Im Funkloch Kein Handy-Netz in Bollingen

Herta Botzenhardt geht zum Telefonieren vor die Haustür. Dort stehen die Chancen auf Empfang noch am besten.
Herta Botzenhardt geht zum Telefonieren vor die Haustür. Dort stehen die Chancen auf Empfang noch am besten. © Foto: Volkmar Könneke
Bollingen / Bianca Frieß 21.06.2018
Herta Botzenhardt muss zum Telefonieren vor die Haustür gehen: Am Ortsrand von Bollingen ist das Handy-Netz denkbar schlecht.

Wenn sie mit dem Handy telefonieren möchte, geht Herta Botzenhardt vor die Haustür. Im Hof, ein paar Meter vom Haus weg, stehen die Chancen auf Netz am besten. „Man sucht, wo man gerade Empfang hat“, sagt die 76-Jährige. „Man muss auf jeden Fall außer Haus.“

Familie Botzenhardt wohnt am Rand des Dornstadter Ortsteils Bollingen, direkt an den Ausläufern des Kiesentals. Natur und Idylle pur – Handy-Netz gibt es hier allerdings kaum, von mobilem Internet ganz zu schweigen. Ab und an ist auf dem Handy ein Balken zu sehen, der aber schnell wieder verschwindet. Ihre Nachbarn hätten die gleichen Schwierigkeiten, erzählt Botzenhardt. „Ich sehe sie auch draußen auf dem Balkon telefonieren.“

Tagsüber nicht erreichbar

Besonders für ältere Menschen sei das ein großes Problem, meint die 76-Jährige: „Da braucht man vielleicht mal schnell Hilfe. Man fällt irgendwo hin – und hat dann keinen Anschluss.“ Außerdem nutzen viele das Handy ja auch beruflich. Kürzlich waren bei Botzenhardts etwa einige Handwerker wegen Umbauarbeiten im Haus. „Die sind dann während des Tags nicht erreichbar.“

Botzenhardt selbst hat ihren Handy-Vertrag bei der Telekom. Online lässt sich die Verfügbarkeit prüfen. Demnach ist die Netzqualität in und um Bollingen sehr unterschiedlich: Im Westen in Richtung Kiesental gibt es ein paar weiße Flecken – hier hat man also gar keinen Empfang. In einem Großteil des Orts ist 2G-Netz mit einer maximalen Übertragungsrate von 256 Kilobit pro Sekunde verfügbar, die niedrigste Geschwindigkeitsstufe. Am anderen Ende des Orts, Richtung Dornstadt, wird das Netz immer besser.

Das bestätigt auch Ortsvorsteher Martin Durst. „Örtlich ist das sicherlich schwierig“, sagt er. „Manche Bereiche sind super, manche schlechter.“ Er selbst habe zuhause auch Probleme. Im Garten sei das Netz zwar ganz gut. „Es gibt aber Räume in Haus, wo man zu arg abgeschirmt ist.“ Generell profitiere Bollingen aber von dem Funkmast im nahen Ulmer Science-Park, das Handy-Netz sei dadurch besser geworden. „Andere Ortsteile sind da sicher noch schlimmer dran“, sagt Durst.

Botzenhadt hat sich auch schon bei Netzanbietern beschwert, bei der Telekom angerufen – und ist wiederholt in einer Warteschleife gelandet. „Irgendwann gibt man dann genervt auf, man lebt halt damit“, sagt sie. Ihre Kinder haben auch schon andere Anbieter getestet, bisher ohne Erfolg.

Immerhin funktionieren das Festnetztelefon und Internet in Bollingen sehr gut. Da habe es noch nie Probleme gegeben, erzählt die Rentnerin. „Da ist Bollingen wirklich auf Zack, wir hatten schon sehr früh gutes Internet.“ Das werde auch immer weiter ausgebaut, berichtet Durst. „Der Breitbandausbau läuft, vorgesehen ist ein Backbone-Netz.“ Backbone heißt zu Deutsch Rückgrat. Es gibt eine Hauptleitung, mit der dann viele kleinere lokale Leitungen verbunden werden. „An der Zukunft wird also gearbeitet“, sagt der Ortsvorsteher.

Ob denn auch in Sachen Handy-Netz eine Verbesserung geplant ist? Durst verneint. „Da ist nichts bekannt“, sagt er – und hat aber eine Idee: Vielleicht könnte man zur Netzqualität unter den Einwohnern mal eine Umfrage starten.

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