Fremdenverkehr Im Tourismus geht es stetig bergauf

Auf dieser Wiese soll das Welterbe-Infozentrum für den Hohle Fels gebaut werden. Die Stadt Schelklingen ist davon nicht begeistert, unter anderem, weil die städtische Kläranlage, das Gebäude ist Teil der Anlage, direkt angrenzt. Der Hohle Fels ist im Hintergrund rechts am Waldrand.
Auf dieser Wiese soll das Welterbe-Infozentrum für den Hohle Fels gebaut werden. Die Stadt Schelklingen ist davon nicht begeistert, unter anderem, weil die städtische Kläranlage, das Gebäude ist Teil der Anlage, direkt angrenzt. Der Hohle Fels ist im Hintergrund rechts am Waldrand. © Foto: Matthias Kessler
Alb-Donau-Kreis / Helga Mäckle 15.11.2018

Die Ernennung der Höhlen im Lone- und Achtal zum Unesco-Welterbe im Juli vergangenen Jahres hat natürlich einen erheblichen Anteil dazu beigetragen, dass der Tourismus im Alb-Donau-Kreis weiter wächst, die Besucherzahlen sind seither deutlich gestiegen: 535 000 Übernachtungen (2010: 413 000) wurden 2017 in Betrieben mit mehr als zehn Betten gezählt. Dieses Jahr dürfte die Zahl nochmals um vier Prozent steigen. Rund 245 Millionen Euro beträgt die touristische Wertschöpfung im Kreis pro Jahr. Eine stattliche Summe, die deutlich macht, dass Tourismus ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region ist, der weiter ausgebaut werden soll.

7,4 Millionen Tagestouristen

Wolfgang Koller, Leiter des Fachdienstes Ländlicher Raum, Kreisentwicklung, berichtete am Montag im Kreistag über die Entwicklungen: Demnach sind unter den Übernachtungsgästen immer mehr Menschen aus den Benelux-Ländern, der Schweiz und Österreich. Auch für die Tagesgäste konnte Koller positive Zahlen vermelden: Hochgerechnet an die 7,4 Millionen kommen demnach aus einem Umkreis von rund 65 Kilometern – zum Wandern, Radfahren und natürlich um die weltberühmte Eiszeitkunst und ihre Fundstätten zu sehen.

Die Dachmarke Weltkultursprung entwickle sich stetig fort, berichtete Koller. Seit Mai diesen Jahres ist mit Katharina Susec die Geschäftsstelle besetzt, auch werde derzeit intensiv an der Beschilderung für die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb gearbeitet. Das Logo steht, auch die Schilder sind entworfen. Nun müssten die genauen Standorte festgelegt und die Schilder aufgestellt werden. Bei den Schildern, die an der A 7 und A 8 aufgestellt werden, sei die Angelegenheit etwas komplizierter. Zum einen, weil für diese Autobahnschilder Schrift und Gestaltung genau vorgegeben seien, zum anderen, weil deren Standorte entlang der Autobahn mit den Verkehrsbehörden festgelegt werden müssten. Umgesetzt werden laut Koller nun die Themenwege, die die fünf Höhlen touristisch erschließen. Beim Hohle Fels werde beispielsweise die Venus und das Thema Grabungstechnik im Mittelpunkt stehen, am Hohlenstein bei Asselfingen der Löwenmensch und das Thema symbolisches Denken. „Es soll ja nicht bei jeder Höhle das Gleiche zu sehen sein.“ Seine Ausführungen zum Hohle Fels brachte die Frage seitens der Kreisräte zum geplanten Infozentrum in Schelklingen auf, zumal mit den Dixi-Klos, die während der Saison vom 1. Mai bis 31. Oktober auf dem Parkplatz bei der Höhle aufgestellt sind, nun wirklich kein Staat zu machen sei. Derzeit ist der Hohle Fels wegen der Winterruhe der dort lebenden Fledermäuse geschlossen.

Parkplatz liegt in Kernzone

„Die Standortsuche für das Infozentrum läuft“, erklärte Wolfgang Koller. Diese gestalte sich allerdings schwierig. Das Infozentrum auf dem Parkplatz beim Hohle Fels in der so genannten Kernzone zu bauen, ist nach den Vorgaben der Unesco nicht möglich. Damit laufe man gar Gefahr, das Welterbe-Siegel zu verlieren. Wie berichtet war eine Delegation im Juli in Schelklingen, um sich die Situation vor Ort anzuschauen.

Nun steht laut Koller ein Areal hinter der Kläranlage als Standort im Raum. „Das ist nicht perfekt“, sagte Koller (siehe Infokasten). Landrat Heiner Scheffold bestätigte, dass die Stadt Schelklingen „nicht glücklich“ mit diesem Standort sei. Der Kreis könne aber nicht wirklich helfen, denn das Thema falle unter die kommunale Planungshoheit. „Wir können nur beraten.“

Auf Nachfrage sagte Fachdienstleister Koller, dass die Stadt Schelklingen in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt nun nach einem besseren Standort suche. Erst, wenn dieser gefunden ist, könne man über die weitere Planung und die Kosten für das Infozentrum reden. Klar sei, dass Schelklingen, wie auch die anderen kleineren Welterbe-Gemeinden die Kosten für den Aufbau der nötigen Infrastruktur nicht alleine stemmen können. Das Land habe ja bereits entsprechende Zuschüsse für Investitionen zugesagt.

Bürgermeister: Standort bei der Kläranlage ist nicht geeignet

Suche „Aus unserer Sicht ist der Platz hinter der Kläranlage kein denkbarer Standort“, sagt der Schelklinger Bürgermeister Ulrich Ruckh auf Nachfrage. Tatsächlich sei es immer der Wunsch der Stadt gewesen, ein Infozentrum in Sichtweite zum Hohle Fels zu bauen. Das sei der Standort an der Kläranlage nicht – und dann auch noch die wenig attraktive Umgebung einer Kläranlage für eine so große Sache wie ein Unesco-Welterbe. Die Schelklinger seien immer davon ausgegangen, dass das Infozentrum auf dem bestehenden Parkplatz bei der Höhle gebaut werden dürfe. Zumal dort früher eine Bauschuttdeponie gewesen sei. Nun aber liege das Gelände in der Kernzone des Welterbes, werde es bebaut, drohe der Verlust des Welterbe-Siegels, erklärt Ruckh, der inzwischen durchaus ein gewisses Maß an Ratlosigkeit bei dem Thema einräumt. „Wir werden es intern jetzt nochmal mit Vertretern der Museumsgesellschaft und dem Gemeinderat diskutieren und dann entscheiden, wie eine Lösung für uns aussehen könnte.“

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