Entsorgung Im Biomüll-Streit ist Einigung in Sicht

Alb-Donau-Kreis / Von Thomas Steibadler 09.06.2018

Lange hat sich der Alb-Donau-Kreis geweigert, galt sogar als Biomüll-Rebell im Land. Während fast überall in Baden-Württemberg die Bio-Abfälle getrennt vom Restmüll gesammelt werden, ist das im hiesigen Landkreis die krasse Ausnahme. Biotonnen gibt es nur in Ehingen und in Illerkirchberg (siehe Infokasten). Nun deutet sich eine Änderung der Haltung des Landratsamts an. Die flächendeckende getrennte Erfassung des Biomülls dürfte kommen. Ob damit auch in allen Kommunen die Biotonne eingeführt wird, ist allerdings offen.

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lässt auf Anfrage unserer Zeitung keinen Zweifel aufkommen: Die Zeit des Rebellentums geht zu Ende. „Das ist Bundesrecht seit 2011. Und es ist mein Job, das Recht durchzusetzen“, sagt Untersteller und bezieht sich auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Darin heißt es, Bioabfälle sind „spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln“. Landratsamt und die Mehrheit im Kreistag hatten dem stets das Kostenargument entgegen gehalten: Eine flächendeckende Biomüll-Sammlung verursache erheblichen Aufwand. Der werde sich aber wegen der vielen Haushalte, die selber kompostieren, nicht lohnen. Die Folge wären steigende Abfallgebühren für alle Bürger im Landkreis.

Diese Argumentation zieht bei Untersteller nicht. Es gebe genügend Beispiele im Land, die das Gegenteil beweisen, sagt der Minister. Im Hohenlohekreis seien im ersten Jahr der Biotonne 90 Kilo pro Einwohner gesammelt worden, eine stattliche Menge. Und der Hohenlohekreis sei ebenso ländlich strukturiert wie der Alb-Donau-Kreis.

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause wird es in Sachen Biomüll zum „Gespräch auf Spitzenebene“ kommen, bestätigt das Landratsamt. Landrat Heiner Scheffold trifft Franz Untersteller. „Ich gehe davon aus, dass er einen Vorschlag hat“, sagt der Minister. Wie dieser Vorschlag lautet, behält der Landrat noch für sich. Bei dem Treffen gehe es darum, „wie eine für die Situation des Alb-Donau-Kreises angepasste Lösung einer Sammlung und Entsorgung von Bioabfällen“ aussehen könnte, teilt das Landratsamt mit. Über das Gesprächsergebnis und das weitere Vorgehen werde dann anschließend in den Kreistagsgremien öffentlich berichtet.

Ist damit die Entscheidung für die Biotonne im ganzen Landkreis gefallen? Nicht zwangsläufig. Er poche nicht auf ein bestimmtes System, sagt der Umweltminister. Möglich sind daher auch Biomüll-Sammelbehälter auf den Recyclinghöfen. Als hinderlich für eine flächendeckende Lösung könnte sich allerdings die Zuständigkeit der Städte und Gemeinden für das Einsammeln der Abfälle und Wertstoffe erweisen, gibt Untersteller zu bedenken. Denkbar ist daher auch die Rückübertragung dieser Zuständigkeit auf den Landkreis.

Von den ursprünglich sechs Biomüll-Rebellen im Land müssen dem Ministerium zufolge lediglich noch zwei zur Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes überzeugt werden. Außer dem Alb-Donau-Kreis ist das der Landkreis Sigmaringen. Auch mit dem dortigen Landratsamt stehe ein klärendes Gespräch an, sagt Minister Untersteller: „Ich bin nicht unzufrieden, wie sich das alles entwickelt hat.“

Die beiden Biotonnen-Kommunen

Ehingen „Die Erfahrungen sind positiv“, sagt Bettina Gihr, die Pressesprecherin der Stadt Ehingen. Seit 1997 gibt es in Ehingen die Biotonne. Etwa 6800 Haushalte haben sie, 2069 haben sich von der Pflicht zur Biotonne befreien lassen und kompostieren selbst. Dafür bekommen sie 28 Euro der jährlichen Müllgebühr erstattet. Insgesamt, meint Bettina Gihr, bringe die Biotonne eine konsequentere Abfalltrennung, ein wichtiger Umweltaspekt, und eine Entlastung für alle Gebührenzahler.

Illerkirchberg Seit 2001 können die Haushalte in Illerkirchberg eine Biotonne bestellen und alle zwei Wochen leeren lassen. 120 machen laut Hauptamtleiter Manfred Kornmayer davon Gebrauch. Damit seien die Kosten „gerade so gedeckt“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel