Einsatz Höhlenforscher Kücha in Kontakt mit Rettern in Thailand

Der britische Höhlentaucher Rick Stanton (zweiter von links), der auch schon in der Blauhöhle tauchte, und sein Kamerad John Volanthen (rechts) sind in Thailand zu den eingeschlossenen Jugendlichen vorgedrungen.
Der britische Höhlentaucher Rick Stanton (zweiter von links), der auch schon in der Blauhöhle tauchte, und sein Kamerad John Volanthen (rechts) sind in Thailand zu den eingeschlossenen Jugendlichen vorgedrungen. © Foto: afp
Blaubeuren / Joachim Striebel 04.07.2018
Andreas Kücha von der „Arge Blautopf“ war selbst schon in der thailändischen Höhle, in der junge Fußballer gefangen sind.

Andreas Kücha fiebert mit. „Ich hoffe, dass es gut geht“, sagt der erfahrene Höhlentaucher und Projektleiter der „Arge Blautopf“. Er war vor zehn Jahren in der thailändischen Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non, in der zwölf Jugendfußballer und ihr Trainer seit elf Tagen eingeschlossen sind. Und er kennt die britischen Höhlentaucher Rick Stanton und John Volanthen, die zusammen mit thailändischen Marinetauchern als erste die Vermissten erreicht haben. Die beiden Briten seien absolute Experten, berichtet Kücha. Er hat mit Rick Stanton schon gemeinsame Tauchgänge im gut 13 Kilometer langen Blauhöhlensystem in Blaubeuren unternommen.

Während in der Blau-Höhle große Teile ständig unter Wasser liegen, sind die vorderen Gänge in der Höhle Tham Luang nur nach Regenfällen geflutet. Ein heftiger Niederschlag war den jungen Leuten zum Verhängnis geworden. Andreas Kücha, der damals ohne Tauchausrüstung die im Grenzgebiet von Thailand zu Myanmar liegende Höhle erkundete, drang rund 500 Meter weit vor und machte dann an einer Wasser-Passage kehrt. Immer wieder komme im Verlauf der Gänge die Höhlendecke weit nach unten, erinnert er sich. Dringt Wasser in das System ein, komme nur ein Taucher weiter. Für erfahrene Höhlentaucher wie Rick Stanton und John Volanthen sei es kein Problem, entlang der inzwischen verlegten Führungsleine Verpflegung und Material zu den Eingeschlossenen zu bringen, meint Kücha. Doch eine Rettung der jungen Leute mit Tauchausrüstung wäre schwierig. Die Sicht ist schlecht, die Strömung stark.

Auf der Schwäbischen Alb, etwa im Mordloch bei Eybach und in der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten, gab es schon mal solche Rettungen, weiß Matthias Leyk, Einsatzleiter und Zweiter Vorsitzender der Höhlenrettung Baden-Württemberg. Doch dort seien es jeweils nur kurze Tauchstrecken gewesen. Kücha fand vor 15 Jahren zusammen mit anderen Rettern in der Falkensteiner Höhle eine vermisste Person, die dann mit der Tauchausrüstung vertraut gemacht wurde, um durch einen Siphon zu tauchen. In einem anderen Fall wurde ein Verletzter in eine Trage geschnürt, mit einem Lungenautomaten ausgerüstet und zehn Meter weit durch einen Siphon gezogen.

Wie lang sind die Passagen?

Matthias Leyk und Andreas Kücha wissen nicht, wie lang in der Tham Luang-Höhle die Unterwasserpassagen zwischen dem Höhleneingang und dem Ort, an dem die Gruppe gefangen ist, sind. Kücha hatte über WhatsApp Kontakt mit seinem Freund Rick Stanton. „Die Kernfrage, wie lange die Passagen sind, hat er noch nicht beantwortet“, berichtet Kücha. Vielleicht müssen die Eingeschlossenen warten, bis der Wasserstand sinkt. Doch das könne lange dauern, meint Kücha. Denn in Thailand hat gerade erst die Regenzeit begonnen. „Ich habe die Regenschauer selbst erlebt“, erzählt er. „Da öffnet der Himmel wirklich seine Pforten.“  Das Abpumpen von Wasser bringe wenig. Denn aus den Bergen fließe ständig Wasser nach. „Das muss ja irgendwo hin.“ Wichtig ist seiner Einschätzung nach jetzt die psychologische Betreuung der jungen Leute angesichts der langen bereits verbrachten und noch vor ihnen liegenden Zeit in der Dunkelheit.

Der in Schemmerhofen (Kreis Biberach) wohnende Forscher wurde selbst nicht als Helfer angefordert. Er und möglicherweise weitere Mitglieder der „Arge Blautopf“ wären aber bereit zum Einsatz. Allerdings seien bereits Höhlentaucher aus mehreren Ländern vor Ort. Neben den Briten auch Australier. „Das sind gute Leute“, weiß Andreas Kücha, der erleichert auf die Nachricht vom Auffinden der Gruppe reagierte und sich sicher ist, dass seine Höhlentaucher-Kollegen bei der Rettung kein Risiko eingehen werden.

Mehr zur Rettungsaktion in Thailand unter www.swp.de/thailand

Auf die Wettervorhersage achten

Vorbereitung Auch auf der Schwäbischen Alb gibt es öffentlich zugängliche Höhlen, in denen nach Niederschlägen das Wasser rasch ansteigen kann. Petra Boldt, Vorsitzende des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg, nennt das Mordloch bei Geislingen-Eybach und die Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten, für die allerdings eine Genehmigung der Gemeinde erforderlich ist. „Generell sollte man auf den Wetterbericht achten“, rät Boldt. Innerhalb weniger Stunden könne sich das Bild in der Höhle dramatisch ändern. Wer eine Tour plane, tue gut daran, sich bei Fachleuten aus der Gegend zu erkundigen. Ein langer Aufenthalt in einer Alb-Höhle ist wegen der niedrigen Temperatur von rund 9 Grad schwierig. In der Tham-Luang-Höhle in Thailand ist es 25 Grad warm.

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