Ballonfahrt In aller Ruhe dahingleiten

Langenau / Barbara Hinzpeter 30.08.2018

Golden geht die Sonne hinterm Großen Forst bei Elchingen auf. Nur eine Spaziergängerin mit Hund ist in der Ferne zu sehen, sonst ist um diese Zeit am Sonntagmorgen   niemand auf den Feldern bei Seligweiler unterwegs. Abgesehen von den zwölf Passagieren, die zusammen mit dem Ballonteam um Pilot Thomas Grüter das Luftfahrzeug für den Start vorbereiten – oder alles mit Handy und Kamera dokumentieren. Schon das ist spektakulär: Ventilatoren blasen Luft in die etwa 40 Meter lange Hülle, die allmählich Form annimmt.

 Nach einer kurzen Vorstellungsrunde hatte sich die kleine Gruppe um 6 Uhr auf den Weg gemacht zur Startwiese und schon mal gelernt: Ballonfahrer verstehen sich als Team und duzen sich. Der Wind wehe aus Nord-Nord-West, informiert Grüter. „Wir werden also mit etwa zehn Stundenkilometern Richtung Nersingen fahren.“ Genau sagen könne man das aber nicht. Und damit soll er Recht behalten. Kaum ist der Riese abgehoben, schwebt er nicht nach Südosten, sondern Richtung Südwesten – übers Örlinger Tal geradewegs auf Ulm zu.

Langsam, ganz langsam nähert sich der Ballon dem Ulmer Münster. Dieses allmähliche „Heranzoomen“ ist es, was Andreas aus Unterkirchberg besonders fasziniert. Er hat die Fahrt zu Weihnachten bekommen und tritt sie alleine an. Die meisten Passagiere heben paarweise und aus Anlass eines runden oder sonstigen besonderen Geburtstags ab. So sind an diesem Morgen Jubilare vertreten, die ihren 30., 40., 50. und 60. Geburtstag nachfeiern, sowie der 21-jährige Kai und seine Freundin Anna, die zur Feier ihrer Volljährigkeit in die Luft gehen darf.

Die Atmosphäre im Korb wird immer entspannter. Ramona, die etwas skeptisch eingestiegen war, wird zunehmend ruhiger. „Höhenangst kommt im Ballon nicht auf“, versichert der Pilot. Romantische Gefühle aber schon. Deshalb würden bei der Fahrt gerne Heiratsanträge gemacht, sagt Grüter. Der gebürtige Oldenburger war Fluglehrer für Ultraleichtflieger, als ihm sein damaliger Kompagnon begeistert von einer Reise in der  Montgolfiere erzählt habe. „Er hat gesagt, wir müssten nun Ballonfahrer werden.“ Mittlerweile hat der 52-Jährige mehr als 3500 Fahrten hinter sich. 2001 ist er in den Süden gezogen – wegen der besseren Windverhältnisse.

Zunächst ließ er sich in Tomerdingen nieder, seit 2007 hat er Wohnung und Firmensitz in Hörvelsingen. „Hier ist auch die Landschaft schön“, sagt er und lässt den Blick schweifen. Der Ballon schwebt 300 Meter über der  Illermündung, die Morgensonne taucht die Auwälder und die Felder in ein goldenes Licht. Dank der geringen Höhe sind alle Details zu erkennen – in der Stadt ebenso wie auf dem Land. Das begeistert Hildegard Heisler aus Westerstetten besonders. „Es ist einfach unbeschreiblich toll. Mehr kannst du dazu gar nicht sagen“, meint sie. Es sei sehr entspannend, die Welt von oben zu genießen, in Ruhe zu schauen und das mit einem Gefühl der Schwerelosigkeit – so fasst ihr Mann seine Eindrücke zusammen.

Nahe dem Erbacher Flugplatz peilt Grüter die Landung an. „Hinter dem Maisfeld müsste eine Wiese sein“, sagt er. Der Korb gleitet nur wenige Zentimeter über den Pflanzen, bis tatsächlich ein geeigneter Landeplatz in Sicht kommt. „Jetzt müsst ihr weich in die Knie gehen“, rät der Pilot, und schon setzt der Korb mit einem Ruck auf. Zwei weitere harmlose Stöße folgen. Die Fahrt ist nach einer guten Stunde beendet, und es folgt die obligatorische Ballonfahrertaufe.

Etliche Anbieter in der Region

Hauptberuf Seit 2001 hat Thomas Grüter seine Firma Sunshine-Ballooning auf- und ausgebaut. Er besitzt sechs Ballone und arbeitet mit zehn Piloten zusammen. Sie starten zwischen Stuttgart und München, Würzburg und Kempten.

Nebenberuf Neben einigen gewerblichen Unternehmen gibt es in der Region auch zahlreiche nebenberufliche Ballonfahrer, die Passagiere in kleinen Körben mitnehmen. Die Piloten könnten über die Sponsoren in Erfahrung gebracht werden, sagt Karl Schwer aus Erbach, der vor genau 50 Jahren seinen Pilotenschein gemacht hat. Er organisiert zudem zusammen mit Hermann Schmid alljährlich das Ballonglühen in der Ulmer Friedrichsau.

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