Umweltschutz Intakte Moore schützen das Klima

Leipheim / Thomas Vogel 26.07.2018

Die Reaktivierung von Mooren könnte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies war die Hauptbotschaft einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Schwäbisches Donaumoos jüngst in Leipheim. Dort wurden zugleich Nutzungsalternativen für die heute noch weithin landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen in den Niedermoorgebieten vorgestellt.

Die 1991 gegründete Arge, zuständig für das Donauried zwischen Langenau und Gundelfingen, hat bereits zahlreiche Meriten im Naturschutz erworben, etwa bei der Wiederansiedlung von Großem Brachvogel und Bekassine. Doch der große Durchbruch steht aus. Lediglich auf 100 Hektar gelang seither die Wiedervernässung des Niedermoors, möglich wäre dies aber auf 10 000. „Wir stehen da noch ganz am Anfang“, sagt Arge-Geschäftsführer Ulrich Mäck. Eine ganze Reihe von Landwirten als Eigentümer der betroffenen Flächen wäre seiner Erfahrung nach zur Mitwirkung bereit. Aber ausgerechnet die derzeitige Gesetzeslage verhindere schnellere Schritte in Richtung Klimaschutz.

Dieser hängt bei Mooren vom Wasserstand ab. Das erörterte Professor Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: Ein zu großen Teilen entwässertes und damit trockengefallenes Moos – ein solches ist das Donaumoos – verliere jährlich zwei Zentimeter an Masse. Dabei entstünden beträchtliche Mengen an Treibhausgasen. Ein intaktes Moor dagegen binde eben diese Gase.

Ob als Grasland genutzt oder als Ackerfläche, mache dabei keinen großen Unterschied. Ist die Torfschicht weitgehend verschwunden, verwandle sich das Gebiet durch Bodenverdichtung in eine Seenplatte, und auch dann bildeten sich weiter große Mengen Methangas, erklärte Drösler. Um dem entgegenzuwirken, müsste das Niedermoor idealerweise bis wenige Handbreit unterhalb der Oberfläche wiedervernässt werden, durch einen sehr hohen Grundwasserstand.

Landwirte müssten umdenken

Dann aber müssten die Bauern für ihre Flächen dort komplett umdenken und auf so genannte „Paludi-Kulturen“ umstellen: auf Gräser wie Seggen oder auch Schilf. Rohrkolben statt Kartoffeln, holzige Stängel statt saftigem Viehfutter – dazu müssten sie neue, geeignete Maschinen anschaffen. Und die Landwirte bräuchten Planungssicherheit sowie Märkte für die Produkte, die beispielsweise zu Dämmmaterial verarbeitet oder als Zuschlagstoff in Biogasanlagen verwendet werden können.

Es gebe auch viele weitere „hohe Hürden“. Das verschwieg Susanna Abel vom Greifswald Moor-Zentrum nicht. „Was, wenn durch die Wiedervernässung ein schützenswertes Biotop entstünde?“ Die wohl höchste Hürde aber sei, dass die Gesetze noch nicht angepasst seien: „Denn Schilf gilt bislang nicht als landwirtschaftliches Produkt.“ Die Landwirte würden mit dem Anbau solcher Pflanzen nicht nur ihre Fördergelder verlieren, sondern liefen sogar Gefahr von Sanktionen, etwa wegen „unerlaubter“ Umwandlung von Grünland, gab Michael Wiedermann vom Bauernverband Günzburg zu bedenken.

Das führt laut Matthias Drösler dazu, dass derzeit die klimafeindliche Moorvernichtung subventioniert werde. Wären sämtliche deutschen Moore mit einer Fläche von 1,4 Millionen Hektar intakt, würden sie Treibhausgase binden, ließen sich seinen Angaben zufolge 3,6 Milliarden Euro einsparen. Als ebenso hoch werden die Schäden durch die Gase geschätzt, die durch trocken gelegte Moore entstehen.

Gleichwohl herrschte unter den Teilnehmern der Tagung vorsichtiger Optimismus. Matthias Drösler zum Beispiel verwies dabei auf die vom Pariser Klimaschutzabkommen abgeleiteten Klimaprogramme von Bund und Land: Ohne Einbeziehung der Moorgebiete und ihre Wiedervernässung ließen sich die darin festgelegten Klima-Ziele so gut wie sicher nicht erreichen.

Der Klimawandel

Treibhausgase Der Klimawandel ist längst im Gange. Um deutlich über einem Grad liege die winterliche Durchschnittstemperatur in Bayern über dem langjährigen Mittel, im April und Mai dieses Jahr gar um sechs Grad, sagte Matthias Drösler. Ziel des Pariser Klimaabkommens ist, den Anstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Dazu bedürfe es einer deutlichen Verringerung von Klimagasen. Bayern, sagte Drösler, wolle den Pro-Kopf-Wert von derzeit jährlich sechs Tonnen Kohlendioxid bis 2050 auf zwei Tonnen drücken.

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