Breitbandausbau Im Funkloch: Rechtenstein hat keinen Empfang

Rechtenstein / Rebecca Jacob 03.01.2018
Wenn Bürgermeisterin Romy Wurm im Rathaus mit ihrem Handy telefonieren will, muss sie sich auf den Balkon stellen. In Sachen Internet soll sich aber etwas tun.

Sanfte Hügel, ein stolzer Burgturm, friedlich plätschern Braunsel und Donau – das Dörfchen Rechtenstein im Alb-Donau-Kreis bietet schönste Land-Idylle. Zwei Dinge plagen die knapp 300 Einwohner jedoch: Die langsame Internetverbindung und der miserable Handyempfang.

Bürgermeisterin Romy Wurm muss ihr Mobiltelefon auf den Fenstersims legen, wenn sie SMS empfangen will. Möchte sie im Rathaus mal mit dem Handy telefonieren, muss sie sich ans Fenster oder auf den kleinen Balkon stellen: „Aber ich kann ja nicht ständig auf dem Balkon stehen und ins Tal schreien – wahrscheinlich müsste ich einfach mal den Anbieter wechseln“.

Dem langsamen Internet hingegen will die Bürgermeisterin zu Leibe rücken, denn die Zustände sind denkbar schlecht: Mit mageren 6 Megabit pro Sekunde Download-Geschwindigkeit müssen sich die Anwohner zufrieden geben, Standard sind heutzutage mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung, denn Romy Wurm hat große Pläne. In Zusammenarbeit mit der Firma Geo Data soll Rechtenstein endlich schnelle Internet-Zugänge bekommen. Der Spezialist für Breitbandausbau aus Westhausen (Ostalbkreis) hat schon alles bis ins Detail geplant. „Wir haben bereits die Standorte für den FTTB-Ausbau festgelegt und alle Anträge für Fördermittel gestellt“, sagt Romy Wurm. FTTB steht für „Fibre to the building“ (Glasfaser bis zum Gebäude) und bedeutet, dass die Glasfaserkabel bis in die Häuser hinein reichen, in dem der Kunde seinen Anschluss hat. Innerhalb der Gebäude wird dann die vorhandene Kupferverkabelung verwendet, um bis in die Wohnungen zum Kundenanschluss zu kommen.

Rund 650.000 Euro veranschlagt Wurm für das Projekt, 410.000 Euro kommen vom Land, 150.000 Euro aus dem sogenannten Ausgleichstock, einem Förderprogramm zur „Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden“ des Regierungspräsidiums Tübingen. Die übrigen 90.000 Euro bezahlt die Gemeinde aus eigener Tasche und muss dafür wohl erstmals seit 17 Jahren wieder Schulden machen. Im Frühling sollen die Bauarbeiten beginnen. Zeit wird es, betont Romy Wurm: „Junge Leute verlassen den Ort, wenn es kein schnelles Internet gibt. Und wir haben hier viele Gewerbetreibende, die dürfen nicht unterversorgt sein.“

Auch für junge Familien soll der Ort attraktiver werden, Arbeit im Home-Office sei heutzutage selbstverständlich und müsse problemlos möglich sein. Mit dem schlechten Handyempfang werden die Rechtensteiner jedoch weiterhin leben müssen – oder wieder ganz altmodisch Briefe schreiben und, ganz abenteuerlich, ihre Gesprächspartner persönlich aufsuchen.

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Serie Funklöcher, Internet- und Telefonausfälle: In den kleinen Orten in der Region kommt das nicht selten vor. Wir sammeln die kuriosesten Geschichten zum Thema Internet-Ausbau und Mobilfunknetz und veröffentlichen sie in den kommenden Wochen in unserer Serie „Im Funkloch“.

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