Schon von weitem steigt einem der Duft frisch gerösteter Zwiebeln in die Nase. Er kommt aus einem schwarzen Imbisswagen mit Weißwandreifen. Der Wagen im Stil der US-Straßenkreuzer der 40er Jahre gehört dem "Herrn von Schwaben". Unter diesem Namen zeigt der 29-jährige Florian Hanke aus Lonsee, wie schwäbische Küche auch am Imbiss erfolgreich sein kann.

Vor Jahren war ihm aufgefallen, dass viele Menschen unter Zeitdruck essen müssen und etwas zum Mitnehmen bestellen; dass es an Imbissständen Gerichte aus beinahe jedem Land der Welt gibt, jedoch selten die Deutsche Küche und schon gar nicht die schwäbische. "Warum sollten wir dort nicht das essen, was wir seit unserer Kindheit kennen?", fragte sich der gelernte Koch. Er wollte das ändern. Seine Geschäftsidee: schwäbische Spezialitäten "on the road" als Antwort auf Döner und Pizza.

Hanke sammelte erst einige Jahre Berufserfahrung in Restaurants, dann wagte er mit seinem Konzept den Schritt in die Selbstständigkeit. Die sei für ihn ein Lebenstraum gewesen, denn sie sei "die Krönung jedes Jobs". Seinen Imbisswagen taufte er auf "Herr von Schwaben". Seit Mai 2012 steht er gemeinsam mit seiner Frau von Montag bis Freitag in dem noblen Anhänger.

Vom Donautal bis nach Dornstadt - die schwäbischen Gerichte bereitet Hanke immer vor Ort zu. Es gibt neun verschiedene. Von Maultaschen über Bratwürste und Kartoffelsalat bis hin zu Linsen mit Spätzle reicht die Auswahl. Die Preise liegen zwischen drei und sechs Euro.

Der Imbisswagen lässt sich auch für Firmen- oder Familienfeiern buchen. Als Caterer bietet Hanke etliche Gerichte an: schwäbische natürlich, aber auch französisches Essen oder ein klassisches Buffet.

Im Alltag kommen die Kässpätzle am besten an, Wetter und Jahreszeit seien da egal. Dafür sei er eine "kleine Berühmtheit" bei seinen Gästen, sagt der Herr von Schwaben. Das Geschäft laufe immer besser. Der Andrang zur Mittagspause ist oft so groß, dass in kürzester Zeit mehr als 50 Portionen gekocht werden müssen. Doch darauf ist er vorbereitet. In Großküchen habe er gelernt, große Mengen schnell zuzubereiten. Andererseits möchte er mit seinem Essen auch gehobene Ansprüche erfüllen - im Jahr 2001 habe er als Auszubildender auf der internationale Gastronomiemesse in Stuttgart einen Preis gewonnen.

Damit ihm heute in nur zwei Minuten Zubereitungszeit Schmackhaftes gelingt, braucht es gute Vorbereitung. Jeden Morgen um 7 Uhr holt er die verschiedenen Produkte aus den gekühlten Lagerräumen. Er kaufe sie alle bei Landwirten auf der Schwäbischen Alb. Das sei zwar nicht billig, aber er ist von der Qualität seiner Waren überzeugt. Das Fleisch bezieht Hanke von einer Metzgerei, die nach seiner Rezeptur produziert. Um 8 Uhr prüft er die Lebensmittel täglich auf Qualität, Optik, Temperatur und Geschmack. Von 11 Uhr an stehen seine Frau und er mit dem Imbisswagen an einem der fünf Standorte und warten auf Kunden.

Am Anfang wussten die meisten Gäste nichts mit dem Wagen anzufangen, den er in Holland produzieren ließ und dort selbst abgeholt hatte. "Nach und nach ist die Skepsis verflogen", erinnert sich Hanke. Das Geschäft in dem ungewöhnlichen Anhänger kam ins Rollen. Immer mehr Gäste sind im Laufe der eineinhalb Jahren gekommen - und wiedergekommen.

Seine Kunden sind ganz verschieden, erklärt Hanke. Viele Studenten würden sein Essen schätzen, denn das schmecke schließlich wie bei ihrer Mutter zuhause. Doch auch ältere Damen kommen. Und sie loben seinen Kartoffelsalat - obwohl sich gerade daran die Geister ja bekanntlich oft scheiden. Zu den Gästen, die regelmäßig kommen, gehört Dario Mittenhuber. Der junge Mann findet "das Konzept ist genial" und schätzt die Abwechslung, die es beim "Herrn von Schwaben" gibt.

Hanke plant inzwischen bereits, ein weiteres Fahrzeug im Ostalbkreis einzusetzen. Und mehr noch: "Herr von Schwaben" sei nicht nur ein Firmenname, sondern eine Marke, die in den nächsten Jahren für "regionale und gesunde Systemgastronomie" stehen könne. Am Ende könnte es also sogar ein Heer von Schwaben geben.