Ulm Im Wahn Wohnhaus angezündet

Ulm / PATRICK FAUSS 14.07.2016
Raus aus der Klinik: Ein 24-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis, der im Wahn sein Elternhaus angezündet hatte, ist unter Auflagen wieder auf freiem Fuß.

Ein 24-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis ist in eine paranoide Schizophrenie gerutscht. Vergangenes Jahr war er deswegen einen Monat lang in psychiatrischer Behandlung. Medikamente, die er dort verschrieben bekam, setzte er aber ab. Anfang Februar dieses Jahres entfachte er schließlich in seinem Zimmer im Elternhaus ein Feuer. Es entstand ein Sachschaden von 10 000 Euro. Das Gericht der Zweiten Großen Strafkammer am Landgericht Ulm hatte nun zu entscheiden, ob die geschlossene Unterbringung in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Schussenried fortgesetzt werden muss. Oder ob der Beschuldigte gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden kann.

„Ich wollte eigentlich aus dem Fenster springen, habe es dann aber nicht getan“, berichtet der Beschuldigte vor Gericht von den Vorgängen der Tatnacht. „Sie haben damals angegeben, dass sie ihre Identität vernichten wollen“, hakte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan nach. „Ich wollte neu geboren werden“, erläuterte der Beschuldigte. Deshalb habe er Dokumente, auf denen sein Name stand, verbrannt. Als es im Zimmer stark zu rauchen begonnen hatte, floh er von zu Hause. Seine Eltern riefen die Feuerwehr, die ein Ausbreiten des Brands verhinderte.

In der Nacht irrte er umher und rief schließlich die Polizei von einer Telefonzelle aus an. Als die Beamten kamen, stellten sie ungewöhnliches Verhalten fest. Der Beschuldigte habe sie immer wieder angefasst, um sich zu versichern, dass sie echt seien. Während der gesamten Vorgänge in der Tatnacht habe er sich verfolgt und bedroht gefühlt, sagte der 24-Jährige. Bereits am Tag zuvor habe er, wie ein als Zeuge geladener Kollege berichtete, seltsam verhalten. Zu Hause habe er, laut Aussage seiner Eltern, alle Türen verschlossen, die Schüssel eingesammelt.

In der psychiatrischen Einrichtung, wo er seit der Brandstiftung bleiben muss, hatte er berichtet, bereits sei zehn Jahren immer wieder Suizidgedanken gehabt zu haben. Seine Verfolgungsvorstellungen hätten ungefähr viereinhalb Jahre zuvor begonnen. Damals habe er auch begonnen, Cannabis zu rauchen. Vor vier Jahren hatte er zudem auf Facebook einen Amoklauf angekündigt. Damals war gerade eine Beziehung in die Brüche gegangen.

Der psychiatrische Sachverständige Heiner Missenhardt aus Bad Schussenried bestätigte, dass der Beschuldigte unter paranoider Schizophrenie leide. Die Erkrankung sei langfristig und gehe mit Wahnvorstellungen einher, die in Schüben auftreten. Eine Behandlung mit Medikamenten sei möglich und notwendig. Die Tat hätte sich wohl nicht ereignet, wenn der Beschuldigte die 2015 verordnete Medikamente weiter eingenommen hätte.

Die Staatsanwaltschaft plädierte darauf, die psychiatrische Unterbringung des Beschuldigten fünf Jahre zur Bewährung auszusetzen. Rechtsbeistand Alfred Nübling forderte ebenfalls eine Aussetzung zur Bewährung. Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 24-Jährige wird nun auf freien Fuß gesetzt, muss sich aber regelmäßig medizinisch und psychiatrisch begutachten lassen. Auflage ist auch, dass er regelmäßig Medikamente gegen seine Realitätsverkennung einnimmt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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