Mit durchgebissener Kehle und blutig aufgerissenem Hinterlauf liegt ein totes Reh auf einer schneebedeckten Wiese. Nach Aussage des Jägers, der die Szenerie vor wenigen Tagen beim Wohngebiet Längenfeld am nordwestlichen Stadtrand von Ehingen fotografierte, war das Reh von einem Hund gehetzt und gerissen worden. Der Vorfall ist der dritte dieser Art innerhalb weniger Wochen im Ehinger Norden, und der vierte seit Mai 2012: Damals war nahe des Segelfluggeländes ein Rehbock "fürchterlich zugerichtet worden", wie ein anderer Jäger berichtet. Mitte Dezember hatte ein Hund ein Rehkitz bis ins Wohngebiet Längenfeld gehetzt und so schwer verwundet, dass es vom Jagdaufseher getötet werden musste. Am 3. Januar wurde ebenfalls beim Gelände der Segelflieger eine tote Rehgeiß gefunden. Zudem war im November eine Joggerin vom nicht angeleinten Hund einer Spaziergängerin gebissen worden.

Im Wohngebiet Längenfeld gebe es immer mehr große Hunde, ist von Jägerseite zu hören, deren Halter sich nicht um den Leinenzwang scherten. Dieser sei in der polizeilichen Umweltschutzverordnung der Stadt verankert, sagt Sprecherin Bettina Gihr. Dort heißt es: "Im Innenbereich sind auf öffentlichen Flächen Hunde an der Leine zu führen. Ansonsten dürfen Hunde ohne Begleitung einer Person, die durch Zuruf auf das Tier einwirken kann, nicht frei umherlaufen." Die Verwaltung sehe aber keinen Anlass, Hundehalter darauf gesondert hinzuweisen, zum Beispiel mit Schildern.

Bei der Polizei sind die drei aktuellen Fälle bekannt. Im einen Fall sei der Halter ermittelt und angezeigt worden, im anderen gab es kein Ergebnis, sagt Sprecher Wolfgang Jürgens. Auch im neuesten Fall werde ermittelt: zu prüfen sei, ob gegen das Tierschutzgesetz, die Polizeiverordnung oder das Landesjagdgesetz verstoßen wurde. Kommt es zu einem Ergebnis, stehe am Ende der Ermittlungen eine zu ahndende Ordnungswidrigkeit; nur in Ausnahmefällen werde Strafanzeige erstattet.