarot-Strahler für wohlige Wärme, ein Duftströmer verbreitet angenehme Aromen. Und auch die Natur wird für die Bewohner, die in wenigen Wochen einziehen werden, erfahrbar sein: Mit dem Bett oder dem Rollstuhl können sie auf die Terrasse geschoben werden, direkt an den Waldrand in Regglisweiler.

Entzerrter Tagesablauf

Wie Heimleiterin Claudia Stegmann-Schaffer berichtet, werde zwölf Stunden am Tag eine Pflegekraft bei den Bewohnern sein, um jedem gezielt Zuwendung zu geben. In der restlichen Zeit sei eine Nachtwache für die Menschen da. Die Zeiträume, in denen die Bewohner wach seien, könnten so genutzt werden. Die Pflegeoase biete einen entzerrten Tagesablauf, beispielsweise ohne feste Essenszeiten. Die Idee, eine solche „Pflegeoase“ zu schaffen, kam von Heimleiterin Stegmann-Schaffer selbst. Ein Kollege aus Norddeutschland hatte das Konzept, das erstmals 1998 in Zürich umgesetzt wurde, auf einem Kongress vorgestellt und Stegmann-Schaffer war angetan. Die Genehmigung zu bekommen, sei indes nicht einfach gewesen. Denn von 2019 sind Einzelzimmer in der Pflege vorgeschrieben. In der Einrichtung schlafen und leben die sechs Bewohner jedoch zusammen, was laut Stegmann-Schaffer aber genau den Bedürfnissen von stark Dementen entspricht. Denn Privatsphäre bringe ihnen in diesem Stadium der Krankheit nichts mehr, sie sehnten sich vielmehr nach menschlichen Kontakten.

Christoph Götz, Vorsitzender der Theresia-Hecht-Stiftung, der Trägerin des Seniorenheims St. Maria, lobte die Hartnäckigkeit der Heimleiterin. „ Je länger man sich mit dem Konzept auseinandersetzt, desto überzeugender wird es“, sagte er. Generaloberin Schwester Angelika Hinderberger überreichte Stegmann-Schaffer im Namen der Schwesterngemeinschaft eine Ikone. Dietenheims Bürgermeister Christopher Eh freute sich, dass sich im Betreuungssystem der Stadt eine Lücke schließe. Der zuständige Architekt und Bauleiter Jochen Graf betonte, das Projekt Pflegeoase sei für ihn eine besondere Aufgabe gewesen, die viel Spaß gemacht habe. Zeit- und Kostenrahmen seien beim Bau eingehalten worden. Er hob außerdem die reibungslose Zusammenarbeit der beteiligten Handwerksbetriebe hervor. Als Vertreter der Kirche waren die Pfarrer Gerhard Bundschuh und Thomas Breitkreuz sowie der Hausgeistliche Kaplan Thomas de Beyer gekommen. Die Segnung der neuen Pflegeoase und Vorführungen der Kinder von der Jugendhilfe St. Fidelis aus Dürmentingen-Heudorf bildeten den Rahmen für die Eröffnungsfeier.

700 000 Euro Baukosten für 170 Quadrameter

Zahlen Die Pflegeoase umfasst eine Fläche von gut 170 Quadratmetern, die Baukosten beliefen sich auf 700000 Euro. Sie ist teil des Seniorenpflegeheims St. Maria, das vor über 20 Jahren von den Immakulataschwestern vom Kloster Brandenburg gebaut wurde. Seit 2006 ist die Theresia-Hecht-Stiftung und damit das Tochterunternehmen St.-Barbara-Altenhilfe GmbH Trägerin von St. Maria. Die Schwestern bleiben seelsorgerisch in der Einrichtung tätig.

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